Vorwürfe gegen Polizei nach Selbstmordversuch
28.06.2010 | 13:17 Uhr 2010-06-28T13:17:00+0200
Mülheim.Ein Rentnerpaar aus Mülheim-Broich erlebte einen Selbstmordversuch direkt vor der eigenen Tür. Die Schwiegertochter macht der Polizei nun Vorwürfe: Die beiden Senioren seien mit dem Schock-Erlebnis allein gelassen worden.
Ein Mann, der in den Tod springen will, kracht auf die Terrasse eines Rentnerpaares in Broich. Rettungskräfte und Polizei werden gerufen, er überlebt. Doch die Zeugen wurden allein gelassen, klagen deren Angehörige. Sie beschweren sich bei der Polizei, wo man versichert, dass der Einsatz korrekt abgelaufen sei.
Am 12. Juni gegen 22 Uhr geschah das Drama, am 17. Juni schrieb Regine Braun, Schwiegertochter der Betroffenen, eine Beschwerde-Mail an die Polizeizentrale in Essen. Darin schildert sie, wie der Mann vom Balkon seiner Schwester sprang, die im dritten Stock des Hauses wohnt. Wie er schwer verletzt liegen blieb, vor den Augen des geschockten Ehepaares, das 70 bzw. 71 Jahre alt ist.
Zu keinem Zeitpunkt, das beklagt Regine Braun in ihrer Mail, hätten die anwesenden Polizeibeamten Unterstützung durch einen Notfallseelsorger o.ä. angeboten. „Wir Angehörigen finden das unzumutbar und untragbar.“ Auch seien die alten Leute mit den „medizinischen Hinterlassenschaften der Sanitäter und Notärzte sowie mit der blutüberströmten Terrasse alleingelassen“ worden.
Drastische Details
Erhebliche Vorwürfe, die sie auf Nachfrage der WAZ um drastische Details ergänzt: Ihre Schwiegereltern hätten zunächst versucht, dem Verletzten zu helfen. Als Rettungskräfte und Polizei übernahmen, hätten sie „zitternd“ dabei gestanden. Am Ende seien Handschuhe, Spritzen und Verbandszeug der Sanitäter zurück geblieben sowie beschädigte Gartenmöbel.
Da beide ohnehin gesundheitlich angeschlagen seien („Sie ist taub, er hat ein Hüftleiden“) mussten nachts noch die telefonisch zu Hilfe gerufenen Kinder das Chaos beseitigen. An dem entsetzlichen Erlebnis hätten die Eheleute schwer zu knacken: „Meine Schwiegermutter möchte nicht mehr auf die Terrasse gehen. Sie hat immer noch diesen Mann vor Augen.“ Was Regine Braun zudem aufregte: Bis zum 25. Juni habe die Polizei in keiner Weise auf ihre Mail reagiert.
Auf Rückfrage der WAZ im Polizeipräsidium Essen geht man der Sache sofort und umfassend nach. Die Beschwerde-Mail sei eingegangen, bestätigt Ulrich Faßbender, Leiter der Pressestelle. Kollegen hätten daraufhin bei der Polizeiinspektion Mülheim angerufen. und angeregt, zum Ehepaar Braun Kontakt aufzunehmen. Man wollte sich „spätestens am kommenden Montag“ melden. Einen „Fehler in der Sachbearbeitung“ räumt Faßbender ein: Man hätte Regine Braun eine Rückmeldung geben müssen. Dass diese ausblieb, dafür entschuldigt er sich.
Keine besondere Hilfe nötig?
Doch was den eigentlichen Einsatz angeht, kann er – nach Gesprächen mit den Beamten, die vor Ort waren – kein Versäumnis erkennen. „Die Kollegen haben die Schwester des Verletzten betreut, die deutlich geschockt war.“ Sie hätten auch mit dem Ehepaar gesprochen, das verständlicherweise aufgeregt wirkte, aber „in keinster Weise“ den Eindruck erweckt habe, es brauche besondere Hilfe.
