Vorhofflimmern – Herz aus dem Takt
21.11.2011 | 13:16 Uhr 2011-11-21T13:16:00+0100
Mülheim. Beim WAZ-Medizinforum im Marien-Hospital informierten Ärzte aus Marien-Hospital, Essener Elisabeth-Krankenhaus und Josef-Krankenhaus über Herz-Rhythmus-Störungen. Die häufigste ist das Vorhofflimmern. Das Risiko dahinter: ein Schlaganfall. Auch Alkohol stört den Rhythmus.
Oft verläuft ein Vorhofflimmern zunächst ohne Beschwerden ab, mit der Zeit können dann Herzstolpern, hoher Puls, ab und zu Atemnot auftreten. Manchmal verschwinden aber auch diese Symptome zeitweise wieder. Und lebensbedrohlich ist das Vorhofflimmern an sich erst recht nicht. Dennoch warnen die Mediziner und plädieren beim WAZ-Medizinforum im Marien-Hospital für eine ärztliche Kontrolle, denn hinter dem Vorhofflimmern lauert eine ganz andere Gefahr, und die kann tödlich sein: Schlaganfall.
Zwei Stunden lang informierten Chefarzt Dr. Heinrich Wieneke aus dem Marien-Hospital, Oberarzt Bülent Köktürk aus dem Elisabeth-Krankenhaus in Essen und Dr. Dieter Wenzel, Oberarzt der Kardiologie am Josef-Krankenhaus in Kupferdreh die WAZ-Leser über die Erkrankung. Die drei Kliniken haben vor gut einem Jahr ein Netzwerk zum Vorhofflimmern gegründet, um die Versorgung der Patienten zu optimieren.
Geschätzte zwei Millionen Betroffene im Jahr 2050
Das Vorhofflimmern ist die häufigste Herz-Rhythmusstörung, sie steigt im Alter sprunghaft an. Etwa zehn Prozent der über 80-Jährigen sind betroffen. Wenzel rechnet mit einer hohen Dunkelziffer. Schätzungen gehen davon aus, dass es im Jahr 2050 in Deutschland über zwei Millionen Betroffene geben wird. In vielen Fällen, bei etwa 70 Prozent der Betroffenen, liegt eine Grunderkrankung vor: Bluthochdruck, eine Überfunktion der Schilddrüse, ein Klappenfehler oder auch eine Infektion. Vorsicht gilt auch bei Alkohol: Ein hoher Genuss kann zumindest kurzfristig als Folge Vorhofflimmern hervorrufen.
Vor einem gelegentlichen Auftreten bis hin zum ständigen Flimmern unterscheiden die Ärzte. In jedem Fall ist die Taktung des Herzens außer Kontrolle geraten, über 100 elektrische Erregungen finden unkontrolliert in den Vorhöfen statt, die Herztätigkeit wird arrhythmisch. Die Herzleistung sinkt, und das um bis zu 40 Prozent. Dann fällt auch das Treppensteigen schwer. Dadurch, dass das Herz ständig außer Takt gerät, steht das Blut zeitweise im Herzen, es kann gerinnen, die Gerinnsel können von der Kammer zur Halsschlagader gelangen, diese verstopfen – Schlaganfall. Und das seien meist sehr schwere Schlaganfälle, so die Mediziner. Die Todesrate liege bei 50 Prozent.
Frühzeitige Diagnose und regelmäßige Behandlung wichtig
Doch gerade diese Gefahr lasse sich deutlich reduzieren durch die Einnahme von Blutverdünnern. Nur sei es dazu eben wichtig, dass ein Vorhofflimmern auch frühzeitig erkannt und regelmäßig je nach Beschwerdebild behandelt werde.
Beta-Blocker und Calciumantagonisten sowie Digitalis sind die am häufigsten eingesetzten Medikamente, die das Herz bremsen und den Rhythmus wieder herstellen sollen. Doch längst nicht jeder Betroffene, so Wieneke, springe darauf an. Als weitere Therapie steht den Kardiologen die Verödung zur Verfügung. Per Katheter, der über die Leiste zum Herzen geführt wird, werden die Ränder der Lungenvenen so verödet, dass sie nicht mehr die unerwünschten elektrischen Impulse auslösen. Diese mehrstündigen Eingriffe führt Oberarzt Köktürk durch. „Wir wollen dabei die betreffenden Venen elektrisch isolieren.“ Möglich ist dieser Eingriff auch mit einem Laser. Die Erfolgsquote erreicht knapp 90 Prozent.
Eine einfache Kontrolle empfiehlt Oberarzt Wenzel: ein Blutdruckgerät, das gleichzeitig den Pulsschlag signalisiert. Sollte dies einen unregelmäßigen Pulsschlag beim Blutdruckmessen anzeigen, sollte man gewarnt sein. Ein Flimmern sei dann wahrscheinlich.

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