Was der Stadt heute und morgen am meisten nützt

Der anhaltend große Mangel an Flächen für Gewerbe und Industrie erhöht den Druck auf Politik zumindest hier mehr zu tun als in der Vergangenheit. Keiner im Rat kann so tun, als gäbe es das Problem erst seit gestern. Und keinem kann es egal sein, wenn Firmen sich für den Standort Mülheim interessieren, aber die Wirtschaftsförderung nichts mehr zum Anbieten hat.

Es gibt nur wenige Themen von dieser Brisanz und Dringlichkeit. Dabei hatte man nicht den Eindruck, als würde die Mehrheit im Stadtrat dies auch so sehen. Lieber diskutierte man zwei Stunden darüber, ob ein Dezernent eigenständig einen Auftrag in Höhe von wenigen tausend Euro vergeben darf, als darüber wie Hunderte von Arbeitsplätzen in der Stadt gesichert oder angesiedelt werden können. Schwerpunkte in einer Stadt setzen, bedeutet nicht nur das wenige Geld entsprechend zu verteilen, sondern auch inhaltlich die wesentlichen Fragen für die Stadtentwicklung zu formulieren und zu diskutieren. In der nächsten Woche kann die Mülheimer Politik hier ein Zeichen setzen.

Im Grunde ist es ein sehr gutes Zeichen, wenn ein Wirtschaftsförderer verkünden kann, dass 226 Unternehmen in den vergangenen drei Jahren sich für eine Ansiedlung in Mülheim interessierten. Offensichtlich ist die Stadt nicht nur als Wohnstandort gefragt. Da bietet sich eben auch Finanzkraft an, Kapital für den heimischen Handel, Kapital vor allem aber auch für den Kämmerer, der dringend auf höhere Gewerbesteuern angewiesen ist. Insofern bringt eine Stärkung des Wirtschaftsstandortes immer auch eine Stärkung der Investitionskraft mit sich, mit der Kultur, Sport, Schulen in einer Gemeinde gefördert werden können.

Flächen für die Arbeitswelt zur Verfügung zu stellen, bedeutet nicht, dass die Stadt zugepflastert werden darf. Auch hier sind Grenzen und Werte, Lebensqualitäten natürlich zu beachten, was auch für das Flughafenareal gilt. In der Tat wird es daher kaum noch irgendwo eine Fläche geben, die ohne Auseinandersetzung gewerblich genutzt werden kann. Politik muss dies aushalten und am Ende für das votieren, das der Stadt heute und morgen am meisten nützt.