Verlorenes ist im Mülheimer Fundbüro gut aufgehoben

Rainer Frank zeigt das exotischste Fundstück: eine nicht mehr ganz frische Beinprothese.
Rainer Frank zeigt das exotischste Fundstück: eine nicht mehr ganz frische Beinprothese.
Foto: Herbert Höltgen
Was wir bereits wissen
Eigentümer erhalten, wenn möglich, eine Nachricht. Brillen werden gespendet. Kirchgänger vergessen oft ihre Schirme oder Kameradeckel.

Mülheim.. Wohl jedem ist es schon mal passiert, dass er etwas liegen gelassen oder verloren hat – ganz in Gedanken die Zahnbürste nicht eingepackt, den Schirm im Geschäft oder die Bankkarte im Automaten-Schlitz vergessen hat. Auf der Spur nach den häufigsten Fundstücken beginnen wir in Hotels.

Silvia Krause vom Best Western-Hotel im Forum weiß sofort, was die Liste ihrer Fundstücke klar anführt: „Ladekabel! Ganz viele Gäste vergessen ihr Ladekabel oder den USB-Stick im Zimmer“, sagt die Leiterin der Rezeption. Rund 80 Gäste haben im vergangenen Jahr im Best Western Dinge vergessen, darunter Kopfkissen, Socken, Hosen, Kulturbeutel, Kopfhörer oder auch mal den Wecker. Nicht verderbliche Waren bewahrt das Haus oft mehrere Jahre in einer Kammer auf. Stammgäste bekommen ihre Utensilien ins Zimmer gelegt, wenn sie das nächste Mal anreisen. „Wenn wir eine Mail-Adresse oder Telefonnummer haben, benachrichtigen wir die Gäste auch“, sagt Silvia Krause.

Im Hotel Friederike an der Friedrichstraße liegt der Schwerpunkt, laut Mitarbeiterin Reesa Thaya, auf Hemden oder anderen Kleidungsstücken, die Zimmerbewohner im Schrank vergessen haben. Ein Gast habe einmal auf einem Mäuerchen am Hotel, also außerhalb seines Zimmers, ein iPad vergessen. Wegen der Sperrung sei der Eigentümer nicht zu ermitteln gewesen. Er habe sich erstaunlicherweise erst zweieinhalb Monate später gemeldet. Nach einem Jahr leite man nicht abgeholte Gegenstände an die Caritas weiter.

Kirche als Hort verlorener Schirme

Aus der Petrikirche weiß Küster Harald Helming-Arnold zu berichten, dass „vorwiegend Schirme liegen bleiben. Knirpse in allen Variationen, aber auch Handschuhe, Mützen, Brillen oder Kameraobjektiv-Deckel, die Besucher von Hochzeiten oder Taufen gerne mal auf der Gebetbuch-Ablage vergessen.“ Die meisten Dinge würden aber schnell wieder abgeholt. „Ich sammle die Gegenstände erst in der Sakristei. Was nicht abgeholt wird, packe ich am Jahresende in Kisten. Diese stelle ich dann irgendwann in den Keller. Wir müssten uns wirklich mal überlegen, was wir damit machen“, gibt er zu.

Claudia vom Endt, Sekretariatsmitarbeiterin im Forum Management, wundert sich manchmal schon, dass Leute ihre Schlüsselbunde oder Portemonnaies nicht abholen. „Entweder geben Finder die Dinge direkt hier im Büro ab oder Ladeninhaber bringen uns die Sachen – darunter gerne auch Taschen, Rucksäcke oder Handys – nach einigen Tagen vorbei. „Nach sieben Tagen geben wir die Gegenstände ans Fundbüro“, ergänzt Forum-Manager Wolfgang Pins.

Selten Kurioses, eher Schlüssel oder Portemonnaies

So exotische Fundstücke wie eine Beinprothese, die seit nahezu 20 Jahren als Highlight gehortet wird, oder der Helikopter, landen selten im städtischen Fundbüro. An Masse mangelt es jedoch nicht.

Frank Rainer, zuständiger Sachbearbeiter am Mülheimer Fundbüro, verzeichnet für das letzte Jahr mehr als 700 Fundsachen. 235 Dinge wurden zurückgeben. Sechs Monate sei die Aufbewahrungsfrist, danach dürfe man Schlüssel vernichten oder andere Dinge wie Fahrräder, Schmuck, Kameras oder Handys versteigern. Brillen würden für den guten Zweck an einen Optiker übergeben, der diese dann einem Hilfsprojekt übergebe.

„Elektronisches Gerät wird natürlich vor der Versteigerung von einer Spezialfirma geleert“, so Frank Rainer. Die Versteigerungen, die in diesem Jahr fortgeführt werden sollen, hatten der Stadtkasse im vergangenen Jahr rund 2000 Euro Einnahmen beschert. Auch nicht abgeholtes Bargeld „werde kassenrechtlich eingenommen“, erläutert Rainer.

MVG hat keine eigene Fundstelle

Ansonsten werden vorwiegend Brieftaschen, Schlüssel, ÖPNV-Tickets, Bankkarten oder Geld abgegeben, das im Automaten vergessen wurde. Banken können die Scheine in der Regel gut dem Eigentümer zuordnen, denn im Fundprotokoll gebe der Finder Details wie Fundort oder Uhrzeit an. Besonders gut komme der Online-Service des Fundbüros bei den Bürgern an. Der Finder fülle ein Online-Protokoll aus und das Fundstück verbleibe vorläufig in seiner Obhut.

Die MVG unterhält keine eigene Fundstelle. Alle Fundstücke werden an das Fundbüro der Stadt übergeben. Wenn der verlorene Gegenstand dort nicht abgegeben wurde, könne man unter 451-1351 beim Pförtner der Mülheimer Verkehrsgesellschaft anrufen.