Verregneter Kindersommer

Im Sommer des Jahres 1956 wurde ich gemeinsam mit anderen Mülheimer Kindern zur Erholung nach Keitum auf Sylt verschickt.

Eine Fürsorgeschwester (wie man es damals nannte) begleitete uns auf der Zugfahrt. Der Hindenburgdamm und die Weite der Nordsee faszinierten mich als damals Elfjährige schon sehr.

In Keitum traten wir dann für sechs Wochen im Kindererholungsheim der Stadt Mülheim unsere Kur an. Die grünen Wiesen rings um das Heim luden zum Spielen ein. Leider war dieser Sommer ziemlich verregnet. Aber die Betreuerinnen gaben sich alle Mühe, uns Kinder mit Spielen zu unterhalten. Die Regenlücken wurden mit Wanderungen zum Strand ausgefüllt.

Besonders erinnere ich mich an die Nervosität der Betreuerinnen, wenn wir uns in eine FKK-Zone verliefen.

Liegekuren als Geduldsprobe

Morgens, vor dem Frühstück, versammelten wir Kinder uns vor dem Heim zum Singen. Einige der Betreuerinnen fuhren auch schon mal gerne abends nach Westerland, um die Nacht zum Tage zu machen. Wir hörten sie gegen Morgen kichernd und übermütig ins Heim schleichen. Von Schlafen konnte für sie keine Rede mehr sein. Dafür durften sie dann mit roten Augen und rauer Kehle „Der Morgen, das ist meine Freude“ mit uns singen.

Die Liegekuren an der frischen Luft waren für mich eine Geduldsprobe. Ich fand es schöner, draußen herumzutoben.

Mehrmals in dieser Zeit wurden wir vom Amtsarzt untersucht, ob die Kur schon Wirkung gezeigt hat.