Über die Sehnsucht nach der Unordnung

Was verbinden Sie mit Mülheim an der Ruhr?

Mit der Ruhr verbinde ich sehr viel mehr als mit Mülheim. Am Ufer der Ruhr habe ich zwei Sommer verbracht, Mülheim kenne ich nur durch das Zugfenster. Aber Mülheim hat natürlich einen Klang, einen besonderen. Den hat es für alle, die Theater schreiben. Mal hören, wenn ich im Frühling zum ersten Mal aussteige.

Wovon erzählen Sie in „Dreier steht Kopf“?

In „Dreier steht Kopf“ geht es um die Reihenfolge der Zahlen, um die Ordnung der Welt, um die Macht der Gewohnheit. Es geht um die Angst vor dem Chaos, um die Sehnsucht nach Unordnung, um die Hoffnung auf ein gerechteres Leben. Ausgrenzung und Liebe, Mitspielen-Wollen und Nicht-Dürfen. Vögel stürzen in den Himmel hoch.

Wie war der Entstehungsprozess des Stücks?

Mein Sohn kam in den Kindergarten. Und ich erinnerte mich, wie die ersten Jahre meiner Tochter im Kindergarten gewesen waren – daher wollte ein Stück darüber schreiben. Über dieses Thema, das urplötzlich da ist und nie wieder geht: Drei. Ich holte François Truffauts „Jules und Jim“ aus dem Regal und schrieb los.

Haben Sie eine Lieblingsstelle im Text? Und verraten Sie sie uns?

Klar habe ich eine Lieblingsstelle im Text. Verrate ich Ihnen aber nicht. Kann ich Ihnen gar nicht verraten. Weil diese Szene gestrichen wurde. Ist weg. Gibt es nur noch in meinem Kopf. Doch in meinem Kopf spielt sie 2. Vielleicht schreibe ich sie irgendwann nochmal wieder auf.

Ist unter den anderen nominierten Stücken eines, das Sie besonders interessiert oder das Sie besonders schätzen – und wenn ja, warum?

Ich will und kann gar nicht eines der anderen nominierten Stücke hervorheben oder rausstellen. Natürlich habe ich eine Meinung, eine persönliche. Aber die ist ein Bauchgefühl – und das behalte ich lieber für mich.