Vielschichtige Reflexion in starken Bildern

Tanztheaer „Magic Lines“ im Ringlokschuppen.
Tanztheaer „Magic Lines“ im Ringlokschuppen.
Foto: Ute Weller
Was wir bereits wissen
Die Premiere vom Tanztheater „Magic lines“ im Ringlokschuppen war sehr gelungen, die Produktion elegant, würdevoll und witzig.

Mülheim.. Eine würdevolle und bildreich inszenierte Reflexion von tanzenden Menschen jenseits des 55. Lebensjahres hat jetzt mit „Magic lines“ im Ringlokschuppen stattgefunden:

Die Premiere des ausverkauften Tanztheaterabends beginnt ganz ruhig. Man schaut auf Kreise aus dicken Tauen, im Schatten steht ein Tänzer auf den Fasern eines weiteren Seils. Ebenso elegant, wie in diesen ersten Minuten einige Taue langsam zu Linien gelegt und in anderen Kreisen erneut ausgelegt werden, so zeigt sich auch der kraftvolle und ruhige Duktus des gesamten Stückes. Das Ensemble tanzt sich im Laufe der 70-minütigen Aufführung immer wieder durch Augenblicke, die wie zum ersten Mal erlebt scheinen.

Laute Musik und schnelle Bewegungen

Das Thema Zeitlosigkeit wird spielerisch ebenso thematisiert, wie das plötzliche Chaos, das mit lauter Musik und schnellen Bewegungen hereinbrechen kann. Hier scheut das Stück auch nicht vor (umwelt-)politischen Bildern: Waldrodungen in den Tropen und innerstädtische Bauprojekte z.B. werden als Diashow auf tänzerisch bewegte Boxen projiziert. Die an der Folkwang-Hochschule ausgebildete Choreographin Barbara Cleff hat vielseitige Tanzbilder geschaffen, die präzise reduziert und doch vielschichtig sind. Die Fantasie des Zuschauers wird nur selten nur auf das Thema Alter(n) gelenkt.

Das Ensemble fordert die Auseinandersetzung mit Erinnerung, Wiederholung, Eigentum, Verlust und Intimität. Bewegende und überraschende, aber auch komische Situationen entstehen durch clever abstrahierte Arbeit in vielen Momenten: etwa, wenn Wilhelm Knabe (90) in Schrittchen und bewusst langsam eine alte Schreibmaschine auf einem Wagen über die Bühne bewegt, während eine Tänzerin, rückwärtslaufend, eine lange Kreidelinie über den Boden zieht. Ein starkes Bild der Lebenskraft, die sich immer zugleich aus dem Drang nach vorne, wie aus der Retrospektive nährt. Das Stück bietet eine Fülle an eleganten, würdevollen, witzigen Momenten.