Von Schwitzproblemen bis zur Griechenland-Krise

Bereits nach wenigen Minuten hat Torsten Sträter sein Publikum in der Tasche und die Lacher auf seiner Seite. Leicht abgehetzt und mit Triefnase erscheint er im ausverkauften Ringlokschuppen – fängt an zu plaudern, macht sich und das Publikum locker, improvisiert, nimmt sich und andere auf die Schippe, lässt kein noch so delikates Thema aus.

Nahezu drei Stunden lang kommt der in Dortmund geborene Schriftsteller, Comedian und Poetry Slammer, vielfach preisgekrönt und aus dem Fernsehen bekannt, in seinem Programm „Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben“ vom Hölzken aufs Stöcksken. Sträter vollendet viele Sätze nicht – es ahnt ja sowieso jeder, was er sagen will.

Von Camp-David-Hemdträgern und Cordhosen springt der ehemalige Herrenschneider locker von der Erinnerung an Leckmuscheln über eine Einladung mit Kollegen ins Auswärtige Amt, sein enormes Schwitzproblem bis hin zum elfjährigen Besucher namens Henrik, der für allerlei Scherze herhalten muss. Sein Beitrag zum politischen Kabarett ist knapp, denn eigentlich biete er ja ein Leseprogramm, so Sträter, und betrifft die Griechenland-Krise: „Peter hat vier Äpfel, er isst neun“.

Mit wunderbarem Ruhrpott Dialekt, auf kumpelig-schnoddrige Art, haut er seine Gags ganz nebenbei raus, erzählt aus seiner Kindheit im Raucherhaushalt. „Ich habe meinen Vater nur als Nebelmann gekannt, der in der Weihnachtszeit ein grünes Dreieck trug“, erzählt er. Auch die Lesungen („Für die Alten, die sich jetzt zu Recht fragen: Warum leuchtet das Buch? … Ich habe ein Teelicht reingestellt!“) aus seinen Tagebüchern sorgen für Begeisterung. Torsten Sträter schafft es, Bilder im Kopf zu erzeugen, vor allem die Diät- oder Sporttagebucheinträge sind wunderbar komisch. Sätze wie: „Ich habe 22 Tassen Kaffee getrunken und kann nun tote Menschen sehen“ oder die Konsequenzen extremen Bananen- und Briefbeschwerer-Genusses werden den Fans noch lange in Erinnerung bleiben.