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Streit um Baufälligkeit

26.12.2012 | 17:29 Uhr
Streit um Baufälligkeit
Bürgerinitiative setzt sich für den Erhalt des Wohnraums an der Wissollstraße ein.Foto: Stephan Glagla

Mülheim. Der Streit zwischen den Mitgliedern der Bürgerinitiative zum Erhalt der Häuser an der Wissollstraße und ihrem Vermieter Tengelmann geht weiter. Wie berichtet, bangen die Bewohner der Häuser 51 bis 55 um den Wohnraum in Speldorf, gleich neben der Tengelmann-Zentrale. Nun beklagen die Anwohner: „Tengelmann lehnt eine von uns beantragte Begutachtung der Häuser durch einen unabhängigen Baugutachter ab“, so Malte Schiefer, Sprecher der Bürgerinitiative. „Stattdessen wurden in einem der Häuser die Fenster zugemauert, die Gas- und Wasserleitungen verschweißt.“

Der Fall: Nach einem Wasserschaden in dem Eckhaus der Dreierreihe, Nr. 51, sei der Familie, die dort wohnte, nahe gelegt worden, auszuziehen, so Schiefer. Seitdem steht das Haus leer. „Im April 2012 kündigte die Hausverwaltung dann an, dass drei Häuser der Wohnsiedlung abgerissen werden müssen.“ Der Grund? „Baufälligkeit.“ Die Bewohner bezweifeln das – und vermuten, dass der Konzern die angebliche Baufälligkeit als Grund für einen Abriss vorschiebt. Ein unabhängiges Baugutachten, so die Überlegung der Anwohner, könnte dies widerlegen, ein Abriss damit verhindert werden. Schiefer und seine Mitstreiter gehen in ihren Vorwürfen noch einen Schritt weiter: „Es sieht ganz danach aus, als sei Tengelmann selbst daran gelegen, das Haus so schnell wie möglich unbewohnbar zu machen und die nur behauptete Baufälligkeit selbst herbei zu führen.“

Tengelmann verteidigt sich

Das Unternehmen weist die Unterstellungen entschieden zurück. Bereits im September teilte der Konzern mit, dass für die Häuser 51, 53 und 55 verschiedene Optionen geprüft werden, eine Entscheidung aber noch nicht gefallen sei. „Anfang nächsten Jahres wird eine turnusmäßige Überprüfung des baulichen Zustands bestimmter Gebäude durch Mitarbeiter unserer Hausverwaltung erfolgen.“ Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Das Gebäude an der Wissollstraße 51 ist aus Sicht des Eigentümers nach einem erheblichen Wasserschaden Anfang 2012 zu Wohnzwecken nicht mehr uneingeschränkt geeignet.“

Die zugemauerten Fenster und doppelt verriegelten Türen erklärt das Unternehmen mit der Sicherheit. „Um ein unbefugtes Betreten zu verhindern und um keine Gefahrenquelle entstehen zu lassen, wurden Erhaltungs- und Sicherungsmaßnahmen getroffen.“ Zudem sei es nicht zutreffend, dass die Mieter des Hauses 51 ihre Wohnungen unter Druck verlassen mussten. „Das Gebäude war seit Jahren nur teilweise vermietet.“ Mit allen Mietern seien einvernehmliche Lösungen mit Übergangsfristen gefunden worden.

Malte Schiefer und seine Bürgerinitiative reicht das nicht. Sie wollen weiter in die Offensive gehen und nach einer Briefaktion auch noch Unterschriften sammeln. „Die ersten Listen sind schon gefüllt.“

Kristina Mader

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Kommentare
01.01.2013
23:50
Streit um Baufälligkeit
von modtiger | #10

lospolloshermanos, richtig, 12 sind nur eine Gruppe und nicht die Allgemeinheit, doch Tengelmann ist nur einer. Auch der Vergleich mit St.Paulis Hafenstraße hat etwas. Dort stehen die Häuser bis heute. Die Allgemeinheit hat eben Sympathien für Hausbesetzer. Doch es gibt Unterschiede zu Mülheim. Hier leben keine Hausbesetzer, sondern Mieter. Diese haben einen Rechtsanspruch auf die gemieteten Wohnungen. Tengelmann geht es weniger um die Häuser, als vielmehr darum, die Gemeinschaft der Bewohner zu zerstören, deren Wohnform den Zielen des Konzerns zuwider läuft. Hier soll Politik mit Hilfe des Geldes gemacht werden. Wohnraum unterliegt dem Schutz des Gesetzes. Solange die Häuser noch brauchbar sind, können die Mieter nicht einfach auf die Straße geworfen werden.

