Überraschungskandidat bei der CDU

Als der CDU-Kreisvorsitzende Andreas Schmidt im vergangenen Herbst die Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl startete, warf allein Stadtdirektor Frank Steinfort seinen Hut in den Ring. Es zeigte sich aber alsbald, dass ihm als Herausforderer seiner Dienstherrin sowohl bei den Entscheidungsgremien der CDU als auch bei anderen Parteien die notwendige Unterstützung fehlte. Jetzt tritt für die CDU bei der OB-Wahl ein Rettungsschwimmer an. Bereits am Montag haben Partei- und Fraktionsvorstand, so Andreas Schmidt, Werner Oesterwind einstimmig nominiert. Ein Parteitag, auf dem der 56-Jährige gewählt werden soll, ist für Mai geplant. Er ist verheiratet, Vater einer erwachsenen Tochter, sportpolitischer Sprecher der Ratsfraktion und hütet die Kasse des Kreisverbandes.

Seit 40 Jahren in der CDU

Der gebürtige Mülheimer gilt schon seit Jahren als qualifiziert für höhere Aufgaben. Schmidt hat schon einmal ihn zum OB-Wahlkampf bewegen wollen, dann wurde er als Fraktionsvorsitzender gehandelt. Doch wer sich im Beruf voll engagieren möchte, kann daneben diesen ehrenamtlichen Fulltime-Job nicht leisten. Oesterwind ist Prokurist bei der Karstadt-Tochter LeBuffet, eine Aufgabe, die ihm großen Spaß bereitet. Bei der Warenhaus-Kette hatte er eine kaufmännische Lehre absolviert und sich im Laufe der Jahre hochgearbeitet.

Politisch ist er seit Mitte der 70er Jahre bei der CDU aktiv, gleichzeitig startete er sein Engagement für die DLRG, deren Bezirksvorsitzender er ist. Auch im Karneval ist er verwurzelt. „Er ist bekannt und beliebt“, urteilt Schmidt und spricht dem designierten Kandidaten noch eine ganz andere Qualität zu, spricht neben wirtschaftlicher auch von sozialer Kompetenz. „Er ist kein Hardliner und denkt nicht in Freund-Feind-Kategorien.“ Mit einem von Sachlichkeit und Besonnenheit geprägten Stil hofft Schmidt, auch einen großen Kreis ansprechen zu können. Schon seit Wochen laufen auch Gespräche mit FDP, Grünen und MBI darüber, mit einem gemeinsamen Kandidaten anzutreten.

Eine direkte Unterstützung erhält Oesterwind weder von den Liberalen noch von den Grünen. Steinfort dagegen hatten sie vehement abgelehnt – schon alleine wegen des Verhaltens in der Flughafenfrage. Ziel für einen gemeinsamen Kandidaten wäre, dass der Rat wieder stärker ins Zentrum rückt. Christian Mangen (FDP) spricht von einer „respektablen Persönlichkeit“ und weist auf die Erfahrung in Organisation und Controlling hin, die für das Amt des Verwaltungschefs nützlich sei. Ob die FDP ihn unterstütze, werde letztlich auf einem Parteitag geklärt. „Wo er steht, wie er handelt, wird sich in Gesprächen zeigen“, sagt Peter Loef (Grüne).

Oesterwind freut sich auf die Herausforderung, auf die er sich nach Gesprächen mit Schmidt während der Weihnachtsferien eingelassen hat. Er gibt sich selbstbewusst:„Ich kann das!“ Es passe jetzt, anders als vor ein paar Jahren, in seine Lebensplanung. „Dann habe ich genau zwei Amtsperioden.“

Durch die Niederlage beschädigt fühlt sich Frank Steinfort nicht. Bedingung für seine Kandidatur sei gewesen, dass er hundertprozentige Unterstützung aus der Partei erhalte. „Die letzten Monate haben gezeigt, dass diese Bedingung nicht eingetreten ist.“