Ulrich Hub ist für die Mülheimer Kinder-Stücke nominiert

Foto: Ludwig Olah
Was wir bereits wissen
Ein erwachsenes Thema für Grundschüler aufbereitet: Ulrich Hub thematisiert in seinem Stück „Ein Känguru wie du“ Homosexualität.

Er war der erste Preisträger: 2010 gewann Ulrich Hub mit seinem Text „Nathans Kinder“ die erste Ausgabe des der Kinder-Stücke, die als Wettbewerb über die Bühne ging. Nun ist er mit seinem Stück „Ein Känguru wie Du“ nominiert.

Was verbinden Sie mit Mülheim an der Ruhr?

Drei Dinge. Erstens: Ich muss immer aufpassen, dass ich kein H in den Namen der Stadt schreibe. Zweitens: Aufführungen im Ringlokschuppen. Drittens: Einmal habe ich hier einen Preis gewonnen.

Wovon erzählen Sie in „Ein Känguru wie Du“?

Zwei kleine dressierte Raubkatzen haben den Verdacht, dass ihr Trainer schwul ist. Entsetzt verweigern sie den Unterricht und laufen panisch davon. „Soll die blöde Schwuchtel doch selbst durch einen brennenden Reifen springen!“ Auf ihrer Flucht begegnen sie einem boxenden Känguru, das sie bewundern, weil es stark, männlich und sportlich ist – also das genaue Gegenteil von ihrem Trainer. Aber alles kommt anders als sie gedacht haben. Viele Kinder stehen heutzutage unter enormem Leistungsdruck, müssen hohen Erwartungen gerecht werden. Auch die kleinen Raubkatzen sollen bei einem Zirkuswettbewerb den ersten Preis gewinnen. Aber im Verlauf der Geschichte merken sie, dass Freundschaft wichtiger ist als irgendwelche Auszeichnungen – und Erfolg kann man auch haben, wenn man etwas macht, das einfach nur Spaß macht.

Wie war der Entstehungsprozess des Stücks?

Das Wort „schwul“ gilt auf Schulhöfen als eines der häufigsten Schimpfworte. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Grundschulkinder wenig und nichts zu diesem Thema wissen. Gleichzeitig interessiert es sie durchaus. Sie haben nämlich jede Menge Fragen. Viele Erwachsene drücken sich um die Antworten herum – was die Neugierde der Kinder noch verstärkt. „Ein Känguru wie Du“ ist kein Aufklärungstheater, es handelt nur von einer anderen Form „menschlicher“ Beziehungen und Verhaltensweisen. Unverkrampft, kommentarlos und ohne zu moralisieren soll gezeigt werden, wie die kleinen Raubkatzen Gerüchte aufschnappen, auf Vorurteile hereinfallen und die absurdesten Spekulationen anstellen. Aber immer wieder müssen sie ihre Einstellung korrigieren, und erst nachdem sie sich ihren schlimmsten Ängsten gestellt haben, merken sie, dass die ganze Aufregung unnötig ist. Soll doch jeder sein, wie er will.

Haben Sie eine Lieblingsstelle im Text? Und verraten Sie sie uns?

„Pizza, Männchen oder Mozart“, erklärt irgendwann der Tiger. „Es ist doch egal, was man lieber mag. Hauptsache, man mag irgendwas.“

Ist unter den anderen nominierten Stücken eines, das Sie besonders interessiert oder das Sie besonders schätzen – und wenn ja, warum?

Ach, das kann ich so nicht sagen. Ich freue mich einfach, dass die kleinen Raubkatzen und das boxende Känguru in dieser Auswahl sind.