Unbezahlbar
21.04.2008 | 20:25 Uhr 2008-04-21T20:25:00+0200Häufig kommen Mieter mit alten Auflistungen ihrer Nebenkosten vorbei und legen sie Harald Bartnik, dem Geschäftsführer des Mieterschutzbundes Mülheim, auf den Tisch. 30 Mark Nebenkosten, später waren es mal 50 Euro, dann 80 – und jetzt 150 Euro und mehr.
„Die Leute sagen: Das können nicht meine Kosten sein!” berichtet Bartnik. Doch es sind ihre. Andere erzählten ihm von Guthaben, die sie stets zum Ende des Abrechnungszeitraumes hatten. Vorbei. Die Guthaben sind seit wenigen Jahren umgeschlagen in hohe Nachforderungen. Zunehmend, sagt der Geschäftsführer, kämen Mieter wegen der kräftig steigenden Nebenkosten in Bedrängnis. Selbst milde Winter wie der letzte führten nicht mehr zu Entlastungen. Erst gestern wieder saß eine komplette Hausgemeinschaft beim Mieterschutzbund und klagte über Nachforderungen von 2000 Euro. Vor allem Rentner und Witwen mit vielleicht 800 Euro Rente gerieten vermehrt in Zahlungsschwierigkeiten, so Bartnik. „Es gibt Mieter, für die sind die Nebenkosten unbezahlbar geworden.” Wo der Mieterschutzbund erkennt, dass auf Dauer diese Probleme bestehen bleiben, rät er auch zum Umzug in eine öffentlich finanzierte Altenwohnung, und zwar mit Wärmedämmung. Das sei entscheidend und könne bei den Heizkosten erheblich für Entlastung sorgen. Denn dass sich die Energiekosten weiterhin erhöhen werden, gilt als sicher. Die Belastungen steigen aber auch für Mieter durch die neue Erbengeneration. Miethäuser werden inzwischen häufig vererbt. So mancher alte Vermieter hatte aber nur Wasser und den Strom für die Allgemeinheit im Haus als Nebenkosten zusätzlich berechnet. Die neuen Eigentümer kalkulierten da genau, stellten nun auch zu Recht Heizung und Müll in die Rechnung. Glück, so Bartnik, hätten da die Mieter, die noch einen Teil-Inclusivvertrag haben, bei dem Nebenkosten mit der Miete abgedeckt sind. Daran sei nicht zu rütteln. Für Vermieter ist das fatal, und es sind etliche, die wegen dieser Altverträge aus den 60er Jahren auf den Nebenkosten sitzenbleiben, schildert Andreas Noje, Geschäftsführer des Mülheimer Haus- und Grundbesitzervereins. Doch nicht nur die Altverträge machen Vermietern zu schaffen: „Insgesamt sind die hohen Nebenkosten auch für sie ein erhebliches Problem geworden”, sagt Noje. Er verweist darauf, dass zunehmend Vermieter keine Chance sehen, an die ihnen zustehenden Nachzahlungen zu kommen und notgedrungen darauf verzichten. „Was nützt ein gerichtliches Mahnverfahren, wenn doch nichts zu holen ist?” Viele sehen denn auch in der Vermietung ein hartes Brot. Zur Modernisierung fehlt häufig das Geld. Und wer modernisiert hat, sieht in diesen Zeiten die Schwierigkeiten, Teile davon auf die Miete umzulegen. Die Freude am Vermieten, sagt Noje, schwinde.

16:18
Leider ist es so, das die Kommune nich direkt auf die Nebenkosten wie Heizung und Warmwasser einfluss nehmen kann.
Aber bei Strassenreinigungsgebühren und Müllabfuhr kann sie und langtz dann auch ungeniert zu.
21:29
nebenkostenabrechnungen werden aber auch immer undurchsichtiger...