Vier von 35

Mitgliederehrungen kennt man eigentlich vor allem von Vereinen und den Traditionsparteien. Inzwischen sind aber auch die Grünen in ein Alter gekommen, in dem sie ihre Mitstreiter der ersten Stunde ehren können. Und es gibt sogar noch Protokolle und Dokumente aus jener turbulenten Gründungszeit vor 35 Jahren, was selbst die heute Verantwortung tragenden verwundert. Wollte man sich doch damals bewusst vom eingefahrenen Politikbetrieb und Stil der etablierten Parteien absetzen. Von den 35 Gründungsmitgliedern vom 11. August 1979 sind noch vier aktiv. Der Rest ist ausgetreten, weggezogen, in anderen Parteien aktiv. Neben dem 91-jährigen Ehrenvorsitzenden und Bundesverdienstkreuzträger Hubert Knabe sind es Hubert Niehoff, Hans-Hermann Stollen, der für die Grünen aktuell im Rat sitzt und Renate Robie, die damals mit Lothar Reinhard (MBI), in einer Wohngemeinschaft lebte, was bei den Gästen des Neujahrsempfang hörbar für Verwunderung sorgte.

Beeindruckend allerdings waren die Erinnerung von Wilhelm Knabe, der erst mit 55 Jahren politisch aktiv war, später in den Bundestag einzog und zum Bürgermeister gewählt wurde. Man merkt ihm an, wie es ihn elektrisiert haben mag, als er damals erfuhr, dass sich eine Umweltpartei gründet. „Zu den Grünen zu kommen ist die beste Methode, um jung zu bleiben“, empfahl NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens mit einem Augenzwinkern. Voller Tatendrang und hoher Erwartungen war der Forstwissenschaftler damals mit der Bahn nach Düsseldorf zur Versammlung gefahren. Der Begeisterung folgte bald die Ernüchterung, weil sich Spaltpilze einmischten. Sein Engagement minderte das allerdings nicht. Mit dem Zollstock führte Knabe die politische Vermessung ein. Die Querelen aber blieben, auch in Mülheim. Die Begegnung und die Diskussion mit Menschen ist es, die Knabe immer noch interessiert.

„Das Unumkehrbare darf nicht zugelassen werden“, sagte Niehoff als Lehre aus der Zollstockarithmetik. Der 65-Jährige, der bei der letzten Kommunalwahl nicht mehr angetreten war, ist aber ziemlich stolz auf den Laden – bei aller Kritik im Einzelnen.

Erst einige Monate lang im Amt ist die Landessprecherin Mona Neubaur, die sich bei dieser Gelegenheit mit einem Parforceritt durch alle Politikfelder vorstellte. Der Merksatz der 37-jährigen Düsseldorferin: „Ein sich erhitzender Planet kann uns nicht kalt lassen.“ Traditionell gab’s dann Grünkohl, vegan und mit Fleisch, vom Vorsitzenden Peter Loef selbst zubereitet - mit regionalen Zutaten versteht sich.