Überleben im Alten Land

Ursula Hilberath von der Buchhandlung in Saarn. Sie empfiehlt: „Altes Land“ von Dörte Hansen.
Wortkarg und ruppig sind die Menschen, knorrig die Landschaft im Alten Land. Die reetgedeckten Bauernhäuser erzählen knarzend jahrhundertealte Geschichten. In ein solches Haus wird die Ostpreußin Hildegard Kamke mit ihrer fünfjährigen Tochter Vera 1945 als Flüchtling bei der Bäuerin Ida Eickhoff einquartiert. Als der Hoferbe Karl – körperlich und seelisch schwer versehrt – nach Jahren aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt, wird bald geheiratet, das Überleben des Hofes ist gesichert.

Der Roman begleitet das Schicksal des „Polackenkindes“ Vera, das sich mutterseelenallein im dörflichen Umfeld Respekt und Ansehen erkämpft. Erst als Jahrzehnte später ihre Nichte Anne aus Hamburg mit ihrem kleinen Sohn bei ihr Zuflucht sucht, zieht Wärme in die alten Gemäuer ein.

Dörte Hansen schreibt ergreifend, humorvoll und mit spitzer Feder. Wie sich das Alte Land in den Jahrzehnten gewandelt hat, insbesondere seit die Bioromantiker aus Hamburg wie Landplagen in ihren bei Manufactum bestellten Gutsherren-Ausrüstungen über das Alte Land herfallen, amüsiert köstlich. Ein bewegender Roman, der deutsche Nachkriegsgeschichte aus Frauensicht beschreibt.

Knaus Verlag, 19,99 Euro, übrigens auch ein Hörgenuss auf CD, gelesen von Hannelore Hoger (Random House Audio, 19,99 €).