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Studenten sollen den Lehrermangel an Mülheimer Schulen auffangen

06.09.2011 | 18:00 Uhr
Studenten sollen den Lehrermangel an Mülheimer Schulen auffangen
Schule hat angefangen - doch noch fehlen viele Lehrer an Mülheimer Schulen: Es gibt mehr Stellen als Lehrer. Bild: Stephan Glagla

Mülheim.   Die Schule beginnt, doch noch sind nicht alle Lehrer da. Oder besser: Noch sind nicht alle Stellen besetzt. Um dem Lehrermangel entgegenzuwirken, werden an Mülheimer Schulen höhersemestrige Studenten eingesetzt. Gespart wird an Zusatzangeboten.

Studenten müssen Lehrer ersetzen. Zum Schulstart sind längst nicht alle weiterführenden Mülheimer Schulen optimal besetzt. Vor allem in den Naturwissenschaften und in Englisch gibt es derzeit mehr Stellen als Lehrer.

Werner Andorfer ist Schulleiter an der Karl-Ziegler-Schule . 66 Lehrer und sieben Referendare sind dort für fast 950 Schüler verantwortlich. Zu wenig? „Leider konnten wir eine Stelle nicht besetzten. Als Ersatz setzen wir Studenten aus höheren Semestern als Teilzeitkräfte ein“, sagt Andorfer, „so muss kein wesentlicher Unterricht ausfallen.“ Er geht davon aus, dass bis zum Halbjahreswechsel im Februar die freie Stelle besetzt wird. Dann dürfen die Schulen wieder neu einstellen.

Mehr Stellen als Lehrer

An der Willy-Brandt-Schule ist die Situation ähnlich: Zwar fehlen eigentlich keine Lehrer – doch drei langfristige Ausfälle müssen kompensiert werden. Als Ersatz stellte Schulleiter Behrend Heeren ebenfalls Studenten ein. „Es gibt mehr Stellen als Lehrer. Besonders Naturwissenschaftler sind kaum zu bekommen“, erklärt der Schulleiter.

Sind Studenten überhaupt in der Lage, qualitativ gut zu unterrichten? Jennifer Spitzer, Pressesprecherin der Bezirksregierung, meint ja: „Sonst würden wir das nicht machen. Die Erfahrungen in den letzten Jahren waren positiv.“ Auch Werner Andorfer ist von der Qualität überzeugt: „Wir prüfen vorher genau, ob die Bewerber geeignet sind.“

Weniger Sport

Die Luisenschule muss nicht auf Studenten zurückgreifen. Dennoch sind nur 98 Prozent der Stellen verteilt. Gekürzt wird im Sportunterricht. „Das wäre aber ohnehin nötig gewesen, da die Halle saniert wird“, erklärt Schulleiter Bernd Troost. Zum zweiten Halbjahr hin möchte er nachbessern und Lehrer einstellen.

Am Gymnasium Heißen wurde erst am Montag der letzte von insgesamt fünf neuen Lehrern eingestellt. „Jetzt sieht es ganz gut aus“, sagt Schulleiterin Marion Krallmann. „Ob es Kürzungen gibt, kann ich noch nicht sagen.“ Das Otto-Pankok-Gymnasium ist komplett besetzt.Das gilt auch für die Realschule Mellinghofer.

Gebhard Luerig – Schulleiter der Realschule Stadtmitte – erlebte eine eigentlich positive Überraschung: „Wir haben 17 Schüler mehr als erwartet. Deshalb fehlt uns fast eine volle Stelle. Trotzdem gibt es keine Unterrichtskürzungen.“ Die Realschule Broich hat ebenfalls mit der Lehrerbesetzung zu kämpfen. Schulleiter Wolfgang Dahmen beklagt: „Uns fehlt insgesamt eine volle Stelle. Betroffen sind die Naturwissenschaften und Englisch.“

Gespart wird an den Zusatzangeboten

Damit dennoch kein Unterricht gekürzt wird, leiden in Broich die Zusatzangebote: Die Italienisch-, Sport- und Kunst-AG fallen im ersten Halbjahr aus. Bei den Nachbarn des Broicher Gymnasiums sieht es deutlich besser aus: Es wurden vier neue Lehrer eingestellt, Unterrichtskürzungen sind kein Thema. Ganz im Gegenteil. „Wir können verstärkt Förderunterricht anbieten“, sagt Rektor Ralf Metzing und fügt hinzu: „Die Situation ist zum ersten Mal so positiv!“

Die beiden Berufskollegs an der Lehnerstraße und in der Stadtmitte sind mit ihrer Personaldecke zufrieden. „Wir spüren die Entlastung am Ausbildungsmarkt. Unser Kollegium reicht daher aus“, sagt Uwe Metscher, Schulleiter der Lehnerstraßen-Schule. Auch in der Stadtmitte gebe es keinen gravierenden Mangel, meint Rektor Jörg Brodka. Ganz sicher kann er sich dabei nicht sein. Brodka erklärt den Grund dafür: „Viele brechen früh ihre Ausbildung ab und kommen später an die Schule. Andersherum finden einige noch kurzfristig einen Ausbildungsplatz und sagen der Schule ab.“

Robin Kunte

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Kommentare
06.09.2011
19:15
Studenten sollen den Lehrermangel an Mülheimer Schulen auffangen
von bonzoldino | #1

Das ist nichts ungewöhnliches an Schulen. Ich kenne es aus der SEK II, dort habe ich noch im GRUNDSTUDIUM an einer berufsbildenden Schule unterrichtet. Eine Eignungsprüfung wie hier beschrieben gab es dort nicht. Nach meinem Praktikum dort, wurde ich angesprochen ob ich nicht als Lehrer in Anstellung anfangen möchte. Da sagt kein Student nein. Die Bezahlung ist unschlagbar auch wenn es viel Aufwand bedeutet. Die Qualität des Unterrichts kommt natürlich nicht an einen staatlich examinierten Lehrer ran, aber die Motivation für einen jungen Studenten ist enorm.

Viel schlimmer ist es, wie das Land NRW mit seinen jungen Nachwuchskräften umgeht. Ab Oktober diesen Jahres werden alle Diplomstudenten (Handelslehrer,z.B. aus Duisburg) nicht mehr für das Referendariat zugelassen! GRUND: Es war zwar jahrelang zulässig seinen Abschluss Dipl.Hdl. als 1. Staatsexamen anerkennen zu lassen, aber weil die (europaweit vergleichbaren) BA/MA-Studiengänge eingeführt wurden hat das Schulministerium vor Jahren die Aussperrfrist des 1. Oktober ausgesetzt. Hier gab es FEHLER in der Korrespondenz zum Wissenschaftsministerium, denn die haben noch Jahre später den Studiengang Wipäd in Duisburg zugelassen. Die FOLGE: Hunderte Studenten könnten zwar eigentlich in den nächsten 2-3 Jahren in den Schuldienst des SEK II in NRW einsteigen, aber da man diese unsinnige Klausel aufgestellt hat vergrault man sich die (heißbegehrten) Lehrer.
Das beste daran ist: ALLE Bundesländer außer NRW erkennen das Diplom weiterhin als Erstes Staatsexamen an. Somit bildet NRW die Lehrer für seine Nachbarländer aus!! Die sagen: Danke schön!

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