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Innenminister de Maizière fordert in Mülheim Zusammenhalt

19.01.2016 | 18:53 Uhr
Innenminister de Maizière fordert in Mülheim Zusammenhalt
Begrüßten Bundesinnenminister Thomas de Maizière (Mi.) in Mülheim: Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck und Akademie-Chef Dr. Michael Schlagheck.Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Mülheim.   Thomas de Maizière verlangte beim Jahresempfang in der „Wolfsburg“ von jedem Einzelnen, sich mehr für die Gesellschaft einzusetzen, achtsamer zu sein.

Was braucht es für Integration? Was für gesellschaftlichen Zusammenhalt? Einer, der sich diese Fragen tagtäglich stellen muss, ist Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Und so gab er am Montagabend vor mehr als 500 Gästen beim Jahresempfang in der Wolfsburg auch äußerst differenzierte Antworten, die Botschaften beinhalteten für jedermann. Fünf Faktoren seien absolut unerlässlich, so de Maizière: Sachkunde, Kompromissbereitschaft, Respekt, Auseinandersetzung und Identität.

Der Neujahrsempfang in der Mülheimer Akademie, so hatte eingangs Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck gesagt, sei stets „ein Ort, an dem wir als Kirche Profil zeigen und an dem deutlich wird, wie wir uns mit unserer Botschaft in der pluralen, hochkomplexen Wirklichkeit und Gesellschaft positionieren“. Durch die Geschehnisse der vergangenen Monate, darunter jenen an Silvester in Köln, sei die Gesellschaft „neu herausgefordert“. Die „für so selbstverständlich gehaltene westliche Lebensform“ stehe auf dem Spiel, und zwar „nicht nur durch Angriffe von außen, sondern auch durch die Art unserer Reaktionen darauf“. Er wünsche allen „den Mut, sich entschlossen der Komplexität der Probleme gefühls-, vernunfts- und verstandesgemäß zu stellen“.

„Wir brauchen Kenntnis von dem, was in der Gesellschaft passiert“

Der Verstand, auch für de Maizière spielt er eine zentrale Rolle: „Wir brauchen Kenntnis von dem, was in der Gesellschaft passiert.“ Doch Wissen sei längst nicht mehr überall populär, Meinung hingegen schon. „Das ist keine gute Nachricht für den Zusammenhalt.“ In puncto Information gebe es eine Bringschuld der Politik – „aber auch eine Holschuld der Bürger“, so der promovierte Jurist. „Ist es zu viel verlangt, eine Tageszeitung zu abonnieren?“ Neugier sei gefragt, Google und Wikipedia reichten nicht aus. „Wer von Ihnen könnte den Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten erklären?“, fragte er ins Publikum. Ohne dieses Wissen sei der Konflikt in Nahost nicht zu verstehen. Sachkunde helfe gegen Vorurteile; für Integration bedürfe es Fragen wie: „Wo kommt Ihr her?“ – „Was ist Euer Motiv?“.

Auch Kompromissbereitschaft sei ein Element; für Gemeinschaft müsse der Einzelne auf Vorteile verzichten. Der Politiker forderte Geduld. Jeden Tag höre er Beschwerden darüber, dass die rund 360 000 Altanträge für Asylbewerber noch immer nicht abgearbeitet seien, dass auch die Verdoppelung des Fachpersonals noch zu wenig sei. Auch den Flüchtlingen müsse man sagen: Es braucht Geduld. „Selbst wenn ab morgen keiner mehr käme, müssten wir immer noch für bis zu 600 000 Menschen eine Wohnung finden.“

Respekt, Achtsamkeit und Höflichkeit sind notwendig

Laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière reicht es nicht aus, zu fordern, dass Flüchtlinge sich an die Werteordnung des Grundgesetzes zu halten haben. Respekt, Achtsamkeit, Höflichkeit, Freundlichkeit seien notwendig für das Miteinander. „Und da haben wir in den vergangenen zwei, drei Jahren eine dramatische Entwicklung zum Schlechteren erlebt.“ Zivilisationsschranken seien eingerissen worden, im virtuellen wie im realen Leben. Von „wachsender Ruppigkeit“ und „Verrohung der Sitten“, sprach der Minister. Es brauche jetzt Menschen, die – wie einst die eigenen Eltern – deutlich und klar sagen: „Aber bitte nicht in diesem Ton.“

Die Fähigkeit zu intensiver Auseinandersetzung sei gleichwohl wichtig. Große politische Debatten, etwa über die Abtreibung oder die Wiederbewaffnung, hätten das Land stets „eher zusammengeführt als getrennt“, sagte der 61-Jährige. „Gibt es Grenzen der Integrationsfähigkeit? – Streiten wir darüber!“

Gedanken machen müsse man sich auch über die Identität, über „das Band, das Deutschland verbindet“. Reiche die bloße Anerkennung des Grundgesetzes? „Oder gehört nicht auch das Wissen um und die Akzeptanz von Auschwitz dazu?“ Wer Anpassung verlange, müsse erst wissen, was überhaupt die eigene Identität ausmacht. Thomas de Maizière ist sicher: „Wir sind mehr als eine Demokratie.“

Deike Frey

Kommentare
20.01.2016
20:03
Innenminister de Maizière fordert in Mülheim Zusammenhalt
von pixelgewitter | #3

Die Misere fordert mal wieder.

Thomas de Maizière ist sicher:„Wir sind mehr als eine Demokratie.“
Das ist doppelplusgut. [sic]

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2016-01-19 18:53
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