Triumph einer Grande Dame

An ihrem 80. Geburtstag wird die Freilichtbühne am kommenden Wochenende gebührend gewürdigt. Durch die zahlreichen Veranstaltungen der Regler hat sich die „Grande Dame“ am Rande der Altstadt in den letzten Jahren prächtig revitalisiert. Ganz nach Regler-Manier wird’s von Freitag bis Sonntag weniger spektakulär, sondern eher familiär im engen bis stadtweiten Kreis. „Das abwechslungsreiche Programm besticht durch Einfachheit“, sagt Tom Täger. Er führt als Moderator durch den „Festakt“ am Freitag, 2. September, 19.30 Uhr.

An diesem Abend wird die Vergangenheit des seit 1936 bestehenden Freilichttheaters beleuchtet, das zu den größten Naturbühnen Deutschlands zählt und das bedeutendste seiner Art in der Rhein-Ruhr-Region ist. „An der Veranstaltung haben wir ziemlich lange gebastelt, allein die Geschichte der Freilichtbühne aufzurollen“, sagt Stephan Bevermeier.

Zu Ehren der Jubilarin geben Gratulanten am Freitag per Video-Botschaft auf der großen Leinwand ihre persönlichen Erinnerungen preis: Darunter Hartmut Traub, Bassist von „The New“, der auch über das legendäre Konzert der Band von 1972 mit Helge Schneider in ganz jungen Jahren erzählen wird. Ausschnitte des Videos, das übrigens auf Youtube zu sehen ist, werden gezeigt. Der erste Kuss, ausschweifende Partys, lauschige Stunden – daran können sich einige aus dieser Zeit erinnern.

Im Vorfeld hatten die Regler einen Aufruf unter den Bürgern gestartet. „Tatsächlich kamen einige vorbei und haben uns Fotos und alte Plakate vorbeigebracht und so manche Anekdote erzählt“, sagt Bevermeier. Kollege Peter Szabowski hat sich durch die Unterlagen im Stadtarchiv gewühlt. Und auch eine dunkle Seite des Ortes entdeckt, als zwei Wochen nach der Eröffnung 1936 dort die Nazis in einem Fackelzug aufmarschierten.

Dabei begann alles so harmonisch: An einem sommerlichen Sonntagabend, am 28. Juni 1936, wurde die Freilichtbühne mit Shakespeares „Sommernachtstraum“ feierlich eingeweiht. Als Brückenschlag zu den Anfängen wird es Samstag und Sonntag wieder einen „Sommernachtstraum“ geben – diesmal in moderner, freier Fassung und englischer Sprache. Die junge Theatertruppe „Only Connect!“ aus Bochum zeigt „A Midsummer Night’s Dream“ roadmoviemäßig als Wild-West-Performance mit Cowboys und Indianern – eine heitere Komödie passend vor Felswänden mit Schauspiel in Verbindung mit Tanz und Musik, leicht verständlich. Damit wäre dann auch die Verbindung geschaffen zu den ersten und einzigen Karl-May-Festspielen, die im Sommer 1971 über die Bühne gingen.

Fetzig-rockige Geburtstagsständchen sind von den Mülheimer Musikern Klaus Vanscheidt und Rollo Sterges zu erwarten. Und, dem Anlass entsprechend, ist mit Lichtzauber und ein bisschen Pyro-Technik zu rechnen.