WDR-„Trödelking“ Roland Beuge packt aus - Fake beim Dreh

Roland Beuge, genannt der „Trödelking“, war jahrelang als Moderator der gleichnamigen Sendung das Aushängeschild des WDR.
Roland Beuge, genannt der „Trödelking“, war jahrelang als Moderator der gleichnamigen Sendung das Aushängeschild des WDR.
Was wir bereits wissen
Roland Beuge war lange Jahre eines der wichtigsten Aushängeschilder des WDR. Ein erfolgreicher Moderator, mit dem die wechselnden Produktionsfirmen gutes Geld verdient haben. Nach Recherchen der WAZ über fünf Millionen Euro Brutto. Jetzt verrät Beuge, wie es zur Steuerhinterziehung kommen konnte.

Bochum/Mülheim.. Roland Beuge war lange Jahre eines der wichtigsten Aushängeschilder des WDR. Der Trödelking war ein erfolgreicher Moderator, der die Menschen mitgenommen hat und mit dem die wechselnden Produktionsfirmen gutes Geld verdient haben. Nach Recherchen der WAZ-Mediengruppe über fünf Millionen Euro Brutto. Im Gespräch mit David Schraven berichtet Beuge nun von seinen Erfahrungen mit dem Fernsehen. Und wie es zu seiner Steuerhinterziehung kommen konnte.

Wie sind Sie der Trödelking für den WDR geworden?

Roland Beuge: "Das ist eine recht kurze Geschichte. Nach einer Firmenpleite habe ich erst in Lohmar und dann in Troisdorf Trödelhallen aufgebaut und gleichzeitig erfolgreich über Ebay gehandelt. Das waren meine einzigen Chancen damals, ein paar Euro zu verdienen. Und wie es das Leben so will, hat sich dann bei mir eine Produktionsfirma gemeldet. So wurde die Firma Good Times, bei der vieles in Köln zusammenlief, auf mich aufmerksam.

Über die Good Times kam ich erst als Verkaufsexperte zur WDR-Sendung „Der große Finanzcheck“ und schließlich zur Media Uno als Moderator der Sendung „Trödelking“. Dass die Sache so einschlägt, dass später mal der WDR den roten Teppich für mich ausrollt, hätte ich nie gedacht."

Damals begann für mich das Übel. Ich konnte kaum in den Spiegel schauen. Ich hatte Offenbarungseide abgegeben. Aber ich trat als Verkaufsexperte auf, um Schulden von anderen Leuten zu regeln. Ich dachte, wie pervers ist die Welt."

Ronald Beuge sollte vor der Kamera gut aussehen

Wie lief das mit Ihrem Lohn? Sie hatten aus ihrer Firmenpleite doch Schulden von über 100 000 Euro.

Beuge: "Schon bei der ersten Produktion habe ich den Leuten gesagt, dass ich kein Geld verdienen kann, weil ich eine Pleite hingelegt hatte. Ich habe immer mit offenen Karten gespielt. Allen war klar, dass ich pleite war, auch den führenden Leute beim WDR. Ich wusste doch, egal, wo ich auftauche, kommen anschließend Gläubiger und wollen meinen Lohn pfänden. Das war mein Leben. Die Produzenten haben mir von Anfang an gesagt: Roland, da gibt es andere Wege. So sollte ich Tankquittungen beibringen, egal welche. Das Geld wurde mir dann erstattet, bis ein zuvor vereinbarter Geldbetrag erreicht war. Das war mein Lohn – es ging bis zu 1500 Euro im Monat.

Als passende Geschichte wurde mir präsentiert, ich hätte Recherchen für die Produzenten gemacht. Also, ich hätte etwa eine Vase gefunden. Und um den Wert der Vase zu ermitteln, sei ich von Pontius nach Pilatus gefahren. Dazu kamen Quittungen für alle möglichen Sachen, etwa Material aus dem Baumarkt oder einfach Kleidung, die ich angeblich gekauft hätte. Das wurde mir alles erstattet. Mir haben alle nur gesagt, dass ich vor der Kamera gut aussehen muss. Um den Rest kümmern sich andere. Am Ende sollte ich meine Persönlichkeitsrechte an einen Treuhänder verkaufen. Über diese Person würden dann die Zahlungen abgewickelt. Ich hatte bis dahin noch nie etwas von Persönlichkeitsrechten gehört. Später hat mir dann ein Anwalt der Media Uno die entsprechenden Verträge mit einem Schweizer Treuhänder vorgelegt."

Statt Ehrlichkeit wurden die Trödel-Utensilien für den WDR gefakt

Wie lief die Arbeit mit der ersten Produktionsfirma Media Uno?

Beuge: "Das war völliges Low Budget. Mein Lohn lag lange nicht bei 10 000 Euro pro Folge. Die Helfer waren fast ausschließlich Praktikanten und Studenten."

Gab es Streit?

