Viel Wind um nichts

Seit vier Jahren laufen die Bemühungen von SWB als Eigentümer und Medl als Energiedienstleister, das technische Rathaus mit einer Windkraftanlage auszustatten. Immer wieder wurde der Baubeginn verschoben, auf Anfrage der NRZ erklärte nun Klaus Beisiegel, Referent im Planungsdezernat, dass das Projekt endgültig gestorben sei. Aus technischen Gründen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Richtfunk der Feuerwehr, der die beiden Wachen in Broich und Heißen miteinander verbindet, durch die elektromagnetischen Felder der Windkraftanlage beeinträchtigt werden könnte. Das habe man auch noch einmal gutachterlich prüfen lassen, so dass man sicherheitshalber von dem Projekt, das man gerne realisiert hätte, lieber ganz absehe. Die Richtfunkantenne war bislang im Gegensatz zu Mobilfunkanlagen, bei denen eine Abschirmung möglich ist, kein Thema. Die Feuerwehr, die bis dahin scheinbar nicht in die Planungen eingebunden war, hatte auf dieses Problem selbst aufmerksam gemacht.

Aus wirtschaftlichen Gründen habe man das Projekt ohnehin nicht verfolgt. Es sollte einen Demonstrationscharakter haben. Die Stadtverwaltung als Vorbild. Gleiches galt für die preisgekrönte Photovoltaikanlage an der Südseite des Technischen Rathauses. Die 190 Module, die eine Fläche von 250 Quadratmetern ergeben, speisen pro Jahr etwa 31000 Kilowattstunden ins Netz ein, wodurch 18 Tonnen Kohlendioxid vermieden werden. Wirtschaftlich ist die Anlage aber nicht, da auch diese Installation nicht pannenfrei funktionierte. „Es bleibt auch nach 25 Jahren noch eine kleine Lücke“, räumte vor fünf Jahren der damalige SWB-Geschäftsführer ein. So stünden einer Investition von 290 000 Euro jährliche Einnahmen von 15 500 Euro gegenüber.

Als 2011 die Idee aufkam, Windkraft zu nutzen, war zunächst die Euphorie groß. Nach den Berechnungen war in 80 Metern Höhe die Windausbeute so groß, dass man mit zwei Zwei-Kilowatt-Anlagen den Strombedarf von zwei Einfamilienhäusern zu decken hoffte. Der Strom sollte aber nicht ins Netz eingespeist, sondern direkt im Rathaus genutzt werden. In der Zwischenzeit wurde mehrfach die Konzeption gewechselt, die verschiedene Typen und eine unterschiedliche Anzahl von Anlagen vorsah. Lieferprobleme, statische und technische Probleme wurden für die Verzögerungen genannt.

Nachdem auch der Start im Herbst 2013 verstrichen war, berichtete Medl-Chef Hans-Gerd Bachmann, dessen Unternehmen die Anlage der Stadt schenken wollte im Ausschuss und entschuldigte sich für die Verzögerungen. Jetzt war die Lieferfirma in Insolvenz gegangen. Die bislang einzigen Windräder drehen sich auf dem Dach des Klimamarktes von Tengelmann.