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Theater-Premiere in "Schlimm-City"

18.09.2011 | 18:52 Uhr
Theater-Premiere in "Schlimm-City"
Foto: Ruth Raembitschl

„Im Westen geht die Sonne auf“ – mitten in „Schlimm-City“. Verkehrte Welten? Nein, vielleicht ein Spiel mit Widersinn und Widrigkeiten. Zum einen handelt es sich dabei um die gemeinsame Spielzeiteröffnung von Theater an der Ruhr, dem Theater Oberhausen und dem Ringlokschuppen, wobei die Betonung auf „gemeinsam“ liegt. Im Vor-Stadt-Theater von „Schlimm City“ eröffnete der Ringlokschuppen am Wochenende die Theater-Saison.

Dort traf man auf verkehrte Welten, auf unechtes Leben, abgestorbene Gefühle und die Angst vor Abstoßung als lebenslange Gefahr. Auf der Folie des alten Stummfilmes „Orlac Hand Out“, bei dem ein Pianist die Hände verliert und dafür die eines gerade exekutierten Mörders bekommt, bringt das Berliner Theaterkollektiv „copy & waste“ einen Streifen auf die Bühne, der es in sich hat. Janna Horstmann, Steffen Klewar und Anna Rot spüren den Prothesen unserer Zeit nach. Rasant und mit allen Mitteln der Kunst.

Es kracht, donnert, scheppert. Mit Sätzen wie aus Schusswaffen, die sich im Salto noch überschlagen, sezieren sie eher das „Nichtsein“ in einer globalisierten Welt. Drei Schauspieler, die rennen und reden, bis sie im grellen Blitzlichtgewitter plötzlich in ihren Bewegungen einfrieren. Dazu Videos und Toneinblendungen und ein giftgrüner Laser.

Die geballte Ladung bekommt der Zuschauer fix um die Ohren und Augen gehauen. Das alles nicht zuletzt, um die Überfrachtung mit Medien und Meinungen, den Schönheitswahn und die Perfektionswut, die Überforderung der multiplen Persönlichkeit über die Schmerzgrenze hinweg weiterzudrehen. Ja, auf der Suche nach dem Leben darf es schon ein bisschen weh tun, darf es makaber-grotesk und in manchen Momenten auch wieder lustig sein. Sie alle sind Darsteller ihrer Zeit, Beauty- und Schmerz-Junkies, die bluten müssen. Getrieben vom schönen Schein, vom Diktat des Geldes und der Geltungssucht hetzen sie über die Bühne. Herhalten müssen alle möglichen Prothesen – von künstlichen Händen und amputierten Gliedern über allerhand „Fertigbauteile“ aus der plastischen Chirurgie bis zur Briefbombe und zum Bio-Terrorismus. So atemlos und intensiv wie die Szenen gibt es auch entspannte Momente: Wunderbar hauchen „copy & waste“ alt-bekannten Liedern eine neue Melodie ein. Zur Ruhe kommen. „Kann das Leben irgendwann mal mehr sein als unecht?“ Einfach mal was liegen lassen – vielleicht das Bein im Tiefkühlfach.

Margitta Ulbricht

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