1 Antwort
Wohnform?
von lospolloshermanos | #10-1

Wie lebt man denn dort?

Gründe ich nun auch eine BI - weil mein Vermieter das Gebäude nicht in der mir gefälligen Farbe streichen will?

Übrigens handelte es sich bei den Hausbesetzern der Hafenstr. um Mieter und Pächter. Und ein paar RAF- Angehörigen...

29.12.2012
07:34
@lospolloshermannos - Und das rigide Vorgehen von Tengelmann gegenüber Anwohner-Familien mit Kleinkindern wäre ein "Gewinn für die Demokratie"???........:-)...........
von maulwurfshaufen | #9

Nun ja, ich würde hier mal den folgenden Satz kritisch kommentieren (von lospolloshermannos): "Diese inflationäre Nutzung von BIs zum Durchsetzen privater Interessen ist kein Gewinn für die Demokratie!" - Und was Tengelmann beträfe, das wäre dann kein "Durchsetzen privater Interessen"??? Das rigide Durchsetzen der Interessen eines Eigentümer-Konzern gegenüber Anwohnerfamilien mit Kleinkindern, das ist dann Demokratie??? Seltsames Verständnis von Demokratie.... Auch mal das folgende Zitat des selben Verfassers "Gegen das böse Unternehmen, mit allen "rechtlichen" Mitteln". Wo hat die BI Wissollstraße bisher rechtliche Mittel angewandt??? Es geht hier doch vielmehr darum, dass Tengelmann keine vollendeten Tatsachen schafft, unter Ausschluss der Öffentlichkeit (und sich gleichzeitig medienwirksam als "Wohltäter der Öffentlichkeit" darstellt).....Der von Tengelmann beobachtbar beabsichtigte Ausschluss der Öffentlichkeit wird aber nicht so ganz funktionieren, wie mir scheint.....:-).......

1 Antwort
Hat denn Tengelmann auch
von lospolloshermanos | #9-1

eine BI gegründet?

Dann formuliere ich mal so: Mit allem, was recht ist. Die Rechtsmittel werden dann folgen.

Das rechtfertigt meiner Meinung nach immer noch keine BI. Beschäftigen Sie sich doch mal mit der Abwahl in DU. Da ist nämlich genau das eingetreten, was viele an dem Sinn un Zweck solcher "Vereine" zweifeln lässt.

Mal ganz abgesehen davon: Wer bitte, tut sich sowas freiwillig an. Ich meine, einen solchen Vermieter. Bei den 5000 Wohnungen wird sich mit Sicherheit was finden lassen. Für alle, auch zusammen. Sich mit einem Vermieter anlegen zu wollen, der zu solchen Methoden greift, das kann doch nur Ärger geben. Dann soller halt glücklich werden mit seinem Museum.

Das hat auch nichts mit Aufgeben oder Verlieren zu tun. Der Klügere gibt nach, heißt es doch so schön. Warum sich das Leben so schwer machen?

28.12.2012
23:46
Der Vollständigkeit halber:
von lospolloshermanos | #8

In der Print-Ausgabe war zu lesen, daß DIE LINKE diese BI unterstützt. Einmal kurz gejoogelt: http://www.dielinke-muelheim-ruhr.de/kreisverband_die_linke/#c186582

Also ein Popanz.

Parteipolitik von den Enteignern, gegen das böse Unternehmen, mit allen "rechtlichen" Mitteln.

Erinnert mich irgendwie an die, also DIE Hafenstraße.

Eigentlich ziemlich durchsichtig. Wie zum Scheitern verurteilt.

28.12.2012
23:33
Jetzt wollen wir aber mal die Kirche im Dorf lassen, @modtiger
von lospolloshermanos | #7

Jetzt kommen Sie also mit dem GG. Ein wenig undifferenziert, aber die ganz große Keule. Wenig glaubwürdig.

Was soll denn das Ziel dieser BI sein? Wo ist das öffentliche Interesse?

12 sind eine Gruppe, aber nicht die Allgemeinheit.

Diese inflationäre Nutzung von BIs zum Durchsetzen privater Interessen ist kein Gewinn für die Demokratie! Eher das Gegenteil. Mal darüber nachdenken!

28.12.2012
15:45
Streit um Baufälligkeit
von modtiger | #6

@lospolloshermanos und Muelheim_01, es bedarf wohl ein wenig Nachhilfe zum Grundgesetz. Dort steht Eigentum verpflichtet. Gemeint ist speziell Grundeigentum und noch spezieller Wohnbebauung. Herr Haub ist einer. Allein auf dem Bild sind zwölf Bewohner abgebildet. Da Wohl der Allgemeinheit liegt daher eindeutig im Sinne der Bürgerinitiative. Hier hat sich eine Gemeinschaft gebildet, die in vielerlei Hinsicht vorbildlich ist, ganz unabhängig von monetären Aspekten.

