Vom Antrieb der Zeit

Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Das meinen Menschen, die jeder Mode hinterherrennen und ja nichts verpassen wollen. Beständiges und Wertiges übersteht jeden noch so wichtigen Trend – ist also auch zeitgängig oder ein Evergreen.

Pünktlichkeitsfanatiker pochen auf die Zeit. Sie setzen anderen Fristen, sich zu erklären. Sind diese Leute unflexibel oder treiben sie andere gern zur Arbeit an? Selbst ernannte Zeitmanager schauen ständig auf ihr Mobiltelefon, in dem sie ihren minuziös geplanten Tag beobachten und danach funktionieren. Wehe, sie stehen im Stau oder sie müssen zu lange irgendwo warten. So Zeitrastellis gehen im Datenschrott unter und müssen sich entscheiden, etwas zu verpassen – gaaanz schwierig.

Es soll noch Menschen geben, die schlicht auf die Uhr schauen. Am Armband geht sie eben mit der Zeit. Höhere Bedeutung haben Kirchturmuhren, die stündlich an die Glocken schlagen. Auf die Saarner Dorfkirchenuhr ist seit Tagen kein Verlass mehr. Das Leuten um sieben Uhr erklingt um acht. Zwölf Uhr mittags oder Mitternacht ist um eins zu hören. Erscheinen Gemeindemitglieder vor dem Anläuten zum Ostergottesdienst, hat etwas mit der Umstellung auf Sommerzeit nicht geklappt. Die Zeit ist lebenslang ein Antreiber. Wer sich diesem Antrieb entzieht, ist gelassener und wohl glücklicher – ihnen schlägt keine Stunde.