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Viele Kindergärten in Mülheim überbelegt

22.02.2012 | 18:36 Uhr
Viele Kindergärten in Mülheim überbelegt
Es wird eng in den Mülheimer Kitas. Das Anmeldeverfahren läuft, rund 4050 Dreijährige klopfen in die Türen, doch bislang reichen die Plätze nicht aus.Foto: Monika Kirsch

Mülheim.Vom dritten Geburtstag bis zum Schulstart steht jedem Kind per Gesetz ein Kita-Platz zu. Doch dieses Jahr wird es in den Mülheimer Einrichtungen besonders eng. Ohne Überbelegungen geht es wohl nicht.

4051 kleine Mädchen und Jungen müssen nach den Sommerferien neu untergebracht werden, „doch zurzeit können wir nur 3879 Plätze anbieten“, sagt Bernd Rose, Jugendhilfeplaner der Stadt. Dabei hat er schon alle Einrichtungen im Blick, von denen etwa die eine Hälfte städtisch, die andere Hälfte in freier, meist kirchlicher Trägerschaft ist.

Es fehlen rund 180 Plätze – ein Kraftakt. „Bisher haben wir es immer hinbekommen“, sagt Rose, „aber diesmal sieht die Prognose nicht so toll aus.“

Viele Kinder bleiben länger in der Kita

Woran es liegt, erläutert Lydia Schallwig, stellvertretende Leiterin des Amtes für Kinder, Jugend und Schule. Zwei Dinge treffen ungünstig zusammen: Das Schulrecht wurde erneut geändert, der Stichtag für die Einschulung nach vorne geschoben, so dass viele Kinder länger in der Kita bleiben. „Zeitgleich muss die U3-Betreuung ausgebaut werden“, so Schallwig, „es ist daher eng, und wir werden in einigen Einrichtungen überbelegen müssen.“ Um einige Prozent, was laut Kibiz in Ausnahmesituationen möglich sei. Nur so glaubt Schallwig den Rechtsanspruch in allen Fällen erfüllen zu können. „Bis Mai, lautet unser Ziel.“

Das Verfahren ist in vollem Gange. Die meisten Eltern melden ihre Sprösslinge in mehreren Kitas an, was die Stadt auch empfiehlt, die Angelegenheit aber kompliziert macht. Denn jede Einrichtung entscheidet für sich in jedem einzelnen Fall. „Zusagen und Absagen wurden verschickt“, erklärt Lydia Schallwig. Wer bislang leer ausging, wendet sich hilfesuchend an ihr Amt.

Verteilkämpfe, Frust bleiben da nicht immer aus. Ein Beispiel: Eine erboste Oma, Frau M., stürmt in die WAZ-Redaktion und beschwert sich bitter über die „Bärenhöhle“, eine städtische Kita in Broich. Hier sei ihr knapp dreijähriger Enkel, obwohl er in der selben Straße wohne, abgelehnt worden. „Sie sagten, er passt nicht in die Gruppe, weil er persischer Herkunft ist.“ Der nunmehr zugeteilte Platz in Styrum sei unzumutbar: „Meine Schwiegertochter hat kein Auto.“ Die Großmutter kann sich kaum beruhigen, will aber erneut vorsprechen.

Zu wenig freie Plätze

In der „Bärenhöhle“ reagiert man angesichts dieser Darstellung fassungslos. Die stellvertretende Leiterin verweist auf den hohen Ausländeranteil: „Wir sind offen und profitieren auch von verschiedenen Kulturen.“ Die Absage habe ganz andere Gründe: „Wir müssen eine bestimmte Altersstruktur einhalten.“ Und in der Gruppe, um die es konkret geht, hätten derzeit „Kleinstkinder“ den Vorrang.

Die Vergabekriterien, das gilt nicht nur in Broich, werden für die einzelne Einrichtungen unter Mitwirkung u.a. der Eltern jährlich festgelegt: Es gibt ein Punktesystem, mit Vorteilen u.a. für Geschwisterkinder, Alleinerziehende, Familien aus dem nahen Einzugsgebiet. „Wir hatten diesmal um die 20 Anmeldungen“, heißt es in der „Bärenhöhle“, „aber nur zehn freie Plätze zu vergeben.“

Bei den konfessionellen Einrichtungen tritt noch ein weiteres Kriterium hinzu: „Natürlich haben katholische Kinder Vorrang“, erklärt Kristina Kähler, Sprecherin des Kita-Zweckverbands im Bistum Essen. Sie belegten im Schnitt 50 Prozent der Plätze, „aber wir haben keine feste Quote“. Weil auch jeder Kindergarten für sich entscheide.

