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Kultur

Urkomischer Auftritt von Ars Vitalis

15.11.2009 | 18:41 Uhr

Experimentierfreudiger Auftritt von Ars Vitalis im Ringlokschuppen: Wer mit aufsprang und sich mitnehmen ließ, erlebte einen großartigen, urkomischen Abend.

Ja doch: Ars Vitalis sind gute alte Bekannte im Ringlokschuppen. Vor drei Jahren waren sie mit Schauspielerin und Sängerin Meret Becker in Mülheim, vielleicht war ihnen das aber zu poppig. Diesmal brachten die schrägen Vögel zu ihrem Programm „Fahrenheiten” jedenfalls einen Teddybären mit. Süß oder schon wieder ein Ausdruck ihrer markanten Selbstironie? Fest steht jedenfalls: Auch nach 30 Jahren verweigern sie sich festen Musikkategorien.

Doch apropos „Vögel”: Es pfeift und schnippt im Hintergrund, dann schlurft das Trio – scheinbar verschlafen wie die Nachteulen – auf die Bühne: „Ein Tag”, philosophiert Klaus Huber, Teddy im Arm, „wie aus einem Ei”. Dann reimt Buddy Sacher „feuchtes Klima” auf „Hiroshima” – das erntet eine kühl hochgezogene Augenbraue vom Kollegen Peter Wilmanns – und kurze Zeit später bricht mit einem scharfen Swing die Hölle los auf der Bühne, nur um diesen in einer gefühlvollen Ballade („Good morning”) aufzulösen. Und „When I was young” von Eric Burdon.

Wohltemperiert sind diese musikalischen Genrewechsel jedenfalls nie, immer erwischen sie ihr Publikum heiß und kalt. Vielleicht erklärt dies auch, warum die experimentierfreudigen Künstler „Fahrenheiten” als Titel gewählt haben. Danach sind quasi alle Bälle in der Luft und Ars Vitalis gleitet zwischen Folklore, Polka und einem kurzen, seltsamen Hörspiel über einen Kohleofen, bei dem Wilmann mit gewissenhafter Präzision eine Plastikflasche vor dem Mikrofon zerknirscht.

Was wohl zuerst da war – Geräusch oder Musik –, ist für Ars Vitalis vermutlich so relevant wie die berüchtigte Henne-Ei-Frage: Ein Klang wird zum Lied, als etwa Wilmann erfinderisch an einem uralten Casio-Keyboard improvisiert, die Ordnung löst sich wieder auf in Geräuschen, wird etwas anderes. Das ist temporäre Kunst in Reinform. Wer mit aufsprang und sich mitnehmen ließ, erlebte einen großartigen, urkomischen Abend.

Dennis Vollmer

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