vor-LESEN

Das Märchen vom „Wolf und den sieben Geislein“ fand Erika Funke unheimlich. Dennoch erinnert sie sich gerne daran, wie sie Anfang der 60er Jahre als kleines Mädchen auf dem Schoß ihre Vaters dieses und andere Märchen vorgelesen bekam. Später las die IT-Fachfrau ihren eigenen Kindern vor „und schleppte sie mit in die Stadtbücherei.“ Heute liest die 58-jährige Ruheständlerin als Lesepatin einmal pro Woche Zweitklässlern der Gemeinschaftsgrundschule an der Zunftmeisterstraße vor.

Vorlesen bedeutet, nicht nur einen Satz nach dem anderen zu lesen, sondern durch gute Betonung auch den Inhalt einer Geschichte zu transportieren. Wenn einem das gelingt, sind die Kinder begeistert“, berichtet Funke. Während ihrer Vorlesestunden im Rahmen der offenen Ganztagsgrundschule stellt sie immer wieder fest, dass das Vorlesen „die Phantasie der Kinder und damit auch ihren Wortschatz anregt.“ Was sie überrascht, ist die Tatsache, „dass Kinder die sich mit dem Lesen sehr schwer tun nach dem Vorlesen unbedingt auch selbst wieder lesen wollen.“

Durch das Vorlesen Kindern die Freude am Lesen und damit auch an der Sprache zu vermitteln, weil Sprachvermögen auch das Denkvermögen fördert, ist für Funke „eine wichtige Arbeit für die Zukunft unserer Gesellschaft.“ Sie selbst hat sich zuletzt John Irvings Roman über die Lebensgeschichte eines schwulen Schriftstellers („In einer Person“) als Hörbuch und Plädoyer für Toleranz gerne vorlesen lassen.