Was folgt dem Mülheimer Modell der Zukunftsschule?

Die Max-Kölges-Hauptschule wird bald Geschichte sein. Entstehen sollte an der Stelle einmal eine Zukunftsschule als landesweites Vorbild.
Die Max-Kölges-Hauptschule wird bald Geschichte sein. Entstehen sollte an der Stelle einmal eine Zukunftsschule als landesweites Vorbild.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Nirgends gab es so hochgesteckte Ziele, so intensive bildungspolitische Kämpfe wie an der Bruchstraße. Jetzt wird über den Standort neu nachgedacht.

Mülheim.. In den politischen Sitzungen zu Beginn des Jahres ist es eher eine kleine Randnotiz: Der Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplanes einer Zukunftsschule an der Bruchstraße aus dem Jahr 2009 ist aufzuheben. Doch dahinter steckt mehr: „Es ist der erste Schritt zum neuen Nachdenken über die Zukunft des Geländes“, sagt der Chef des städtischen Immobilien-Service, Frank Buchwald. Auf dem Eppinghofer Grundstück wollte die Stadt einst Großes entstehen lassen für 35 Millionen Euro, ein Bildungsprojekt, das landesweit einmal Vorbild sein sollte. Es wurde nichts daraus.

Das gesamte Areal umfasst rund 25.000 Quadratmeter. Die Max-Kölges-Hauptschule hat dort noch ihr Domizil. Die Schule läuft aus, nimmt seit zwei Jahren keine neuen Schüler mehr auf. Geplant sei, so der Schuldezernent Ulrich Ernst, dass ab dem Schuljahr 2016 die Schüler der verbliebenen zwei Jahrgänge an die Hauptschule Hexbachtal wechseln. Die Gebäude in Eppinghofen gelten seit Jahren als baufällig.

Nachgedacht wird jetzt innerhalb der Stadtverwaltung über eine Kita vorne an der Bruchstraße, im hinteren Bereich über eine Wohnbebauung, wobei wegen des angrenzenden Sportplatzes die Frage des Lärms und des Lärmschutzes zu diskutieren wäre, heißt es. Die Zukunft an der Bruchstraße könnte innenstadtnahes Wohnen sein.

"Zukunftsschule" sollte modellhaft sein für NRW

Lange hieß das Ziel an der Bruchstraße „Zukunftsschule“. Es war ein ehrgeiziges Vorhaben, es sollte modellhaft sein für ganz NRW, mit Lernen von der Kita bis in die Berufswelt hinein an einem Standort, das Projekt sollte die Schule mit Stadtteil und Wirtschaft eng vernetzen. Städtebaulich sollte ein moderner Schulkomplex entstehen. Es gab jede Menge Ideen, Pläne, Leidenschaft und Engagement von Lehrern, Eltern und Schülern, am Ende fehlte das Geld und der letzte politische Wille, vor allem aber fehlten die Kinder.

Jahrelang wurde in Mülheim um die Bruchstraße gestritten, kein anderes Projekt bewegte so viele Menschen – letztlich 17.000 bei einem Bürgerentscheid zum Erhalt des Schulstandortes. Am Aus für die Schule, die sich stets rühmte, sehr viele Jugendliche in eine Ausbildung zu vermitteln, änderte sich nichts. Die Anmeldungen reichten nicht mehr, um zumindest eine Klasse, geschweige die zwei erforderlichen Eingangsklassen zu bilden.

Bruchstraße steht heute für Schulkampf

Die Bruchstraße steht heute für einen Schulkampf in Mülheim, der den landesweiten Abwärtstrend bei den Hauptschulen nicht stoppen konnte. Die Schulleiterin Gabriele Klar, die für den Erhalt sich sehr stark gemacht hatte, arbeitet heute an einer Gesamtschule in Duisburg. Rückblickend sagt sie: „Wir waren offen für alle, hatten 30 verschiedene Nationen im Gebäude, da konnte jeder von jedem lernen, auch wir Lehrer von den Schülern.“ Dass aus dem Zukunftsmodell letztlich nichts wurde – für sie ist es heute noch bedauerlich. „Viel Herzblut“, sagt sie, „ist in die Schule und in den Stadtteil geflossen“.