Von der Erde auf-LESEN

„Wann müssen Sie Ihre Beeren auflesen?“, fragt der landwirtschaftlich unbedarfte Journalist. „Die Beeren werden nicht aufgelesen, sondern zwischen Ende Juni und Mitte August in etwa 1,80 Meter Höhe gepflückt“, klärt Bio-Bauer Klaus Felchner auf.

Doch trockene Frühlingstage sind für Felchner, seine Frau Monika und die gemeinsamen Töchter Johanna, Katharina und Viktoria die Zeit, in der sie regelmäßig Unkraut und Steine auflesen müssen, damit ihr ungespritztes Gemüse, das im eigenen Hofladen am Bollenberg verkauft wird, ungehindert wachsen und gedeihen kann.

Neben Unkraut, Steinen und Frühkartoffeln hat Felchner auf seinem Hof aber auch schon ganz andere Dinge aufgelesen. 1985 las er eine Schäferhündin auf, die man ihm über Nacht an den Baum vor seinem Haus gebunden hatte und die er mit einer Fleischwurst erst besänftigte und dann zu seiner besten „Freundin“ machte.

Und vor zwölf Jahren, las er dann am Rande seines Misthaufens einen einarmigen Banditen auf. Der von zweiarmigen Banditen gestohlene Geldspielautomat wurde später von der Polizei abtransportiert und für die Beweisaufnahme sicher gestellt. Weil Klaus Felchner aber nicht nur Bio-Bauer, sondern auch Musiker und Bandleader ist, liest er am liebsten Noten oder zuletzt eine Biografie über Johann Sebastian Bach.