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Interview

Superstar-Gewinnerin Elli Erl - „Man sollte immer einen Plan B haben“

05.09.2012 | 17:41 Uhr
Elli Erl liest am 24. September 2012 im Café Vienna.Foto: Bernd Lauter

Mülheim.   Elli Erl, Gewinnerin der zweiten Staffel von Deutschland sucht den Superstar, unterrichtet heute in Düsseldorf Musik, Sport und Englisch. Im Interview spricht sie über heutige Castingsshows, ihren Beruf als Lehrerin und warum künftige Kandidaten immer einen Plan B haben sollten.

Elli (Elisabeth) Erl gewann 2004 die zweite Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“. Heute ist die 33-jährige Lehrerin an einer Düsseldorfer Realschule. Die knallroten Haare sind runter wie der ganze Starrummel, aber Elli ist nach wie vor fröhlich und gut drauf.

Von Casting-Shows lassen sich Kinder und Jugendliche immer mehr anstecken. Die schrille Werbung dafür läuft auf allen Kanälen. Sind es zu viele Shows?

Mit „The Voice of Germany“ ist ja mal eine gute Sache dazwischen. Aber insgesamt finde ich es zu viel. Man kann ja gar keine Einzelsendung mehr so richtig ernst nehmen, geschweige denn weiterverfolgen, weil es einfach zu viele Casting-Shows geworden sind.

Es ist ja schon ein paar Jahre her, als Sie dabei waren. Hat sich der Druck verschärft?

Natürlich war das damals auch kein Kindergeburtstag. Das war ganz schön anstrengend, da musste man morgens schon früh raus, üben, machen und tun. Aber ich habe das als ein Riesen-Abenteuer gesehen und fand es wahnsinnig spannend. Aber ich schätze schon, dass die Macher jetzt noch mehr der Daumen drauf haben und einwirken wollen auf diverse Geschichten und auch aufs Privatleben der Kandidaten. Ich glaube schon, dass es schwieriger geworden ist. Man sollte es sehr mit Vorsicht genießen. Und ich habe auch das Gefühl, dass die Kandidaten immer jünger werden.

Gecastet - und vergessen?

Würden Sie noch mal mitmachen?

So, wie die Shows jetzt sind, würde ich nicht noch mal mitmachen. Auf gar keinen Fall. Ich würde mich auch nicht im Bikini auf den Malediven vor Dieter Bohlen stellen wollen. Ich hatte eine Anfrage für die erste Staffel von „The Voice of Germany“ bekommen, aber das habe ich abgesagt, weil ich einfach keinen Sinn darin gesehen habe, das noch mal zu machen. Und ich bin mit meinem Beruf, diese Mischung aus Lehrerdasein und Musik machen an den Wochenenden und in den Ferien, sehr glücklich. Es ist perfekt so wie es ist.

Wie wird man mit diesem plötzlichen Aufstieg fertig?

Das Wichtigste ist, dass man ein gutes Umfeld hat, was bei mir zum Glück gegeben ist. Ich habe eine Familie, Freunde und einen guten Kreis um mich herum, die mich aufgefangen haben, wenn ich mal kurz davor war, abzuheben. Was ja ganz normal ist, wenn man plötzlich von allen erkannt und gehyped wird. Von heute auf morgen.

Und von heute auf morgen auch wieder vergessen?

Ja, auch das geht sehr schnell. Das Gute bei mir war, dass ich mein Studium abgeschlossen hatte. Und ich hatte auch immer einen sehr sinnvollen Plan B. Meinen Plan A mit der Musik habe ich erst mal sechs Jahre lang durchgezogen, aber immer in diesem Wissen, wenn es nicht mehr läuft oder ich keinen Bock mehr darauf habe, habe ich immer noch die Möglichkeit, etwas anderes zu machen, was mir mindestens genau so viel Spaß macht. Und deswegen würde ich auch allen Kandidaten empfehlen, nie die Schule, eine Lehrstelle, oder ein Studium aufzugeben.

Sie stehen ja heute als Lehrerin vor Kindern und Jugendlichen. Was sagen Sie denen, die ganz heiß darauf sind, bei solchen Shows mitzumachen?

Anfangs wurde ich ganz extrem gelöchert. Mittlerweile bin ich die Frau Erl, die Musik, Sport und Englisch unterrichtet. Ich würde ihnen nicht dazu raten mitzumachen, nicht, wenn sie noch sehr jung sind. Ich sage dann, stellt euch lieber erst mal ein paar Jahre auf die Bühne, spielt in einer Band oder fangt erst mal in der Aula der Schule an, ein Lied zu singen, bevor ihr euch auf solch eine große Bühne traut. Diesem Druck standzuhalten, besonders, wenn man sehr jung ist, stelle ich mir sehr schwierig vor. Ich war damals ja immerhin schon 25.

Möchten Sie diese Erfahrung missen?

Nein, das war einfach super, das war eine Riesensache in meinem Leben. Und ich profitiere auch noch weiter davon. Sonst hätte ich nie das Buch geschrieben. Ich bin immer noch dabei, Musik zu machen, Auftritte zu spielen und werde gebucht.

Einen Blick in ihr Leben während und nach „Deutschland sucht den Superstar“ gibt Elli Erl in der Autobiografie „Gecastet“, die im Mülheimer Verlag an der Ruhr erschienen ist.

Am Montag, 24. September, 18.30 Uhr, liest Elli Erl im Café Vienna am Dickswall 2a aus ihrem Buch und gibt ein kleines Akustik-Konzert. Tickets (5 €) im Café Vienna.

 

Margitta Ulbricht


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