Warten auf das Satiremagazin

Eine Szene gestern in der Bahnhofsbuchhandlung: An der Kasse kauft gerade jemand die vom Verfassungsschutz beobachtete NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ während direkt daneben ein Kunde nach der neusten Ausgabe der französischen Satirezeitung „Charlie Hebdo“ fragt. So weit reicht in Deutschland die Pressefreiheit. Allerdings besteht derzeit die weitaus größere Nachfrage nach der französischen Zeitung, die seit den Anschlägen von Paris zu einem Symbol für diese Pressefreiheit geworden ist.

„Je suis Charlie.“ - auch in Mülheim belassen es die Menschen nicht nur bei diesem Bekenntnis, sie wollen die Zeitung auch lesen. Aber es ist gar nicht so einfach, an die neuste Nummer zu kommen. Die ist zwar in einer Auflage von drei Millionen gedruckt worden, aber die Nachfrage ist weltweit riesig.

Auch in der Bahnhofsbuchhandlung sind keine Exemplare vorrätig. Stattdessen führen die Mitarbeiter eine Liste. Gestern Nachmittag ist sie schon mehrere Seiten lang. „Ich habe gehört, dass neue Exemplare gedruckt werden. Wir hoffen, dass wir ab Samstagvormittag Hefte verkaufen können.“

Ähnlich ist auch die Situation in der Thalia-Buchhandlung im Forum. „Sie sind ungefähr der Fünfhundertste, der fragt“, sagt die Mitarbeiterin am Nachmittag. Hier können aber keine Vorbestellungen gemacht werden, denn der Buchladen wird von keinem internationalen Pressegrossisten beliefert.

Dieses Problem hat auch Michael Fehst von der Buchhandlung, wo ebenfalls gestern viele Menschen nach der Zeitung gefragt haben: „Ich habe sie auf ein Charlie Hebdo-Buch verwiesen, das Ende Januar auch auf Deutsch erscheinen soll: 90 Seiten stark für 8,99 Euro. Dafür habe ich schon viele Vorbestellungen angenommen.“

Solidarität mit den Opfern der Pariser Anschläge zeigt sich aber nicht nur in dem, was die Mülheimer lesen, sondern auch darin, was sie schreiben. Seit Anfang der Woche liegt in der Bürgeragentur am Rathaus ein Kondolenzbuch aus, das an die Partnerstadt Tours übergeben werden soll.

Unter den rund 50 Einträgen überwiegt der bekannte Satz: „Je suis Charlie.“ In manchen Beiträgen kommt aber auch die persönliche Betroffenheit zum Ausdruck. So unterstreicht ein Beiträger seine Verbindung durch den Hinweis, dass er einst seine Schulabschlussfahrt nach Tours gemacht hat.

Das Buch liegt montags bis donnerstags zwischen 8 und 17 Uhr und am Freitag von 8 bis 15 Uhr aus.