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Zunehmend klagen...

Verlustgeschäft

19.05.2008 | 17:13 Uhr

Andreas Noje, der Geschäftsführer des Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümervereins in Mülheim, kennt die Sorgen der privaten Vermieter.

"Ich habe jede Woche mehrere Mitglieder in der Sprechstunde sitzen, die mir sagen, dass sie aussteigen möchten, raus aus der Vermietung wollen." Zu unattraktiv, zu stressig sei das Geschäft geworden. Einzelfälle?

Nein, betont Noje und bestätigt in Mülheim Ergebnisse aus bundesweiten Erhebungen: Vermieten ist danach vielfach ein Verlustgeschäft geworden. Mindestens jeder zweite Vermieter in Mülheim erziele mit der Miete keinen Gewinn mehr, decke damit nur noch die Unkosten. Ein Trend, von dem Noje glaubt, dass er sich eher verstärken werde. Allein von Mieteinnahmen zu leben, sei nur noch in sehr selten Fällen möglich.

Schuld gibt Noje mehreren Entwicklungen: Die Zahl der Mietausfälle steigt, weil Mieter nicht zahlen, aber immer mehr auch nicht zahlen können. Mit den Mieteinnahmen, so Noje, finanzierten aber viele noch die Hypotheken ihrer Häuser. Gerade ältere Vermieter hätten keine Kraft für gerichtliche Auseinandersetzungen.

Die höchstrichterliche Rechtssprechung geht aus Sicht von Haus und Grund verstärkt zu Lasten der Vermieter, so bei den Schönheitsreparaturen oder bei den Anforderungen zur Energie-Effizienz der Gebäude. Vielen fehle das Geld, um die erforderlichen Modernisierungen durchzuführen. Ein Teufelskreis in Zeiten, in denen ein Mieter-Markt besteht. Schlechte Wohnungen finden schlecht einen Abnehmer, werfen keine Miete ab oder stehen leer.

Schließlich treffe es jene Vermieter hart, deren Mieter Altverträge hätten. Denn die enthielten oft die Nebenkosten, auf denen der Vermieter sitzen bleibt. Gerade die Nebenkosten machen aber einen immer größeren Anteil aus.

An Mietsteigerungen denken nur wenige: Noje: "Die Grundmieten sind im Mietspiegel zwar gestiegen, aber viele private Vermieter hätten sie nicht umgesetzt." Die wüssten: Mieterhöhung bringt möglicherweise nur Ärger. "Mancher traut sich nicht zu erhöhen."

Neue Befürchtungen entstehen für Vermieter mit der geplanten Erbschafts-Steuerreform. Bisher wurde in Erbschaftsfällen Immobilienvermögen besser behandelt als Barvermögen. Dies soll sich nun ändern. Für private Immobilienbesitzer, so der Vorstand von Haus und Grund, würde dies nicht unerhebliche Folgen nach sich ziehen: Die steuerfreie Übertragung eines Einfamilienhauses sei mit der geplanten Reform jedenfalls stark gefährdet.

Andreas HEINRICH

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