"Wir können keine Plätze zaubern"

Martina Kiworra leitet das katholische Familienzentrum St. Mariae Rosenkranz in Styrum – einem Stadtteil, in dem es insgesamt neun Kitas verschiedener Träger gibt. Sie berichtet von einem Abstimmungsgespräch mit den Leitungen aller Einrichtungen bereits im Januar: „Wir wollten jeder Familie im Stadtteil einen Platz anbieten, aber das ist uns nicht ganz gelungen, denn Styrum ist sehr kinderreich.“ Also werden allerorten Wartelisten geführt.

„Die Abstimmung im Stadtteil klappt gut. Aber wir können keine Plätze zaubern.“

Nach dem neuen Kinderbildungsgesetz (Kibiz) für NRW bestimmt der „Rat der Kindertageseinrichtung“ über die Aufnahme-Kriterien jeder einzelnen Kita. Ihm gehören – neben Vertreter(innen) des Kindergartenträgers und des Personals – auch Mitglieder des Elternbeirates an. Die Kriterien können durch Beschluss dieses Gremiums auch geändert werden.

Annette Lehmann

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Kommentare
23.02.2012
18:46
Stellv. Leiterin fassungslos?
von Talion | #4

Also wir können nur feststellen, dass wir bis heute fassungslos über ein unseres Erachtens nicht transparentes Vergabesystem dieser Einrichtung sind. Auch wir wohnen in der Nähe der Einrichtung und haben gute 3 Jahre vergeblich auf einen Platz gewartet. Allerdings sind wir nicht wie die Dame im Artikel ausländischer Herkunft, sondern Deutsche, die zudem einer Beruftätigkeit nachgehen. Wir vermuteten immer, dass der Grund warum wir jahrelang keinen Platz bekamen, in dem hohen - im Artikel bestätigten - Ausländeranteils begründet hätte sein können. Eine Absage oder gar Begründung hat uns jedenfalls nie erreicht, wäre aber sicher hilfreich gewesen.
Da wir seinerzeit dringend einen Platz benötigten, sahen wir uns also gezwungen einen Kita-Platz in Saarn annehmen zu müssen. Aber selbst diesen haben wir nicht etwa durch das Amt oder deren wenig hilfreich erlebte Vermittlungsstelle bekommen, sondern durch selbsttätiges Bitten und Betteln.

23.02.2012
10:12
Viele Kindergärten in Mülheim überbelegt
von wohlzufrieden | #3

Wie wäre es mit KIHA = Kinder-Hafenbecken... Dann wäre der Tümpel wenigstens zu etwas nützlich...

23.02.2012
09:38
Viele Kindergärten in Mülheim überbelegt
von dirk7603 | #2

Wofür KITA Plätze wenn wir doch ein Hafenbecken haben? Damit können die Konsumenten direkt mit dem Boot in die schönste Einkaufsmeile Deutschlands fahren?

MUAHAH - wenn es nicht so traurig wäre was OB Mühlenfeld mit unsere Stadt macht, dann könnte man sogar lachen.

23.02.2012
09:00
Wo sind die Mittel geblieben? Viele Kindergärten in Mülheim überbelegt
von schweinchen_schlau | #1

Da können Herr Rose und Frau Schallwig noch so laut die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Bund und Länder geben aktionistisch den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz vor und die Kommunen haben die kostspielige Pflicht dies umzusetzen. Soweit so schlecht.

Wahr ist, dass gerade die strukturgeschwächten Städte in unserer Region schon lange vor dem Jahr 2013 zittern und Schadenersatzklagen erboster Eltern fürchten.

Wahr ist aber auch wie im Falle unserer apathischen Stadt an der Ruhr, dass jahreglang freie Mittel lieber für "Luftschloß-Projekte", als für den Kita-Ausbau und deren Unterhalt vorgehalten werden.

So bleibt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nur eine hohle Wahlkampf-Phrase.

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