Ungebildet und unmotiviert ins Berufsleben?
28.07.2010 | 18:30 Uhr 2010-07-28T18:30:00+0200
Der Trend ist klar: Mülheimer Betriebe melden weniger Ausbildungsplätze, gleichzeitig steigt die Zahl unbesetzter Stellen. Ein Widerspruch? Häufig passen die Wünsche der jungen Leute nicht mit denen der Arbeitgeber zusammen.
Immer wieder beschweren sich Firmen über mangelnde Schulbildung oder schlechte Umgangsformen und Motivation. 332 Jobs sind in Mülheim noch offen, das Ausbildungsjahr beginnt am 1. August oder 1. September.
Die Arbeitsagentur hat die gesunkene Stellenzahl registriert, möchte aber „noch nicht ganztägig in die Betriebe gehen“, wie Sprecherin Katja Hübner es formuliert, um verstärkt für Ausbildung zu werben. „Es gibt auch immer noch Nachzügler, die sich erst später bei uns melden.“ Etwa 60 Prozent der Betriebe gäben ihre Ausbildungsplätze bei der Arbeitsagentur bekannt.
Anforderung gewandelt
Der Hauptgrund für die höhere Zahl an noch unbesetzten Stellen liege tatsächlich darin, dass die Bewerber nicht immer zu den Stellen passten, so Hübner. Oft seien die Vorstellungen der Jugendlichen nicht realistisch. Zudem hätten sich die Anforderungen der Arbeitgeber gewandelt. „Früher hat für die Bankkauffrau noch der gute Realschulabschluss gereicht – diese Zeiten sind vorbei. Die Arbeitgeber picken sich gern möglichst früh die Rosinen unter den Bewerbern heraus. Aber irgendwann gibt es keine Rosinen mehr.“
Für spät Entschlossene seien die Chancen zurzeit am besten in den Bereichen Kaufmann oder -frau für Einzelhandel, Verkäufer(in) im Lebensmittelhandwerk, speziell in Bäckereien, in Bürokommunikation und Elektronik. „Wir hatten in diesem Jahr weniger Bewerber“, sagt Nicole Brylok von Elomech Elektroanlagen. Die Firma bildet unter anderem zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik aus. „Vielleicht liegt das daran, dass wir die Anforderungen an die Schulbildung erhöht haben.“ Früher stand der Hauptschulabschluss in der Stellenanzeige, heute der Realschulabschluss.
Montageinspekteur Klaus Haß erklärt: „Wenn’s um die Bildung geht, fasst man sich bei manchen Bewerbern an den Kopf. Viele wissen einfach nicht, dass Elektronik auch etwas mit Mathe zu tun hat.“ Fünf Azubis hat Elomech zum August eingestellt – „wir hätten gern drei mehr gehabt“.
Ralf Wüstefeld, Obermeister der Friseur-Innung, kennt diese Probleme. „Wir haben immer weniger geeignete Kandidaten.“ Acht Bewerbungen bekam Wüstefeld in diesem Jahr, führte drei Gespräche. Nach langem Suchen fand er eine Auszubildende, stellte jedoch immer wieder auch „katastrophale Allgemeinbildung“ und fehlende Bereitschaft zum „selbstständig Denken“ fest. Auch Unpünktlichkeit sei ein Problem. Wüstefeld lobt die, die er eingestellt hat, musste in der Vergangenheit jedoch auch schon Verträge wieder aufheben.
Ralf Drönner von der Firma Geese-Bau in Oberhausen, die auch häufig junge Mülheimer beschäftigt, reiht sich in die Reihe derer ein, die weniger Bewerbungen und mehr Lücken in der Schulbildung feststellen. „Vielleicht ist das Handwerk heute nicht mehr so interessant?“ Dass Bildung und Umgangsformen häufig problematisch sind, will Katja Hübner von der Arbeitsagentur pauschal nicht bestätigen. „Nicht jeder ist motiviert und immer pünktlich.“ Für diejenigen, die in der Berufsschule zu kämpfen haben, gibt es die Ausbildungsbegleitenden Hilfen – laut Sprecherin „extrem nachgefragt“.