Die Notfallseelsorge werde eingeschaltet, „wenn wir konkret darum gebeten werden oder den Eindruck haben, Leute kommen alleine nicht klar“. Nach dem Suizidversuch in Broich hatten die Kollegen („erfahrene Leute“) diesen Eindruck nicht. Ebenso wenig die eingesetzten Feuerwehrleute oder der Notarzt, „und die gucken auch immer mit einem Auge, wer noch Hilfe braucht“.
Gleichwohl bekam Regine Braun gestern einen Anruf mitsamt persönlicher Entschuldigung (für die versäumte Antwort). Und zwei Polizeibeamte aus Mülheim machten sich auf den Weg zum Ehepaar Braun.

01:08
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01:05
Tz, tzz, die Sanitäter und die Polizei haben also den Unfallort verlassen, ohne das Blut wegzuwischen! Skandal! Na ja, das hat ja Tradition: Die kriegsführenden Mächte im 2. Weltkrieg und allen anderen Konflikten seither gehen auch sehr nachlässig mit der Beseitigung der Überreste um..... Verrohung der Sitten halt. Viel schwerer wiegt meines Erachtens die Verrohung im Krieg der existenzbedrohten Blätter, die sich wírklich jedes Murskses annehmen, in der fälschlichen Vermutung, dass es die Auflage steigern könnte. Ihr täuscht euch: Wir gähnen.
09:34
Irgendwie wird der alte
Artikel nicht interessanter - bloß weil er jetzt eine neue Überschrift und ein neues Datum trägt.
Angehörige von Unfallzeugen beruhigen ihr schlechtes Gewissen durch Vorwürfe und Schuldzuweisung an die Staatsmacht.
Ob das wohl dieselben Menschen sind, die sich sonst bei jedem Knöllchen gegängelt fühlen?
Und ob ihnen wohl klar ist, dass sie sich in aller Öffentlichkeit namentlich blamiert haben?
18:02
Ehrlich gesagt, ist es doch völlig klar, dass ich als Tochter zu meinen Eltern fahre, um denen den nötigen Beistand zu leisten, und den Boden zu wischen. Das ist Beispiel für ein noch halbwegs funktionierendes Familiensystem. Ich hätte mich gar nicht gefragt, wo die Notfallseelsorger sind, der habe ich zunächst zu sein in diesem Fall.
Man kann nicht alles versichern und versorgen, ab und zu geschehen einfach schreckliche, chaotische, unkontrollierbare Ereignisse, so ist die Welt.
15:40
... und beim nächsten Verkehrsunfall laufen Hundertschaften von Polizisten durch die Häuser und fragen Anlieger, die zufällig im Fenster gelegen haben, ob sie einen Notfallseelsorger brauchen - schließlich haben sie ja nichts anderes zu tun...
Mal ehrlich: #4 dehrlichkeit und recht hats geschrieben: nur sprechenden Menschen kann geholfen werden. Den alten Herrschaften hätte sicherlich niemand Hilfe verweigert, wenn sie etwa gesagt hätten.
15:38
Vor ein paar Jahren hat ein Bekannter einer Nachbarin auf der Terrasse unserer Reihenhaussiedlung einen Herzanfall bekommen und ist verstorben, der Rettungsdienst, Notarzt... reanimierten und stabilisierten eine dreiviertel Stunde, bis der Mann dann abtransportiert wurde. Wir 4 Nachbarn, die wir die Gärten winterfest machten, waren ganz schön geschockt ob des Durcheinanders. Als alles vorbei war, haben wir gemeinsam aufgeräumt, die Tütchen und Handschuhe und was da alles rumlag, der Mann hatte sich bepinkelt und bekackt, Schleim überall, alles wurde abgespritzt und war wieder sauber. Wir haben nicht im Traum dran gedacht, dass irgendwelchen Zuständigen das für uns übernehmen, geschweige denn Traumabehandlung. Und wir waren auch alle fertig, da wir den Patienten gut kannten. Im Übrigen sieht man ihm ab und zu mit dem Fahrrad an unseren Häusern vorbeifahren, den Todgeglaubten.
