Unverblümt und aktuell
20.08.2009 | 12:00 Uhr 2009-08-20T12:00:00+0200
Das Theater Mülheimer Spätlese geht in die neue Spielzeit: Mit zwei neuen Stücken und beliebten Inszenierungen
So ein Theaterjahr beginnt ja mitten im Jahr, bei der Eröffnung der neuen Spielzeit. Eckhard Friedl, der Leiter des Theater Mülheimer Spätlese, nutzte den ersten Termin, bei dem das über 30-köpfige Ensemble sich nach der Sommerpause komplett wiedersah, für einen Ausblick und eine Bilanz. Was man sich nicht so trocken vorstellen muss wie eine Wirtschaftsnachricht: Die Damen und Herren des Seniorentheaters stießen hernach durchaus mit einem Gläschen auf die neue Spielzeit an. In der sie wieder vier, fünfmal pro Woche proben werden, denn neben bekannte Stücken sind auch zwei Premieren – eine in diesem, und eine im nächsten Jahr – geplant.
30 Vorstellungen gab's in der vergangenen Spielzeit, allein „Reichtum des Alters” wurde von der „Spätlese” siebenmal gespielt. „Wir haben unseren Schnitt gehalten”, sagt Friedl, „und jede zweite Woche eine Vorstellung gegeben”. Der Dokumentarfilm von Volker Köster zum Stück, der einen Einblick in die Arbeitsweise des Seniorentheater gibt, eröffne dem Theater ein neues Publikum, so sieht es Friedl. Denn beim Begriff Seniorentheater gebe es oft ein Bild, das so nicht der Realität entspricht. Das Theater will den Dialog zwischen den Generationen anregen, auch das neue Programm wird sich wieder mit aktuellen Themen aus der Sicht der älteren Generation beschäftigen.
2010 ist nicht nur Kulturhauptstadtjahr, sondern auch das Jahr, in dem das Theater Mülheimer Spätlese seinen 20. Geburtstag feiert. Zwei Premieren sind schon in der Vorbereitung, eine wird allerdings erst in der Spielzeit 2010/11 zur Aufführung gebracht. Ein Mix aus neuen und älteren Inszenierungen erwartet das Publikum, das sich am 26. August schon auf „Unverblümt gut verpackt” freuen kann.
Für „Reichtum des Alters” war das ganze Ensemble eingebunden, in der neuen Spielzeit teilt der Theaterleiter seine Schauspielerschar in zwei Produktionsteams auf. Die Stücke sind wieder echte Eigenproduktionen: Sie nehmen Erfahrungen, Sichtweisen zu aktuellen Themen auf, und werden selbst geschrieben. „Es geht um die Sicht der Älteren – wir sind parteiisch”, schmunzelt Friedl. Aber die Fragen, die das Ensemble sich und dem Publikum stellt, sind altersunabhängig. „Familie Struwelpeter”, so der Arbeitstitel für das erste der neuen Stücke, handelt davon, dass Angehörige einen jungen Menschen plötzlich als Mittäter einer abscheulichen Tat erleben. Hat Erziehung versagt? Wer hat schuld? Ist Gewalt auch ein Hilferuf? Ein Stück, für den die Idee weit vor dem Amoklauf von Winnenden entstand: Am 27. November ist Premiere. Für die zweite Premiere im Kulturhauptstadtjahr hat sich das Theater etwas Besonderes ausgedacht: Alle Schauspieler werden in „Sprachlos” (Arbeitstitel) als Clowns auftreten. Es geht um Menschen in der Informationsgesellschaft, um Störungen in der Kommunikation.
Ein Thema, das wirklich alle Generationen beschäftigt: jede auf eine andere Art.

0mitdiskutieren