Beuge: "Ich wollte ehrliche Geschichten machen, zeigen, wie es wirklich ist. Ich glaube, nur so kann man dauerhaft eine gute Quote erreichen. Ein Beispiel nur: Der WDR hat sich ein so genanntes Promi-Trödeln gewünscht. Wir sind also zur Bonner Kabarettistin Anka Zink gefahren. Ich bin direkt in den Keller gegangen. Dort war nichts, was in meinen Augen getrödelt werden konnte. Der Keller war nackig. Das habe ich auch gesagt. Dann ist ein Mitarbeiter der Media Uno in den Baumarkt gefahren und hat einen Werkzeugkasten gekauft und den in den Keller gestellt. Den Werkzeugkasten sollte ich dann vertrödeln. Das war ein Fake. Ich war stinksauer und hab meine Wut rausgebrüllt. Es heißt, ich sei cholerisch. Nein, ich war bitter enttäuscht, dass man mich so weit bringen wollte, für das Fernsehen zu lügen."

Haben Sie in der Schweiz Steuern gezahlt?

Beuge: "Ich habe meine Firma Horizons Entertainment dort gegründet. In der Schweiz ist mein Zuhause. Und ja, ich habe dort meine Steuern bezahlt. Allerdings war ich wegen der Dreherei weniger als 180 Tage im Jahr zu Hause. Deswegen war ich in Deutschland steuerpflichtig. Diese Steuern muss ich nun nachzahlen."

Wie kamen Sie zur Produktionsfirma Encanto von Bettina Böttinger?

Beuge: "Aus persönlichen Gründen konnte ich nicht mehr mit der Media Uno zusammenarbeiten. Ich hatte das Gefühl, dass Zusagen mir gegenüber nicht eingehalten wurden. Es gab dann eine Ausschreibung für den Trödelking. Aber nur eine Firma hat mit mir außer der Sony Pictures gesprochen. Das war die Encanto von Bettina Böttinger. Diese hat dann auch die Ausschreibung gewonnen. Komisch oder? Hätten nicht die anderen Wettbewerber auch mit mir reden müssen?"

"Hinter meinem Rücken werden Orden samt Hakenkreuzen verkauft"

Wusste die Encanto von den Geld-Problemen?

Beuge: "Ja sicher. Beim Wechsel der Produktionsfirma zur Encanto von Bettina Böttinger habe ich meinen Treuhänder abgelöst. Statt seiner habe ich meine eigene Schweizer Firma in die Verträge mit der Encanto über meine Persönlichkeitsrechte eingesetzt. Das stand sogar in den Verträgen: Horizons Entertainment vertreten durch Roland Beuge. Zudem hat die Encanto immer wieder für mich Geld ausgegeben und diese Beträge von Honoraren an die Horizons abgezogen. Etwa wenn sie einen Leihwagen für mich persönlich gemietet haben oder eine Wohnung für mich. Dann hieß es, das sei ein Geld werter Vorteil, der müsse vom Honorar an meine Firma abgezogen werden. Ich glaube, die Encanto hat lediglich einen Weg gesucht, wie sie ihre Bücher sauber halten und die Verantwortung auf andere abschieben kann."

Auch mit Encanto gab es später Streit. Warum?

Beuge: "Ich gebe mal ein Beispiel: Ich will nichts mit dem 2. Weltkrieg zu tun haben. Ich will keine Hitler-Tagebücher verkaufen, ich will keine Hakenkreuze verhökern, schon gar nicht in meiner Sendung Trödelking. Nur eine Ausnahme lasse ich zu, wenn hinter einer Sache aus dem Krieg eine historische Geschichte steckt, die erzählt werden muss. So einen Fall gab es tatsächlich. Eine Familie aus Köln hatte einen Opa, der mit einer zusammengeschossenen Junkers Ju seine Kameraden von der Front gerettet hat.

Für diese Familie sollte ich ein Andenken von diesem Opa verkaufen. Das gelang auch in angemessenen Rahmen. Ich habe das Andenken an eine Stiftung verkauft. Die Familie hatte aber auch anderes Zeug. Eben Hakenkreuze und diesen Schund. Ich habe in der Redaktion laut und deutlich gesagt, wir verkaufen keinen Nazikram. Eine klare Ansage, oder? Dann vermittelt jemand in der Produktionsfirma von Bettina Böttinger einen Kontakt zwischen dem Experten von meiner Liste mit Fachleuten und der Familie. Und hinter meinem Rücken werden so Orden samt Hakenkreuzen verkauft. Ich finde das unglaublich."

Der Hintergrund zur Geschichte um Trödelking Roland Beuge

Roland Beuge hat einen Strafbefehl wegen hinterzogener Steuern akzeptiert. Fahnder haben nachgewiesen, dass der Trödelking über die Schweiz Honorare für die Produktion seiner Erfolgssendung bezogen hat. Nun packt Beuge allerdings aus, wie im Interview oben nachzulesen ist.