10:30
Liebe Schwiegertochter, Sie haben es geschafft Nachts zum aufräumen zu kommen, warum schaffen Sie es nicht die Notfallseelsorge anzurufen??? Sie bringen gewaltig Energie an den Tag um Wellen zu schlagen, sind aber nicht in der Lage sich kompetent um ihre Eltern zu kümmern. Denn sonst hätten Sie erst mal andere Sachen in die Wege geleitet als auf eine Entschuldigung zu warten von der Sie sich eh nichts kaufen können.
Wer frei von Fehlern ist, werfe den ersten Stein!
Ob Fehler vermag ich nicht beurteilen, jedoch geht ein Menschenleben erstmal vor... Sie möchten ja schliesslich auch nicht erst im Krankenwagen liegen und darauf warten das wieder alles blitzblank ist, oder?
22:48
@18 so geht es nicht
Mein Beitrag bezog sich auf einen anderen Kommentar unter @6, der aber bereits gelöscht wurde.
21:08
Interessant ist, wieviele der hier Schreibenden sehr genau weiss, wie sich Hilfspersonal zu verhalten hat, aber doch so wenig Vorstellung zu haben scheint, was so ein Notfall überhaupt bedeutet.
Zunächst einmal ist nicht die Polizei für die psychologische Hilfeleistung zuständig, sondern der Rettungsdienst. Dieser wird auf Wunsch von Ersthelfern / sonstigen Betroffenen auch immer solche Hilfe konsultieren. Allerdings ist der Rettungsdienst für den Patienten da, nicht für die Ersthelfer. Das klingt sehr brutal, muss hier aber einfach einmal erwähnt werden.
Es ist scheinbar jemand auf einen Balkon gestürzt und schwer verletzt worden. Dies sind in aller Regel lebensbedrohliche Verletzungen, die in einem engen Zeitfenster behandelt werden müssen. Hierfür ist häufig ein zügiger Transport erforderlich, da eine chirurgische Intervention erforderlich wird. Bei solchen Einsätzen ist es schlicht weg unmöglich, jeden Ersthelfer zu befragen, wie er sich mit der Situation fühlt.
Die Sache mit dem Chaos ist sogar noch komplizierter. Sicherlich wird man immer vermeiden eine Einsatzstelle unnöttig chaotisch zu verlassen. Allerdings ist der Zeitfaktor hier wieder limitierend: Das Leben des Patienten geht vor! Und es ist selten wirklich beweisbar, dass eine Person freiwillig gesprungen ist, solange das aber nicht bewiesen ist, ist der Balkon zunächst einmal ein Tatort, der nicht verändert werden darf. Das gilt auch für den Müll des Rettungsdienstes, da sich auf diesen Spuren übertragen haben können. Und nochmal, die aufgeräumteste Einsatzstelle hilft niemandem, wenn der Patient deswegen verstirbt.
Zuletzt sei mir noch die Anmerkung gestattet, dass es grotesk ist, auf der einen Seite die schwere psychische Belastung für die Angehörigen so herauszustellen, den vermeintlich psychisch kranken Patienten aber als Täter hinzustellen.
21:02
@#8 R. G.
Beleidigungen sind natürlich immer gut ich würde mir niemals erlauben Sie zu beleidigen. Woher Sie dieses Recht ableiten ist mir nicht bekannt. Ihnen spreche ich diese was meine Person angeht ab.
Zu Ihrer persönlichen Info ich bin 48 Jahre alt und habe in vielen Fällen (17 sehr schwere Unfälle) als Ersthelferin gestanden. Dies brach auch meine Beruf im Labor mit sich.
Das waren Sie sicher nie.
Daher ist die Frage, wer was beurteilen kann?
Natürlich wird zuerst dem verletzten Opfer geholfen. Dieser war aber auch Täter.
@7 ahoi 85
Lesen Sie einmal meinen Beitrag #5 dann wissen Sie, dass ich nicht meine, dass irgendjemand wischt.
Ich meine die Fürsorge für geschockte Menschen.
Danke an alle, die mich falsch verstehen wollen!