Verdient das Schützentum den Titel Kulturerbe?

Foto: Schützengesellschaft Oberkirchen

Stadtgebiet..  Gerne hätten die bundesdeutschen Schützen gesehen, dass ihr Brauchtum von der Unesco zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt worden wäre. Doch daraus wird vorerst nichts. Wegen des Umgangs mit einem muslimischen Schützenkönig aus Werl, dem als Nicht-Christ die Teilnahme am Bezirksschützenfest verweigert wurde, hat das Expertenkomitee der Unesco den Antrag auf die Aufnahme ins Kulturerbe-Verzeichnis zurückgestellt. In Bezug auf Schützenkönige, die „nicht ,biodeutschen’ Maßstäben entsprechen“, habe es „schroffe und ausgrenzende Reaktionen“ gegeben, begründet die Kommission ihre Entscheidung. Weil dieses Verhalten nicht einer „zugänglichen und offenen Traditionspflege“ gemäß sei, habe man die Bewerbung gebremst. Nur folgerichtig findet das Martina Mrozinski, amtierende Schützenkönigin der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Selbeck-Breitscheid 1901 e.V.. „Viele der Schützenvereine sind zu starr, die müssten sich viel mehr der Gesellschaft öffnen“, meint Mrozinski und betont: „Es ist vorsintflutlich, Andersgläubige oder auch Geschiedene auszuschließen. Kultur sollte doch für alle offen sein.“ Erst dann, findet die Schützenkönigin, habe das Brauchtum eine Anerkennung als Weltkulturerbe verdient. Ähnlicher Ansicht ist auch Helmut Ehrkamp, Vorsitzender des Mülheimer Schützenvereins von 1837 e.V.. „Das Schützenwesen ist seit rund 800 Jahren etabliert und leistet viel für den sozialen Zusammenhalt – aber das kann eigentlich jeder Verein für sich in Anspruch nehmen.“ Konfessionelle Einschränkungen gebe es in seinem Verein nicht, sagt Ehrkamp. „Bei uns kann jeder König werden. Es ist nicht mehr zeitgemäß, jemanden auszuschließen. Man kann doch immer eine Ausnahme machen und die Satzung ändern.“ Schützenkönigin Martina Mrozinski kann das aus eigener Erfahrung bestätigen: „Ich bin die erste Frau in unserem Verein, die mitschießen durfte.“ Und das auch nur, weil die Selbecker Schützen ihre Satzung vor nicht allzu langer Zeit entsprechend angepasst hatten.