Weinkultur im Ruhrgebiet salonfähig gemacht

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In einer Bierregion, wie es das Ruhrgebiet früher einmal war, fasste das Weinhaus Melters 1954 Fuß als feine und feste Adresse für süffige Geselligkeit. Der Familie Melters gelang es nicht nur, den Rebensaft den Mülheimern schmackhaft zu machen – ihre Probierstube mauserte sich nach und nach zu einem großen Lokal mit Weingarten an der Friedrich-Ebert-Straße: ein gesellschaftlicher Treffpunkt in der Stadt.

Als junge Frau hatte die Duisburgerin Ute Braß in die Familie Melters eingeheiratet. „Mein Mann, meine Schwiegereltern und ich haben Pionierarbeit geleistet, denn das Weintrinken war im Ruhrgebiet nicht selbstverständlich.“ Nach vielen Jahren in der Stadtmitte und einer Auszeit eröffnete Ute Braß dann „Das Weinhaus“ an der Hansastraße 226, das sie jetzt Ende des Jahres aufgibt.

„Nach 50 Jahren Einsatz in Gastronomie und Handel rund um das wunderbare Getränk Wein beende ich mein Geschäftsleben.“ Mit ihrem zweiten Ehemann möchte Ute Braß ihr Leben nach langer Selbstständigkeit jetzt genießen. „Wir haben viele Pläne für eine gemeinsame Freizeit“. 50 Jahre in Sachen Wein unterwegs „sind genug“, sagt die Geschäftsfrau und Weinliebhaberin.

Mit „Freude“ blickt Ute Braß auf die vielen Jahre zurück. Gastfreundschaft und das Schätzen eines guten Tropfens hat sie ihren Kunden, darunter viele Stammkunden, immer vermittelt. An prominente Gäste wie den berühmten Schlittschuh-Star Hans-Jürgen Bäumler erinnert sich Ute Braß gerne: „Der war nett, ein ganz herzlich frischer Bayer.“ Die weinselige Stimmung im gemütlich-rustikalen Lokal an der Friedrich-Ebert-Straße ließ offenbar so manchen Funken überspringen. „Viele Leute haben sich hier kennen gelernt“. Es gab Verlobungen, Hochzeiten und andere Familienfeiern. „Ja, es war eine sehr schöne Zeit mit vielen netten Erinnerungen.“ Die Mülheimer Künstler hatten einen Stammtisch im Weinhaus Melters und der Chef des Hauses steuerte gern mal gratis einen Teller mit Käse und so manche kostenlose Runde bei. Denn er wusste, dass die Künstler zum „Lokalkolorit beitragen“.

1993 wurde das Geschäft an der Friedrich-Ebert-Straße aufgegeben, erläutert Ute Braß: „Und für mich wurden es fünf Wanderjahre.“ In dieser Zeit war sie in einem Weinhandel in Kettwig beschäftigt. Doch es zog sie wieder nach Mülheim und zu einem neuen Weinhaus, diesmal an der Hansastraße. 1998 schloss sie den Laden mit Wein und Feinkost in Speldorf auf. Mit Rebstöcken und Trauben am Haus, „aus denen ich Weingelee gekocht habe“. Der gute Ruf, das Vertrauen und die kompetente Beratung gaben ihr Rückenwind. „Ich habe hier ganz schnell wieder gesellschaftlich Fuß gefasst.“

Ende des Jahres schließt die 70-Jährige nun ihr Geschäft ab. Ihre Mission, den Wein im Ruhrgebiet salonfähig zu machen, ist nach 50 Jahren nun wohl mehr als nur erfüllt.