Vom rechten Weg abgekommen

Vogelgezwitscher und das Rauschen des Windes in den Baumkronen – mehr sollte im Wald eigentlich nicht zu hören sein. Hin und wieder aber kracht und rumort es ganz ordentlich im Unterholz, bevor eine Horde Mountainbiker aus dem Gebüsch am Wegesrand geschossen kommt.

„Wir haben massive Probleme mit Mountainbikern – vor allem am Auberg, aber auch in Teilen des Broicher und Speldorfer Waldes und sogar in Naturschutzgebieten wie der Saarner Aue“, sagt Stadtpressesprecher Volker Wiebels. Die Oberförsterei beklage immer wieder, dass Radfahrer das Fahrverbot in Wäldern missachteten – und so die Natur gefährdeten. „Gerade jetzt im Frühjahr befindet sich der Wald in der Wachstumsphase, da machen Mountainbiker viel kaputt“, erklärt Wiebels. Und Umweltamtsleiter Jürgen Zentgraf erläutert: „Wer querbeet fährt, stört zudem Vögel und Säugetiere bei der Aufzucht ihrer Jungen.“ Wird man erwischt, droht ein Bußgeld. „Und wir reden da nicht über fünf Euro, sondern über deutlich höhere Summen“, mahnt Zentgraf.

Das gilt nicht nur draußen im Grünen, sondern auch in der Innenstadt und teils an der Ruhr. Dort geht es nicht vorrangig darum, die Natur zu schützen, sondern darum, Konflikte und Gefahren zu vermeiden, die entstehen können, wenn Fußgänger und Radfahrer aufeinander treffen. „Innerstädtisch ist das Radfahren auf der Schloßstraße verboten sowie auf Teilen des Leinpfades an der Ruhr“, macht Ordnungsamtsleiter Bernd Otto deutlich. Täglich kontrolliere der City-Dienst auf der Einkaufsstraße, am Leinpfad zu Stoßzeiten. „Dort fallen immer wieder rücksichtslose Radfahrer auf“, berichtet Otto. Regelmäßig führe das Ordnungsamt auch Schwerpunktkontrollen zusammen mit der Polizei durch. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes sprechen dann – je nach Schwere des Vorfalls – entweder eine Ermahnung aus oder verhängen ein Bußgeld. „Die Höhe der Verwarngelder richtet sich nach der jeweiligen Situation, unsere Mitarbeiter haben da einen gewissen Spielraum“, sagt der Ordnungsamtsleiter. „Wird ein Radfahrer in der Fußgängerzone erwischt, beträgt das Verwarngeld 15 Euro. Besteht eine besondere Gefährdung – etwa durch hohe Geschwindigkeit – kostet das 25 Euro“, erklärt Kerstin Kunadt vom Ordnungsamt. Richtig teuer wird es, wenn man sich im Naturschutzgebiet erwischen lässt. „Dann kann die Summe auch mal vierstellig werden“, sagt Umweltamtsleiter Zentgraf. Da drohendes Bußgeld aber nicht jeden Radfahrer davon abzuhalten scheint, unerlaubtes Terrain zu befahren, appelliert Stadtsprecher Volker Wiebels: „Wir setzen auf die Vernunft der Bürger und hoffen, dass sie den Wald in Ruhe lassen.“ Doch bei manchem Radfahrer scheint die Definition von „verboten“ Auslegungssache zu sein. Im Rumbachtal soll es eine halboffizielle, geduldete Mountainbikestrecke geben, ist aus Radfahrer-Kreisen zu hören. Bei der Stadt aber heißt es: „Bei uns gibt es keinen legalen Kurs für Mountainbiker.“

Martin Schulten ist Landschaftswächter im Oberen Rumbachtal – und das seit 14 Jahren. Er sagt: „Dass hier Radfahrer quer durch den Wald fahren, habe ich noch nicht erlebt.“ Der Heißener ist selbst begeisterter Radler und viel in der Natur, auch auf unbefestigten Feldwegen, unterwegs, wie er erzählt. „Aber gerade nach dem Pfingststurm im vergangenen Jahr ist doch in den Wäldern sowieso kein Durchkommen mehr.“

Dass es im Mülheimer Stadtgebiet kein freigegebenes Gebiet für Mountainbiker gibt, ist nach Ansicht von Umweltamtsleiter Jürgen Zentgraf der Kern des Problems: „Wir als Kommune müssten eigentlich auf das veränderte Freizeitverhalten eingehen und so eine Strecke anbieten.“