Studenten kehren zurück zum Analogen

Die Studierenden der Folkwang Uni der Künste eröffnen am Sonntag eine Wechselausstellung in der Camera Obscura.
Die Studierenden der Folkwang Uni der Künste eröffnen am Sonntag eine Wechselausstellung in der Camera Obscura.
Foto: Michael Dahlke
Was wir bereits wissen
22 Studenten der Essener Folkwang Universität der Künste zeigen ihre Arbeiten mit der Lochkamera. „Das Bild aus dem Karton“ ist ab 1. Februar in der Camera Obscura zu sehen.

Mülheim.. Eine Kamera steckt nicht nur im Handy, vielmehr lässt sie sich aus allen möglichen Materialien basteln: Dosen, Schuhkartons, Farbeimern oder Streichholzschachteln. Zumindest in der analogen Variante. 22 Studierende der Essener Folkwang Uni der Künste haben es ausprobiert – und mit ihren selbstgebauten Lochkameras eigene Motive geschaffen. Ihre Arbeiten sind nun in einer Ausstellung unter dem Titel „Das Bild aus dem Karton“ ab dem 1. Februar in der Camera Obscura zu sehen.

Während viele mit dem Smartphone ein „Selfie“ nach dem anderen schießen, hat sich Johanna Senger an der analogen Selbstporträt-Variante ausprobiert. Aus einem Pappkarton baute sie eine Lochkamera. „Innen ist die Kiste dunkel, dann wird ein Loch hineingeschnitten und mit Folie überklebt“, erklärt die Studentin im ersten Semester. In diese Folie hat sie ein kleines Loch gestochen, das sich mit einer Klappe von Außen zudecken lässt. „Auf der gegenüberliegenden Seite wird im Inneren das Fotopapier aufgeklebt.“

"Kooperation mit der Universität ist wichtig"

Acht Minuten hat sie für die Belichtung gewählt, sich unbewegt vor die Kamera gestellt. Herausgekommen ist eine Schwarz-Weiß-Aufnahme von Johanna mit teils verschwommenen Elementen. Ohnehin: alle Bilder tragen eine individuelle Handschrift. „Es ist ein bewussteres Fotografieren“, findet Johanna. Und das Ergebnis enthält auch immer eine unbekannte Konstante, weiß Kommilitone Tillmann Betz. „Das ist das Spannende an der Arbeit mit der Lochkamera.“ Er hat einen Parkplatz vor der Uni als Motiv und eine Belichtungszeit von 60 Minuten gewählt. „Alles, was sich während dieser Zeit auf dem Parkplatz bewegt hat, bleibt unsichtbar.“ Seine Aufnahme ist neben der eines Studenten aus dem Jahr 1984 platziert – mit demselben Motiv.

„Es geht darum, das Verständnis für die analoge Fotografie zu schärfen und das Wissen um die Technik zu bewahren“, erklärt Gisela Bullacher, Professorin der Fotografie, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Dozent Peter Lütkemeyer die Studierenden bei der Ausstellungsplanung unterstützt.

In jedem ersten Semester steht daher die analoge Fotografie und das Experimentieren mit ihr auf dem Plan. „Dabei ist am Anfang das Fotografieren oft mit Scheitern verbunden.“ Schließlich gilt es, die richtigen Einstellungen zu treffen, damit eine Aufnahme gelingt. Die Chance, in der Camera auszustellen, habe die Studierenden aber „doppelt motiviert“, sagt die Professorin. Auch Museumsleiter Dr. Tobias Kaufhold freut sich: „Für uns ist eine Kooperation mit der Universität sehr wichtig.“ Das Wissen um die alte Technik an die jüngere Generation weiterzugeben zähle schließlich zur Hauptaufgabe des Museums.