Sturmtief fordert Schwerverletzten

Verwehte Gartenmöbel, umgestürzte Bauzäune, lose Dachziegel, fliegende Mülltonnen und die eine oder andere Dixi-Toilette auf der Fahrbahn: Sturm „Niklas“ ließ am Dienstag nichts an Ort und Stelle stehen, was nicht niet- und nagelfest war. Auf der Duisburger Straße wurde ein Fußgänger am Vormittag von einem gelösten Baustellenschild am Kopf getroffen und dabei schwer verletzt. Er kam ins Krankenhaus. Ein Baum krachte später in der Wilhelminenstraße in Broich auf ein geparktes Auto.

Gegen Mittag fühlten sich manche Passanten in der Innenstadt „wie an der Nordsee“: blauer Himmel und eine ziemlich steife Brise. „In Böen orkanartiger Wind aus westlicher Richtung“ hatte der Wetterbericht angekündigt. Kopfbedeckungen und Schals mussten gut festgehalten werden.

War es in der Nacht noch einigermaßen ruhig auf der Leitstelle, so nahm die Zahl der Einsätze für die Mülheimer Feuerwehr am frühen Morgen erheblich zu. Die ersten Bäume mussten entsorgt werden, die der Wind umgestürzt hatte: So etwa an der Mühlenbergheide oder an der Straße „Am großen Berg“, wo gekippte Bäume die Fahrbahn blockierten – oder zu blockieren drohten. Auch an der Marktstraße in Styrum war ein Baum umgefallen, wie auch an der Möllhofstraße. Bis zum frühen Abend hatte die Feuerwehr mit fast 30 Einsätzen alle Hände voll zu tun, bei „konstanter Sturmwetterlage mit 50 bis 90 km/h“. Zwei Feuer-Fehlalarme hielten die Einsatzkräfte zusätzlich auf Trab.

Die Polizei wurde häufig zu Gefahrenstellen im Straßenverkehr gerufen. „Einen umgekippten Zaun räumen wir im Rahmen einer Streifenfahrt selbst weg“, so ein Polizeisprecher, größere Hindernisse sind jedoch ein Fall für die Feuerwehr, die dann mit schwerem Gerät anrückt. Etwa an der Monningstraße: Es drohte gegen Abend eine 25 m hohe Pappel auf ein Wohnhaus zu stürzen. Die Feuerwehr ließ das Haus räumen und beschnitt den Baum per Drehleiter.

Am Hauptbahnhof ging nichts mehr: „Der Zugbetrieb ist eingestellt“ zeigten auf leer gefegten Bahnsteigen alle Anzeigetafeln, mit Ausweichmöglichkeiten über den Nahverkehr. Das dürfte den Reisenden im Eurocity von Hamburg über Dortmund/Mannheim bis in die Schweiz kaum geholfen haben, der in Mülheim auf Gleis 6 Zwangspause machen musste. Der Lokführer, der erst in Dortmund seinen Dienst angetreten hatte, hielt allein die Stellung in seinem 310 Meter langen Zug. Weit hat er es zum Feierabend nicht. Er wohnt in Bochum. Seine Fahrgäste mussten den Zug schon kurz vor 9 Uhr verlassen. Da hätte der Eurocity schon in Köln sein müssen, aber die Oberleitungsschäden bei Duisburg-Großenbaum machten ein Weiterfahren unmöglich. Gegen 13.30 Uhr rollte plötzlich doch noch eine S-Bahn ein. „Wo die Strecke frei ist, fährt auch schon mal ein Zug hin und her“, sagte ein Bahnsprecher und sprach von einzelnen Pendelfahrten. Gegen 18 Uhr wurde die Komplettsperrung aufgehoben. Die Stadt mahnt zur Vorsicht: Den Wald sollte man bei solchen Windverhältnissen nicht betreten.Es lauern Gefahren durch angebrochene Äste.