Theater macht auch hungrig

Theater kann alles. Ein wichtiger Satz, der schon gleich zu Beginn des Stücke-Festivals fällt. Gesprochen von einer Schauspielerin im Publikumsgespräch. Denn er unterstreicht, warum diese Theatertage tatsächlich besondere Tage sind. Theater kann nämlich tatsächlich alles - da können zum Beispiel Frauen Männer spielen, so wie im Eröffnungsstück. Wobei dies noch eher eine der unspektakulären Möglichkeiten ist, die denkbar sind. Denkbar ist nämlich alles.

Und das macht Mut. Eine Inszenierung will natürlich immer auf das Publikum wirken. Früher sahen viele im Theater eine moralische Lehranstalt, heute ist der pädagogische Zeigefinger eher verpönt. Aber auch Wolfram Lotz, der Autor des Eröffnungsstückes, hofft auf eine Wirkung, eine andere allerdings. Der Zuschauer solle am Ende des Stückes neue Energie haben, selber Antworten auf die Fragen zu finden, die gerade auf der Bühne verhandelt worden sind. Theater kann alles und ich kann auch etwas.

Diese Fragen wurden auch alle im Publikumsgespräch verhandelt. Und als das dann zu Ende war, strömten denn gleich einige Teilnehmer an das Buffet und bedienten sich, obwohl es noch gar nicht eröffnet worden war. War das jetzt eine Verbeugung vor Brecht? Erst kommt das Fressen, dann die Moral? Nein, Theater kann eben alles. Auch hungrig machen.