Via-Verkehrsgesellschaft muss Geld einsparen

Viele Firmenwagen gehören heute zur Via-Flotte, weil Mitarbeitern der Standortwechsel mit Bussen und Bahnen nicht zumutbar sein soll.
Viele Firmenwagen gehören heute zur Via-Flotte, weil Mitarbeitern der Standortwechsel mit Bussen und Bahnen nicht zumutbar sein soll.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
In Düsseldorf will man von der Via-Verkehrsgesellschaft Einsparungen sehen. Andere Nahverkehrsunternehmen bieten mehr Service für weniger Geld.

Mülheim.. Als die Via-Verkehrsgesellschaft im März 2010 an den Start ging, kündigten alle Beteiligten vollmundig dauerhafte Einsparungen von vielen Millionen an. Nach fünf Jahren wissen Fahrgäste: Gespart wurde vor allem zu ihren Lasten. Andere Nahverkehrsunternehmen bieten mehr Service für weniger Geld.

In der Via-Verwaltung haben die Verantwortlichen Straßenbahnen zu Chefsesseln gemacht. „Viele Via-Abteilungsleiter und Aufsichtsräte haben schon lange nicht mehr Busse und Bahnen benutzt, die sie eigentlich fördern sollen. Sie fahren mit Firmenwagen“, sagen die Fahrer. Die müssen es wissen.

Anne Lüttkes ist der Kragen geplatzt

Nun ist Anne Lüttkes der Kragen geplatzt. Düsseldorfs Regierungspräsidentin fordert jetzt die Oberbürgermeister aus Mülheim, Duisburg und Essen auf, zu handeln. Die Aufsichtsbehörde erwartet von den an Via beteiligten drei Nahverkehrsunternehmen, dass sie die versprochenen Spareffekte wirklich umsetzten. Bisher entstanden dort eher Versorgungs-Chefsessel. Letzter Versuch dieses Fahrplans: Der einstige Aufsichtsratsvorsitzende der Essener Verkehrs AG wollte – alle Sparzwänge ignorierend – Arbeitsdirektor werden. Da glühten die Notbremsen.

Bisher haben Aufsichtsräte und Via-Chefs die Bezirksregierung für einen zahnlosen Tiger gehalten. Den gewollten Verfall der Flughafenstrecke hatte die Technische Aufsichtsbehörde warnend hingenommen. Wäre die von Bäumen zerfetzte Oberleitung über der Bismarckstraße nach „Ela“ kein Sturmschaden gewesen, würde dort bald keine Straßenbahn mehr fahren. Deren Erhalt hat die Versicherung stark mitfinanziert.

230 Vollzeitstellen seien zuviel, heißt es aus Düsseldorf

Weil die Düsseldorfer Behörde auch die Finanzaufsicht über Mülheim, Duisburg und Essen hat, sich die Abteilungsmitarbeiter erkennbar austauschen, betont Anne Lüttkes: Via berechnet für seine Leistungen mehr Geld als vergleichbare Nahverkehrsunternehmen in der Nachbarschaft. Das bedeutet: Nach Abzug der Einnahmen in 2013 musste jeder Mülheimer Duisburger und Essener 130,33 Euro zuschießen. Die Einwohner Bochums, Gelsenkirchens, Hattingens, Hernes und Wittens kamen mit 84,65 Euro aus – 65 Prozent.

Bei der dort tätigen „Bogestra“ beträgt der Anteil der Fahrer an der Gesamtbelegschaft 61,7 Prozent, bei Via sind es 50,74 Prozent. In Werkstätten und der Verwaltung habe Via fast 230 Vollzeitstellen zu viel, gemessen am Schnitt der Bogestra, heißt es aus Düsseldorf.

Das Hickhack unter den beteiligten Städten müsse sofort beendet, die „Verschmelzung“ der drei Verkehrsbetriebe sowie deren „bessere Kooperation“ vorangetrieben werden, fordert Lüttkes. Angesichts der hohen Verschuldung von Mülheim, Essen und Duisburg, „erscheint es nicht weiter vertretbar, offensichtlich vorhandene Konsolidierungspotenziale nicht auszuschöpfen“. Soll heißen: Bisher hat Via diese nicht genutzt. Lüttkes stellt klar: Eine Einschränkung des Fahrtenangebotes dürfe es nicht geben. Viele müssten vom Sichern ihrer Pfründe auf Kosten der Steuerzahler ablassen – schwierig.

Kontrolle der Kosten

Das Aussetzen des Nahverkehrsplans, um alle Kosten reell zu ermitteln, beantragen die MBI für die nächste Sitzung des Mobilitätsausschusses. Der Brief aus Düsseldorf muss an alle Ratsmitglieder gehen.

Die Regierungspräsidentin blockiert nun alle MVG-Ausgaben, die nicht die Infrastruktur erhalten. Stellen sollen mit Umsetzung vorhandenen Personals besetzt werden – und nur in bei mangelnder Qualifikation extern.