Teil eines großen Ganzen

Foto: WAZ FotoPool

Ein „Pixelprojekt“ der besonderen Art erwartet die Besucher bei der neuen Ausstellung im Kunstmuseum. Für das „Hauptwerk“ hat Schwarmkünstler Olaf Neumann 15 000 klitzekleine Porträts zu einem großen Ganzen zusammengefügt – als digitales Abbild der Alten Post. Doch die Hauptakteure seiner Schwarmkunst sind die Menschen selbst.

Angefangen hat alles vor einem halben Jahr beim Sommerfest zum 20-jährigen Bestehen des Kunstmuseums in der Alten Post: Für das Mülheimer Schwarmkunstwerk war jeder Besucher aufgerufen, sich vor seinem Lieblingsbild aus der Sammlung in Szene zu setzen. Der bunte Kunststoffhund durfte dabei nicht fehlen, denn der „Dogtari“ ist Neumanns Pseudonym, Markenzeichen und visuelle Signatur zugleich. Bekannt ist er als Comiczeichner, Cartoonist und Blogger, der erfolgreich und interaktiv Kunst und Menschen vernetzt – via Facebook und Co., aber auch hautnah. Die sogenannte „Schwarmkunst“ hat durch die virtuelle Welt richtig Auftrieb bekommen. Aber auch ganz real schaffte es Neumann, einen Schwarm von Menschen für seine Kunst zu gewinnen. Oder eher Kunst, die Menschen aktiviert, mitzumachen, selbst kreativ zu werden. „Ein Museum lebt durch die Beziehung der Menschen zur Kunst“, so Museumsleiterin Dr. Beate Reese. So sei das Projekt auch eine schöne Einführung in die Sammlung. Mit dem bunten Hund in der Hand ließen sich rund 60 Projektteilnehmer nicht nur vor einem Werk ihrer Wahl ablichten, sondern sie entwickelten kleine Geschichten und Gesten, wie sie sich positionierten. Da war die Frau mit dem Zopf, die sich das Bild „Maria mit den offenen Haaren“ von Dorothee Golz ausgesucht hat. „Sie hat sich davorgestellt, den Zopf gelöst und von hinten fotografieren lassen“, sagt Neumann. Um sich zu inspirieren, erzählt Neumann, habe ein junger Mann sogar gebellt: Der Hund sollte die Marabus auf dem Nolde-Bild anbellen. Entsprechend grimmig guckt der Mann. In einem zweiten Schritt setzte Neumann die Einzelporträts in Pastellzeichnungen um, die dem Foto täuschend echt sind – fein bis in die Haarspitzen. Auf diese Weise sind neue Formationen von Bildern in Bildern entstanden. Gleich mehrere Ebenen hat er mit seiner Schwarmkunst verknüpft.

Dabei stand Olaf Neumann nicht nur vor der Herausforderung, die Person zu treffen, komplizierte Muster und Formen zu zeichnen, sondern er musste auch den komplexen Stil der unterschiedlichen Künstler der Bilder kopieren,die sich die Teilnehmer aussuchten.

Fotos und Pastelle können erworben werden. Als kleines Dankeschön, sein Projekt „Menschen und Kunst“ in Mülheim perfektionieren zu können, so Neumann, soll die Hälfte des Verkaufserlöses in die Stiftung für das Kunstmuseum fließen.