Der TV-Promi will nicht einsehen, dass er alleine Fehler gemacht haben soll. Er sagt, die Produktionsfirmen hätten weggesehen, um mit ihm Geld zu scheffeln. Wie aus einem WDR-Vertrag hervorgeht, haben die verschiedenen Produktionsfirmen weit über 5 Millionen Euro mit der Sendung umgesetzt. Beuge sagt, alle hätten ihn fallen lassen, als es ihm an den Kragen ging. Und dass WDR und Produktionsfirmen wussten, dass Honorare für seine Arbeit über die Schweiz flossen.

Nun ist Beuge nicht der beste Zeuge. Er ist vorbestraft. Er ist wütend. Er hat Streit mit fast allen Produktionsfirmen. Und so muss man auch das Interview lesen.

Die Angegriffenen wehren sich jedenfalls gegen Beuges Vorwürfe. Der WDR sagt, die Probleme gingen nur die Produzenten des Trödelkings etwas an. Weitere Angaben zum Verfahren rund um den Trödelking verweigert der Sender fast vollständig. Er sagt nichts dazu, wie der Trödelking im WDR platziert wurde und wer das ganze ausgewählt und angeleiert hat.

Die Verantwortlichen der Good Times bestreiten, Beuge zum Star gemacht zu haben, die Strippen seien immer über andere gezogen worden.

Die Geschäftsführerin der Firma Media Uno, die die ersten Trödelking-Staffeln produziert hat, sagt, sie sei hinter das Licht geführt worden. Sie habe Steuern nachgezahlt und versuche nun das Geld von Beuges Treuhänder in der Schweiz zurückzubekommen – leider erfolglos.

Die nächste Trödelking-Firma Encanto äußert sich nicht. Die Encanto gehört Bettina Böttinger, einer anderen prominenten WDR-Frau.

Vorwürfe von Beuge sind kaum zu beweisen

Tatsächlich sind einige Vorwürfe von Beuge kaum zu beweisen. Beispielsweise zur Aussage, beim Promi-Trödeln mit Anka Zink sei ein Werkzeugkasten in den Keller der Komikerin gestellt worden, um diesen dann zu verkaufen. Die Chefin der Media-Uno, Anja Krafzick, sagt, sie habe keine Erinnerung an einen speziellen Werkzeugkasten.

Im Fall der verkauften Hakenkreuze lässt sich nicht abschließend klären, wer den Kontakt zwischen Käufer und Verkäufer hergestellt hat. Die Firma Encanto von Bettina Böttinger will sich nicht äußern. Beuge sagt, der Deal sei über eine Mitarbeiterin in der Encanto-Redaktion eingestielt worden.

Auch die Geschichte mit dem Anhänger, der im Auftrag der Encanto ohne Versicherungsschutz über deutsche Straßen gefahren sein soll, lässt sich kaum seriös überprüfen. Es existiert zwar eine Quittung, über die Anmeldung des Anhängers. Aber die Quittung ist erst gegen 14:30 Uhr abgestempelt worden. Beuge sagt jedoch, der Anhänger sei vormittags abgeholt worden. Sein Freund könne das bezeugen. Es kann also durchaus sein, dass der Anhänger einen halben Tag ohne Versicherungsschutz bewegt wurde. Es kann aber auch sein, dass Beuge sich schlicht vertut. Die Encanto wollte sich nicht äußern.

Genauso schwierig ist es, die Vorwürfe zu beweisen, dass Beuge Tankquittungen beigebracht hat, um damit einen Teil seines Lohnes an der Steuer vorbei zu kassieren. Dazu müsste man die Benzinquittungen aus der Buchhaltung der betroffenen Firmen nebeneinanderlegen und mit den angegebenen Strecken und Fahrzeugen vergleichen. Das kann nur die Steuerfahndung.

Beuges Name soll ruiniert werden

Beuge wird heute schlecht gemacht, aus den Produktionsfirmen heraus werden Beschwerde-Listen in der Kölner Medienszene bis in die WDR-Hierarchien herumgereicht. Beuges Name soll ruiniert werden.

Doch werfen die Listen in meinen Augen vor allem eine Frage auf: Warum hat der WDR, warum haben die Firmen den Trödelking mit dem Beuge weiterproduziert, wenn alle Beuge so unmöglich fanden?

Eine Antwort liegt nahe: In einem der ersten Verträge sichert der WDR den Produzenten des Trödelkings rund 60.000 Euro je Folge Rohertrag zu – der Vertrag liegt mir vor. Das ist nicht schlecht. Insgesamt wurden mit dem Trödelking weit über 5 Millionen Euro umgesetzt. Gründe genug, über das eine oder andere hinwegzusehen und alle Verträge zu erfüllen.

Bettina Böttinger wusste gar von Unterhaltszahlungen, die von Amts wegen über die Encanto von Beuge eingetrieben werden sollten. Trotzdem drehte ihre Encanto die Trödelking-Staffel zu Ende. Und Böttinger sicherte Beuge in einem Brief trotz Kritik an seinem Verhalten Unterstützung bei seinen Problemen zu – um die damals aktuelle Trödelking-Staffel „professionell“ zu Ende zu bringen.