ver-LESEN

Drei Jahrzehnte lang hat Bernd Fronhoffs als Richter Urteile verlesen. Und das war ein wichtiger Akt, denn damit so ein Urteil rechtskräftig ist, muss es eben verkündet werden. Verlesen im anderen Sinne habe er sich dabei allerdings nie, betont der Jurist. Und in der Bestimmtheit, mit der er antwortet, klingt ein wenig Entrüstung an, wie man ihm so etwas zutrauen könnte.

Eben gerade weil die Urteilsverkündung, bei der sich alle Anwesenden erheben müssen, so eine wichtige Rolle spiele, habe er immer ganz genau darauf geachtet, was er gerade spreche. „Die endgültige schriftliche Formulierung folgt ja erst danach. Da muss man schon auf jeden Satz genau achten. Zwar gibt es bestimmte juristische Standardphrasen, die man als Bausteine zusammensetzen kann. Aber letztlich ist jeder Fall einzigartig. Es muss also immer noch etwas Individuelles dazu kommen.“

Privat liest Bernd Fronhoffs natürlich: Krimis. Aber gar nicht mal, weil er vieles aus seinem Berufsleben wiedererkennen würde. Ganz im Gegenteil. Wenn er in so einem Kriminalroman schmökert, dann könnte er tatsächlich manchmal denken, er habe sich verlesen.

Denn mit dem Justizalltag habe das, was dort erzählt werde, kaum etwas zu tun. „Aber das ist auch gar nicht schlimm. Hauptsache, das Buch ist spannend“, so Fronhoffs literarisches Urteil. Aktuell liegt bei ihm auf dem Nachttisch: „Die Todesliste“ von Frederick Forsyth. Das Buch hat er zu Ostern bekommen. Das Buch gefällt ihm „Ziemlich spannend.“ Der Schenker hat sich also nicht verlesen, als er den Titel für Fronhoffs ausgewählt hat.