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Tobias Beekmann (21) stellt den Pferdehof auf neue Beine

26.03.2016 | 09:00 Uhr
Tobias Beekmann (21) stellt den Pferdehof auf neue Beine
Lange Arbeitstage sind die Regel, morgens zwischen sieben und acht Uhr geht es los. Hier ist Tobias Beekmann mit der Reparatur eines alten Frontmähers beschäftigt.Foto: Michael Dahlke

Mülheim.  Mit 19 beerbte Beekmann seinen Vater, übernahm Verantwortung im Betrieb. Nun schließt der 21-Jährige die Reitschule „Pirouette“ und baut offene Ställe

Die Reitschule „Pirouette“ in Winkhausen, nah an der Grenze zu Essen, ist nicht nur Mülheimer Familien ein Begriff. Viele Leute kamen auch aus den Nachbarstädten, um Ponyrunden zu buchen, Kindergeburtstage zu feiern, gerne mit Heuübernachtung. In der Woche nach Ostern läuft dieses Angebot aus, am 1. April wird die Reitschule geschlossen, der Pferdebetrieb ökonomisch auf andere Beine gestellt.

Tobias Beekmann (21), der den Hof an der Hansbergstraße seit zwei Jahren leitet, will umbauen. Er plant ab 2017 offene Aktivställe und Paddocks statt beengter Boxen, möchte mehr Service rund ums Ross bieten, beispielsweise ein Solarium bauen. Er sagt: „Die Investition wird im sechsstelligen Bereich liegen, wobei wir eine Menge selber machen und viele Handwerker haben, die uns helfen.“ Schon jetzt geht der Bauernhof Beekmann über zum reinen Pensionsbetrieb, wo Pferdebesitzer ihre Tiere einstellen, versorgen lassen und dafür zahlen.

Für die Reitschule ist da kein Platz mehr. Was ihm, so vernünftig kalkuliert alles klingt, auch leid tut.

Sämtliche Ponys wurden verpachtet oder verkauft, neun bleiben hier stehen. 80 Pferde leben derzeit auf dem Hof, nur ein einziges kann Tobias Beekmann sein eigen nennen: Der einjährige Hengst „Sir Ernst“ kam unerkannt mit seiner Mutter hier an – „wir wussten gar nicht, dass die Stute trächtig war...“ Dabei ist der junge Mann gelernter Pferdewirt. Mitten im letzten Ausbildungsjahr wurde die Familie vom Tod des Vaters nach schwerer Krebserkrankung getroffen. Tobias wollte eigentlich noch eine Ausbildung zum Landwirt anschließen und dann erst den Betrieb übernehmen, der sich seit mehr als 500 Jahren im Besitz der Familie befindet. Nun stand er schon als 19-Jähriger in der Verantwortung, neben seiner Mutter. „Ich muss jetzt viele Lohnarbeiten machen lassen, die mein Vater mir noch hätte beibringen können.“ Landwirtschaft betreiben sie überhaupt nicht mehr. Zwei Angestellte arbeiten hier noch, und zwei seiner vier Geschwister wohnen mit im 300 Quadratmeter großen Bauernhaus.

Tobias Beekmann, man ahnt es, hat lange Arbeitstage, wenngleich er morgens nicht mit dem ersten Hahnenschrei anfängt, sondern zwischen sieben und acht. „Das ist die Jugend“, sagt er und grinst, „wir sind etwas fauler.“ Nachmittags sei er oft mit Büroarbeiten beschäftigt, stets mit Blick auf sein Ziel, den Stall wirtschaftlich zu betreiben: „Das Unternehmen muss grüne Zahlen schreiben“, erklärt Beekmann.

Dennoch will er nicht sein ganzes Dasein dem Familienbetrieb widmen: „Wenn man sich keine Auszeit nimmt“, weiß der 21-Jährige, „geht man schnell vor die Hunde und kommt schlecht zur Ruhe.“ Darum sieht er zu, dass er mindestens einmal pro Woche beim Fußballtraining seines Vereins SV Heißen aufläuft, Freunde trifft. „Da kann ich auch mal Frust rauslassen, wenn die Woche nicht so toll war.“

Zum Reiten aus reiner Lust und Laune findet der Pferdewirt dagegen nur selten die Zeit: „Ich bin auch eher Fußballer.“

Fünf Reitschulen gibt es noch in Mülheim

Auch andere Pferdehöfe haben den Betrieb um- oder eingestellt. Diese Reitschulen gibt es aktuell noch in Mülheim:

Im Reitclub Mülheim e.V., Schlippenweg 8, in Holthausen, werden hauptsächlich Kinder unterrichtet, aber auch Erwachsene. Info: Tel. 37 35 42, www.reitclub-muelheim.de.

Mit seinen Ponys direkt am Auberg in Selbeck liegt der Brucher Hof. Nähere Infos bei Gesa Holzner, 0173-2687522, www.brucher-hof.com.

Traditionsbetrieb in Mintard ist der Niedener Hof, Mintarder Straße 258, seit Generationen geführt von Familie Neuhaus. Infos: Tel. 487282, mobil: 0175-2711630, www.pferdebetrieb-neuhaus.de.

Auf Westernreiten für Jugendliche ab 13 und Erwachsene spezialisiert ist die Timberline Westernschool, Stooter Straße 60, in Selbeck. Laut Betreiberin Maja Deeb ist es die größte Westernreitschule in NRW. Weitere Info: 0170-5806954, www.timberline-westernschool.de.

Unterricht für Kinder wie Erwachsene, auf Ponys und Großpferden, bietet auch der Reitstall Lugge im Hexbachtal, Gänseweg 80, Infos: Tel. 71498, 0171-6496880, www.reitstall-lugge.de. Dass es nur noch so wenige Reitschulen gibt, ist für Betreiber Hans Lugge „im Grunde eine Katastrophe, denn wir müssen uns um den Nachwuchs kümmern“. Man dürfe nicht nur auf Einsteller Rücksicht nehmen. Auf ihrem Hof funktioniere alles sehr gut nebeneinander.

Annette Lehmann

Kommentare
29.03.2016
08:12
Tobias Beekmann (21) stellt den Pferdehof auf neue Beine
von scots | #1

Werte Frau Lehmann, ein Unternehmen muss schwarze Zahlen schreiben, nicht grüne. Das war wohl ein Eierlikör zu viel.

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2016-03-26 09:00
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