Stufentherapie fürs Herz

Foto: Michael Dahlke

Herztherapie ist Teamarbeit, und sie erfordert immer mehr Spezialisten. Das Contilia-Herzzentrum bündelt dieses Wissen und führt den Patienten zu den Experten, die er gerade braucht. Das kann im Marien-Hospital, im Elisabeth-Krankenhaus, im St. Josef-Hospital Kupferdreh oder im Herzzentrum am Elisabeth-Krankenhaus sein, wo die Herzchirurgie sitzt — die höchste Stufe der Therapie.

Die Methoden in der Herzmedizin haben heute viel mit High-Tech zu tun. Oft steckt eine winzige, filigrane Technik dahinter, die die Anfänge des Herzkatheters wie Steinzeit wirken lässt. Dabei ist das, wie der Kardiologe Dr. Thomas Schmitz beim WAZ-Medizinforum ausführt, noch gar nicht so lange her – 85 Jahre. Die ersten Metallstents wurden Mitte der 80er in die Herzgefäße gesetzt, noch ohne Medikamentenzusatz, der folgte 1998. Inzwischen, so Schmitz, gebe es Stents aus Milchsäure, sie sich mit der Zeit komplett auflösten.

Ob es immer ein Katheter sein muss, entscheidet sich weit vorher. Das Belastungs-EGK klärt einiges, lasse aber auch vieles im Unklaren, wie Prof. Heinrich Wieneke sagt. Die Computertomographie zeige dagegen Verkalkungen der Gefäße an, „was aber nicht gleich eine Verengung bedeutet“. Die Magnetresonanztomographie, ein Schnittbildverfahren, stellt mit hoher Treffsicherheit Verengungen oder Narbenbildungen am Herzen dar.

Längst nicht jede Veränderung ist gefährlich. Kalkablagerungen hat fast jeder, Rhythmusstörungen hin und wieder auch. Kein Wunder bei einer Maschine, die am Tag 120 000 mal schlägt. Zehn Prozent der über 70-Jährigen, so Dr. Anja Dorszewski, habe ein Vorhofflimmern, was an sich auch nicht gefährlich sei, aber die Gefahr mit sich bringe, dass sich Blutgerinsel bilden und lösen, was zu einem Schlaganfall führen könnte. Blutverdünnung ist ein Gegenmittel. Das Herz steht immer unter Strom, und wenn dieser zu unangenehmen Rhythmusstörungen führt, können auch Herzmuskelzellen verödet werden. Der Strom kann dort, wo man ihn nicht braucht und will, schlicht abgeschaltet werden.

Die Behandlung von Herzproblemen erfolgt nach einem Stufenplan, wie der Herzchirurg Prof. Dr. Markus Kamler ausführt: Mit der Umstellung der Lebensweise, dem Abnehmen fängt es erst einmal an. Vieles lasse sich dadurch zum Besseren führen. Erste Medikamente, etwa zur Entwässerung, folgen. Dann kommen B-Blocker. Die Ballon-Dilatation und die Verlegung von Bypässen werden bei starken Verengungen erforderlich. Auch das reiche dann häufig immer noch nicht, um jede Herzschwäche zu beheben. Dann stehen technische Herz-Unterstützungssysteme, die im Rucksack getragen werden können, zur Verfügung oder Kunstherzen, 145 Gramm schwer, die zur Unterstützung eingepflanzt werden.

Das Beste, sagt Kamler, sei bei schweren Schädigungen immer noch die Transplantation. Doch die Schere zwischen den Patienten, die auf ein Spenderorgan warten, und den zur Verfügung stehenden Organen gehe immer weiter auseinander.

Das beste Medikament, wenn es eines wäre, ist auch für Herz und Gefäße der Sport – und das von Kindheit an, betont Dr. Oliver Bruder. Dazu gilt: Vermeiden Sie jedes Übergewicht ! Fünfmal 30 Minuten Sport in der Woche und zugleich immer dort Bewegung im Alltag einbauen, wo es möglich ist, sei die beste Prävention – schmerz- und kostenlos.

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