Theaterlandschaften Südeuropa im Theater an der Ruhr

“Die Schwestern Macaluso“ von Emma Dante ist amMittwoch, 29. April, zu sehen. Das Stück in italienischer Sprache beginnt um 19.30 Uhr.
“Die Schwestern Macaluso“ von Emma Dante ist amMittwoch, 29. April, zu sehen. Das Stück in italienischer Sprache beginnt um 19.30 Uhr.
Foto: Carmine Maringol
Was wir bereits wissen
Flüchtlinge stehen im Fokus des Festivals Theaterlandschaften Südeuropa, das nächsten Samstag im Theater an der Ruhr beginnt.

Mülheim.. Gastspiele aus Europa und anderen Ländern gehören seit jeher zum Alltag im Theater an der Ruhr. Nun widmet sich das Programm des Festivals Theaterlandschaften Südeuropa vom 25. bis 30. April mit fünf Aufführungen von vier Ensembles den politischen und gesellschaftlichen Problemen der Region. Ein Schwerpunkt ist die Flüchtlingsproblematik, die durch die jüngsten Bootsunglücke eine schreckliche Aktualität hat. Die Produktionen aus Griechenland, Spanien und Italien thematisieren die Schuldenkrise und Migration.

Den Auftakt macht am Samstag, 25. April, die Athener Blindspot Theatre Company mit ihrem „konzentrierten Kammerspiel“ X-Tokyo, so Mareike Theile vom Theater an der Ruhr. Das Stück sei ein Vexierspiel für den Zuschauer. Und obwohl sich Einiges zum Schluss kläre, blieben Fragen zum Kapital, zu den Finanzen, zur ökonomischen Parallelgesellschaft offen. „Das Ensemble mit sehr starken Schauspielern ist sehr experimentierfreudig“, ergänzt Helmut Schäfer, künstlerischer Leiter des Theaters. Das Publikum wohne einem Verhör hinter einer Glasscheibe bei – eine bedrückende Situation werde geschaffen.

Aufführung der jungen Compania La Incréible

Am Montag, 27. April, folgt die Aufführung der jungen Compania La Incréible. „Eine lebendige, spielerische Arbeit, die aus der Improvisation ihren eigenen Atem findet“, beschreibt Schäfer. Das Stück greife das wahre Flüchtlingsschicksal einer somalischen Läuferin auf, die tragisch bei einem Rettungsversuch ums Leben kam.

Am Mittwoch, 29. April, folgt die Aufführung der Regisseurin Emma Dante. „Ein kleines Wunder, dass es uns gelungen ist, sie einzuladen“, freut sich Rolf Behmke vom Theater. „Eine der wichtigsten Theatermacherinnen der Gegenwart,“ so Behmke, sei die Sizilianerin, die bereits an der Mailänder Scala „Carmen“ inszeniert habe. Das Ensemble erzählt die Geschichte von sieben Schwestern aus armen Verhältnissen und lässt in einer Collage Szenen aus Leben und Tod miteinander verschmelzen. „Die Schwestern Macaluso“, so Emma Dante über ihr Stück, „sind ein Vogelschwarm, der an der eigenen und fremden Begräbnisfeiern teilnimmt.“

Schließlich enden die südeuropäischen Theatertage am Donnerstag, 30. April, mit der Aufführung „Wassergeräusch“ des Regisseurs Marco Martinelli. Das Bühnen-Ergebnis seiner Recherchen in italienischen Auffanglagern handelt von einem „diabolischen“ Offizier, der als Zeuge der Flüchtlingstragödie zu einem Chronisten wird. „Das Stück ist eine scharfe Abrechnung, wie sich Europa zu dem Problem der Migration, der Boat People verhält“, bringt Helmut Schäfer das Thema auf den Punkt.