27.12.2012
23:05
Streit um Baufälligkeit
von Muelheim_01 | #5

Nummer 3 hat vollkommen Recht: der Eigentümer bestimmt was gemacht wird, er trägt auch die Kosten für den Abriss und was da nachher auch immer hinkommt, bestimmt nur er alleine !

Wenn Herrr Hoffmeister keinerlei Interesse mehr an dem alten Kaufhof findet und den Abriss veranlassen würde, dann hat auch kein anderer Mülheimer das Recht, sich dagegen aufzulehnen. Der eientümer bestimmt wo es langgeht.

Über die Art und Weise des "Wie" mag man geteilter Meinung sein, vermutlich sind die entsprechenden Mietverträge gekündigt worden und die Mieter müssten schon längst raus sein. Im nächsten Schritt würden Wasser, Strom und Gas abgestellt, ist doch ein normaler Vorgang, oder warum sollte der Eigentümer monatliche Pauschalen weiterzahlen.

27.12.2012
19:09
@lospolloshermanos - Auch die umliegenden Häuser gehören Tengelmann.....
von maulwurfshaufen | #4

Auch die umliegenden Häuser gehören Tengelmann - wer da Böses denkt...... Wie gesagt, es gibt den Plan zum Bau einer Privat-Garage (One-Man-Museum) für die Oldtimer-Sammlung von Karl-Erivan Haub sowie zum Bau einer "Event-Halle" für die Mitarbeiter (vielleicht kommt da ja dann ab und an auch mal der "mobile Kletterfelsen" rein, der Karl-Erivan Haub - oder sagen wir mal lieber: Die unterbezahlten kik-Mitarbeiterinnen - der Stadt Mülheim spendeten). Was sagt uns der Begriff "Salami-Taktik"? Erst wird eine Wohnung zugemauert. Noch wohnen in den angrenzenden Häusern Menschen....Noch! Noch werden die umliegenden Häuser nicht thematisiert. Noch nicht! Klar ist das Thema auch für alle anderen Anwohner der Wissollstraße und Unmgebung von Interesse. Die Zeitungen berichten ja auch hierüber.....

4 Antworten
Wie der Herr Haub
von lospolloshermanos | #4-1

sein Geld verdient mag fragwürdig sein (Behandlung von Mitarbeitern, Lieferanten aus Fernost etc.). Da heute ja wohl (fast) alle ihr Geld so verdienen, der deutsche Kunde aber weiterhin fleißig zu Billigprodukten greift, ist das kein Argument in diesem Fall. Ebensowenig was man dann dort bauen will. Schließlich ist der Mann der Eigentümer. Wir reden nicht über den SWB o.ä. und befinden uns noch in Deutschland. Da entscheidet der Eigentümer und nicht der Mieter/ eine BI / Partei.

Das mag für die Mieter bitter sein. Ist aber in meinen Augen kein Grund, eine BI zu Gründen. Ich sehe hier kein öffentliches Interesse. Hier treffen Privatinteressen auf Privatinteressen.

Und, nein, ich arbeite nicht bei Tengelamnn, bin nicht Herr Haub und bin selber auch ein Mieter. Bevor Was Falsches vermutet wird.

Und wie bestellt:
von lospolloshermanos | #4-2

http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/fast-5000-wohnungen-stehen-leer-id7428124.html

Ich war das aber nicht ;)

Kein Argument in diesem Fall ?
von schweinchen_schlau | #4-3

Ist ja vor Zynismus kaum zu überbieten, ihre Bemerkung. Weil es (fast) alle so machen, ist es kein Argument, ihrer Meinung nach. Dann bedenken sie mal, wenn sie das nächste Mal zum teuren Produkt greifen, das auch dieses unter den gleichen menschenunwürdigen Bedingungen in Pakistan, Bangla Desh oder sonstwo hergestellt wurde. In den gleichen Ausbeuterbaracken wie der Billigkram des Herrn Haub. Dies ist doch der Kern des Problems der Sklavenarbeit in diesen Ländern. Es sind die Haubs und H&Ms, die das Billiglevel setzen. Gewinnmaximierung ist das Evangelium, sowohl bei KIK, als auch bei Hilfiger oder Versace.
Die protestierenden Mieter sind alle im Besitz gültiger Mietverträge mit Haub und zahlen brav ihre Miete.Verträge sind hierzulande grundsätzlich einzuhalten.Herr Haub will kaum selbst dort einziehen, daher fällt Eigenbedarf aus. Haubs Problem wird ja durch sein Verhalten offenkundig (Zumauern etc.), rechtmäßig bekommt er die Leute dort nicht hinaus, daher die Entmietungsaktion

Verehrtes #schweinchen_schlau
von lospolloshermanos | #4-4

Es geht hier nicht darum, wie der Mann sein Geld verdient. Das, was Sie als Zynismus bezeichnen ist die Realität. Steht auch auf einem ganz anderen Blatt (wo ich voll bei Ihnen bin).

