Unterwegs im Schloss Bellevue

In aller Ruhe durch das Schloss Bellevue zu schlendern, den Bundespräsidenten persönlich treffen – ein Erlebnis, das nicht vielen Bürgern zuteil wird. Zwei Mülheimern schon. Patrick Schultz und Ghita Lanzendörfer-Yu haben genau dies erlebt.

Mülheim.. In aller Ruhe durch das Schloss Bellevue zu schlendern, den Bundespräsidenten persönlich treffen – ein Erlebnis, das nicht vielen Bürgern zuteil wird. Zwei Mülheimern schon. Patrick Schultz, Schüler der Jahrgangsstufe 12, und Ghita Lanzendörfer-Yu, promovierte Chemikerin, haben genau dies erlebt. Beide politisch engagiert, sind sie mehr oder weniger durch Zufall auf die Aktion „Ich will Europa“ aufmerksam geworden, die sie zum Ausflug nach Berlin führte.

Statement zu Europa

Eine bundesweite Aktion, die Menschen dazu ermuntern wollte, sich über Europa Gedanken zu machen, warum – gerade in der heutigen Krise – ein gemeinsames Europa weiter gestärkt existieren sollte. Über die Mercator Stiftung, eine von elf Trägern der Initiative, sind die beiden Mülheimer auserwählt worden. „Ich hab mich eigentlich ohne Hintergedanken beworben und über Facebook mein Statement zu Europa geschickt“, erzählt Patrick Schultz (20). Seine Kernbotschaft, für die er mit 120 weiteren Teilnehmern ins Schloss Bellevue durfte: „Kulturen öffnen die eigenen Seelen und sind wichtig für das gegenseitige Verständnis“.

Dass er damit in die Kategorie ,Dialog und Kultur’ gehörte lag auf der Hand. Genauso überrascht über die Einladung im April war Ghita Lanzendörfer-Yu. Der fünfjährige Aufenthalt in Shanghai schärfte ihren Blick auf Europa. „Die Chinesen blickten teilweise gar nicht durch, ,was ist Europa überhaupt?’ – die Zusammenhänge sind nicht deutlich.“ In Deutschland gelandet, wollte Ghita Lanzendörfer-Yu sich für mehr Transparenz in der europäischen Politik einsetzen. Sie ist nun Mitglied der „European Federalist Party“.

Vom Präsidenten begeistert

An zwölf Tischen mit sechs unterschiedlichen Themen wäre heiß diskutiert worden. „Die Gruppen standen untereinander in Konkurrenz“, erklärt Patrick Schultz. Jeder Tisch musste sich auf eine Vision, eine Idee, einigen. Eine Jury traf die Entscheidung, welche Idee die beste ist. „In der Kategorie ,Dialog und Kultur’ hat eine Gruppe gewonnen, die einen europäischen Tatort plante“, berichten die Beiden – „eine Idee die greifbar war und deswegen gelobt wurde“. Die Gruppe von Patrick Schultz setzte in der Schule an. Ein ,Kulturunterricht’ ab der 5. Klasse sollte verpflichtend für etwa zwei Stunden in der Woche eingeführt werden. „Dieses Fach sollte EU-weit gelehrt werden, damit sich Partnerschaften zwischen den Schulen entwickeln und ein reger Austausch stattfindet.“

Vom Bundespräsidenten sind Patrick Schultz und Ghita Lanzendörfer-Yu einstimmig mehr als begeistert: „So ein Typ als Präsident – das macht mich stolz“, sagt die Chemikerin. „Er ist absolut direkt und offen.“ Aus dem gemeinsamen Tag nehmen die Mülheimer eine absolut pro-Europäische Stimmung mit – „auch wenn sich viele einig waren, dass es strengere Reglungen geben sollte“, ergänzt der 20-Jährige.