über-LESEN

„Kontrenzier dich“ - solche Fehler passieren,, wenn man sich eben nicht konzentriert. Der Spiegel hat vor einigen Wochen diesen Fehler auf dem Titelblatt ganz bewusst gemacht, um zu beweisen, dass das Gehirn ihn automatisch korrigiert. Den meisten Lesern dürfte er deshalb auf den ersten Blick gar nicht aufgefallen sein. Sie haben ihn überlesen.

Auf Fehler gucken nicht nur Lektoren, sondern auch Lehrer. Peter Leitzen war genau das mehrere Jahrzehnte lang, bis er im letzten Jahr pensioniert wurde. Und als Philosophie-Lehrer musste der 66-Jährige auch viele Schülerarbeiten lesen. Hat er da auch manchmal Fehler überlesen? „Eigentlich nicht. Bei Texten von anderen fallen mir solche Fehler leichter auf, als wenn ich etwas selbst geschrieben habe. Denn dann weiß ich ja, was ich eigentlich sagen will und lese das auch in Gedanken - selbst wenn es gar nicht da steht.“ Seinen Schülern hat er daher immer dazu geraten, ihre Texte noch einmal genau zu studieren. Dem Nebenmann können sie bei einer Klausur schließlich nicht einfach den Text zum Gegenlesen rüberreichen. Also am besten, jeden Satz wiederholt lesen.

Leitzen ist aber auch unabhängig davon ein Wiederholungsleser. Er studiert Klassiker immer wieder gerne - und zwar nicht nur aus der Literatur. Sondern als Philosoph auch aus den Geisteswissenschaften: „Im Moment lese ich eine wichtige Studie von Sigmund Freud: ,Der Mann Moses und die monotheistische Religion’. Sie begleitet mich schon seit vielen Jahrzehnten.“