Unabhängig und frei

Innovation - dieser Begriff zieht sich durch das Leben von Otmar Schuster. Durch sein berufliches wie durch sein ehrenamtliches Engagement. Als Unternehmer muss er innovativ sein. Denn die guten Ideen sind Wettbewerbsvorteile. Als Bürger hat er sich dafür stark gemacht, dass Menschen, die solche Ideen habe, sie auch umsetzen können. In seinem Berufsverband, vor allem aber beim Zentrum für Innovation und Technik (Zenit), dessen Vorstandsvorsitz Schuster 15 Jahre lang führte. Ein großer Netzwerker ist Schuster gewesen. Neue Kontakte sind weltweit geknüpft worden. Und das alles immer mit Blick auf das Ziel von Zenit: Den mittelständischen Mitgliedsunternehmen dabei zu helfen, sich international aufzustellen - natürlich innovativ. Vernetzung ist dabei auch ganz konkret zu verstehen: 110 Unternehmer-Treffs mit über 5000 Teilnehmern fanden in Schusters Amtszeit statt, in der Regel flankiert von einem prominenten Festredner. Beim letzten Unternehmertreffen wurde Schuster nun selbst Teil einer Festrede, wurden doch zum Abschied seine Leistungen noch einmal gewürdigt.

Natürlich hat der 73-Jährige sich darüber gefreut, doch Otmar Schuster ist nicht der Mann, der sich in so viel Lob sonnen würde. Für ihn ist klar: Am Anfang steht immer die Arbeit. „Mein Grundsatz ist immer: Ich sitze bis halb elf abends am Schreibtisch.“ Und dabei lächelt er. Arbeit ist für ihn keine Last, sie ist die Basis für Innovation. Entscheidend dabei ist allerdings: Es ist frei gewählte Arbeit. Schuster ist als selbstständiger Unternehmer sein eigener Chef im „Geo-Haus“. Und solche Arbeit in Freiheit führt zu Kreativität. Und zu Verantwortung: „Mir geht es so, wie wohl jedem Mittelständler. Tag für Tag gehe ich in Gedanken meine Kunden durch. Und dann überlege ich bei jedem Einzelnen, wie wir unser Angebot für ihn noch verbessern können. Unser Erfolg ist das Vertrauen unserer Kunden.“ Diese Gedanken macht sich Schuster gerne. Denn es sind seine Kunden. „Ich bin nicht der Mensch, der sich hinsetzt und 90 Minuten einen Film guckt. Dann werde ich unruhig.“ Ihn zieht es eher an den Schreibtisch, als auf den Kinosessel. „Wenn man einen Film sieht, dann wird einem ja auch etwas erzählt, der Zuschauer soll beeinflusst werden.“ Er steht solchen Konstellationen skeptisch gegenüber, er will gedanklich unabhängig bleiben.

Schuster ist Vermessungsingenieur. „Da denken die Leute immer an die rot-weißen Messstangen“, lacht er. Der 73-Jährige hat mit dazu beigetragen, dass man in seinem Berufsstand mittlerweile auf andere Hilfsmittel zurückgreifen kann. Er gehört zu den Pionieren der Satellitenvermessung. Am berühmten MIT an der Universität von Massachusetts hat er sich schon in den 70er Jahren Anregungen geholt und mit Spitzenforschern diskutiert. „Man hat mich auch mal gefragt, ob ich Leiter eines Instituts an einer Universität werden will. Doch ich habe abgelehnt.“ Schuster lächelt. „Wir haben in unserer Firma eine eigene Entwicklungsabteilung. Da bin ich so etwas wie ein Institutsleiter.“ Wieder eine Frage der Freiheit.

Überall in der Welt haben Schuster und seine Mitarbeiter Landschaften vermessen. Die Daten, die dort so erhoben werden, sind wichtig, bilden sie doch die Grundlage dafür, um Eigentumsverhältnisse korrekt in einem Kataster wiederzugeben. Aufträge führen nach Arabien, Asien oder in die USA. Aber auch in den fünf neuen Bundesländern waren nach der Wiedervereinigung ihre Dienste gesucht. Aktuell überquert ein Flugzeug, ausgerüstet mit einer speziellen Kamera, den Norden Griechenlands. „Dort erheben wir im Auftrag der EU die Daten für ein neues Kataster für Griechenland.“

Aber auch vor Ort hat sich Otmar Schuster immer eingebracht. Ursprünglich aus dem Rheinland stammend, ist er seit vier Jahrzehnten in Mülheim aktiv. Vor einigen Jahren wurde er auch mal als Oberbürgermeisterkandidat der CDU gehandelt. Doch Schuster winkt ab. So ein Politik-Job hätte ihn vermutlich auch in seiner Unabhängigkeit eingeschränkt. Wenn er nun auch nicht mehr aktiv bei Zenit im Vorstand ist, für die Zukunft des Mittelstandes wird sich Otmar Schuster weiterhin einsetzen. Und wer ihn sucht, findet ihn am Schreibtisch. Bis halb elf mindestens.