Hier wollen ein paar Mieter offensichtlich billigen, liebgewonenen Wohnraum erhalten.

Könnense versuchen. Aber nicht als BI. Wie glaubwürdig werden andere BIs sein, wenn eigene Interessen Vorrang haben - Werfen Sie mal einen Blick nach DU und die Sauerland-Debatte.

27.12.2012
15:53
Streit um Baufälligkeit
von lospolloshermanos | #3

Irgendwie verstehe ich die Aufregung nicht. Wenn der Eigentümer (ob er nun Tengelamnn heißt oder Müller-Lüdenscheid) keinen Sinn sieht, die Substanz zu erhalten also zu sanieren, aus welchen Gründen auch immer, dann ist das halt so. Was soll eine Bürgerinitiative, wo ist hier das Allgemeinwohl? Oder wollen sich ein paar Leute mit Kontakten zu Presse und Parteien nur darüber beklagen, daß der böse Vermieter die heimelige kleine "Kommune" zerstören will? Wie gesagt, ich verstehe den Sinn dieser Aktion nicht ganz...

27.12.2012
15:39
Zum Zwecke des Wohnungserhalts werden die Fenster zugemauert??? Dann kann der Baugutachter ja gut arbeiten.....:).......
von maulwurfshaufen | #2

Dass Tengelmann zum Zwecke des Erhalts einer Wohnung deren Fenster zumauert, ist ja ein ziemlich ungewöhnliches Verfahren (vielleicht abgeschaut bei Pharaonen-Gräbern???)....:-)....Auch ist es seitens des Tengelmann-Konzerns recht wenig nett gegenüber seinem abhängigen Baugutachter (ein unabhängiger wird ja nicht zugelassen), ihm durch das Zumauern der Fenster bei seiner Arbeit der einzigen Lichtquelle zu berauben. Die Elektrik dürfte ja bereits abgestellt sein. Werden dann zwecks Begutachtung die zugemauerten Fenster mit einer Spitzhacke wieder freigeklopft??? Warum wird denn in dem "aus Sicht des Eigentümers nach einem erheblichen Wasserschaden Anfang 2012 zu Wohnzwecken nicht mehr uneingeschränkt geeigneten Gebäude" (ZITAT) kein unabhängiger Baugutachter zugelassen? Ist die Bausubstanz vielleicht gar nicht sooo gefährdet??? Oder ist das in Verbindung mit dem geplanten Auto-Museum für Karl-Erivan Haub und der Event-Halle für seine Mitarbeiter zu sehen? Stören die Häuser dort etwa?...

1 Antwort
Mal eine Frage:
von lospolloshermanos | #2-1

Wie würden Sie denn ein leerstehendes Haus, daß sich in entsprechendem Zustand befindet, vor unbefugtem Betreten sichern?

Kennen Sie Taschenlampen? Revolutionäre Erfindung, bereits 1899.

27.12.2012
15:04
********* Haub...
von schweinchen_schlau | #1

...ist ja für seine "vorbildliche" Haltung auf vielen Feldern gesellschaftlichen Engagements bekannt, zwar eher unrühmlich (Produktion und Verkauf bei seiner KIK-Tochter, Pseudo-Umweltbewusstsein bei Tengelmann und fehlende Aufarbeitung der Firmengeschichte während der Nazi-Zeit), als rühmlich, aber nun schlägt er ein ganz neues Kapitel auf.

Entmietung nennt man das, was hier abläuft und bisher war es nur ein Vorgeschmack. Die Mieter können sich darauf einstellen, dass auch ihnen eines Tages die Fenster zugemauert werden, oder das Wasser abgedreht, oder auch nur ein Baugerüst mit lichtdichten Planen vor die Fenster gestellt wird. Und alles buchstäblich vor den Augen des guten Herrn Haub.
Sein alter Vater war in der Vergangenheit in genau dieser Angelegenheit viel diplomatischer und bot den Protestierern Mietverträge an.

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