Vermehrte Absagen an Firmen

Den politischen Aschermittwoch bestimmt in Mülheim die heimische Wirtschaft, die der örtlichen Politik freundlich, aber bestimmt klare Forderungen auf den Weg gibt. Zum wiederholten Male lautet die Botschaft: Wir brauchen Ansiedlungsflächen! Dabei, so der Sprecher der Mülheimer Wirtschaft, Hanns-Peter Windfeder, gehe es in erster Linie um Arbeitsplätze. „Mich hat eine Zahl erschreckt: Wir haben im vergangenen Jahr in Mülheim rund 1400 Arbeitsplätze nicht schaffen können, weil es an Flächen fehlte.“

Nur noch für etwa 15 Prozent aller Anfragen von ansiedlungswilligen Betrieben oder von ansässigen Unternehmen, die erweitern wollen, habe die Wirtschaftsförderung ein Angebot abgeben können. Derartige Zahlen geben seit einiger Zeit Anlass zur Sorge. Dabei ist Mülheim als Standort gefragt. Der Chef der Wirtschaftsförderung, Jürgen Schnitzmeier, hatte kürzlich von 226 Unternehmen berichtet, die in Mülheim innerhalb von drei Jahren angeklopft haben – die meisten vergeblich angesichts von gerade mal noch 5,4 Hektar Fläche, die – verteilt auf sieben Standorte – im Stadtgebiet zur Vermarktung anstehen.

Windfeder wirbt bei der Politik, sich in der Stadt für eine Industrie- und Gewerbefreundlichkeit stark zu machen. „Wir dürfen hier nicht nachlassen“, sagt er und betont etwa die Bedeutung der Mannesmann-Tangente für künftige Ansiedlungen. Dass der Standort Mülheim im landesweiten Vergleich zu den starken Adressen gehört, macht der Sprecher der Wirtschaft an einer Zahl deutlich: „Hätte das verarbeitende Gewerbe in Mülheim sich in den vergangenen Jahren anlog der Landeszahlen entwickelt, gäbe es etwa 3500 Beschäftigte am Ort weniger.“

Die Politik in Mülheim kennt den Ruf nach neuen Flächen und gerät zunehmend unter Druck. Erst recht, weil selbst ausgewiesene Gewerbeflächen wie am Flughafen mit derartigen Beschränkungen versehen sind, dass sie sich quasi nicht vermarkten lassen. Selbst die als wirtschaftsfreundlich angesehene lokale CDU hält an den Beschränkungen fest, es ist die SPD, die hier versucht, die Chancen für Ansiedlungen zu verbessern. Die IHK stößt in die gleiche Richtung und fordert eine „aktive und angebotsorientierte Ausweisung von Gewerbe- und Industrieflächen“. Das bringe Investitionen, Jobs, Ausbildungsplätze – und Steuereinnahmen, so die Präsidentin Jutta Kruft-Lohrengel. Alles könnten Städte wie Mülheim gebrauchen.

Dahinter steckt der Appell an die Politik: Sie muss dazu liefern. Wirtschaftsförderung wie der Arbeits- und Ausbildungsmarkt werden Themen des anstehenden OB-Wahlkampfes sein – mit zwei Kandidaten aus der Wirtschaft.