Verdi beklagt prekäre
Situation für Azubis
Katja Arndt, Jugendsekretärin bei Verdi, stellt einen ganz anderen Aspekt in den Vordergrund. „Im Einzelhandel bewerben sich deshalb zu wenige junge Leute, weil sie wissen, dass die Ausbildungsverhältnisse dort oft prekär sind – besonders im Bereich Lebensmittel.“ Die Gewerkschafterin berichtet von Überstunden, Unterbezahlung und fehlenden Ansprechpartnern. Ihre Forderung: „Arbeitsagentur und IHK sollten nicht jeden ausbilden lassen – auch wenn dann die Zahlen nicht so schön aussehen.“

16:14
Zitat: „Nicht jeder ist motiviert und immer pünktlich.“
Wenn die Arbeitsargentur das jetzt schon entschuldigt, man könnte es auch als Geh hin, wann Du willst und häng einfach ab umschreiben, wie soll dann ein junger Arbeitssuchender die Notwendigkeit einsehen?
Außerdem: Ein Hauptschulabschluss reicht vielfach nicht mehr für eine Lehrstelle aus? Vielleicht verdient die Hauptschule den Namen ja schon lange nicht mehr und der Abschluss dann erst recht nicht.
Anstatt Abschlüsse zu verschenken, die den Namen nicht mehr verdienen, sollte man vielleicht den Namen der Schulform dem Bildungsniveau der Schüler anpassen. Vor 20 Jahren war man da noch ehrlicher.
14:53
Die Zeiten haben sich nun mal geändert, doch viele junge Menschen verschliessen davor die Augen und meinen, dass das Minimal-Prinzip wie in der Schule, für das Leben gilt. Aber auf dem Arbeitsmarkt weht ein anderer Wind.
Ein Unternehmer sieht die Dinge aus seiner Sicht und anders, wie z.B. ein Mitarbeiter von der Agentur für Arbeit oder Gewerkschaft. Der Traum, dass die Betriebe des Ausbildungswillen ausbilden, ist halt nur ein Traum. Ein Azubi kostet und sollte sich zumindest zum Teil rentieren (auch wenn das ein Unternehmer Traum ist) und auch jemand sein, den man z.B. dann auch mal mit zum Kunden schicken kann und dann nach kurzer Zeit seine Tätigkeit auch schon selbstständig ausführt, ohne ständig angewiesen zu werden, was er als nächstes zu tun hätte.
Nur die wenigsten Bewerber werden aber diesem Anspruch leider gerecht. Im Grunde kann man heute als Ausbildungsbetrieb doch froh sein, wenn jemand zum Vorstellungsgespräch kommt und sich zumindest mal über die Kleiderordnung gedanken gemacht hat und einen nicht mit Ey Alder! Alles fit? begrüßt. Mal abgesehen von dem ganzen Metall im Gesicht.
Leider ist die momentane wirtschaftliche Lage nicht so, dass Unternehmer einfach mal so Geld und Personal zur Verfügung stellen können um irgendwelchen Schülern die schulischen Grundlagen (Deutsch, Mathe und Naturwissenschaften) und die beruflichen Dinge beibringen können. Irgendwelche Vorraussetzungen müssen nun mal erfüllt sein.
Ein weiteres Problem sehe ich auch darin, dass viele Schüler auch einfach nur viel Geld mit wenig Arbeit verdienen oder NUR ihren Traumberuf nachgehen wollen, ohne darauf zu achten, ob Sie die nötige Qualifiktion dafür haben.
Also ein annähern und umdenken ist notwendig - aber es wird nicht leicht werden.
Und Gesamtschulen, lösen dieses Problem auch nicht, denn es geht nicht um die Schulformen, sondern um die Qualität. Denn für ein Unternehmer ist es nicht wichtig, welche Schulform oben auf dem Zeugnis steht, sondern das was ein Schüler und zukünftiger AZUBI mitbringt und wie er sich verkauft.
11:49
Die Generation Doof will doch keiner haben !
06:12
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00:31
Ja, die jungen Leute sollen möglichst jung sein, die Bundeswehr hinter sich haben und möglichst schon Berufserfahrung haben... Ich kenn den Mist!
Die Voraussetzungen sind teilweise reichlich realitätsfern!
Auf der anderen Seite: Viele junge Leute (auch Abiturenten!) sind nicht in der Lage halbwegs vernünftig deutsch zu sprechen und zu schreiben... Damit meine ich nicht nur die ausländischen Mitbürger!