Idee für die Promenade

Storch soll am kleinen Hafen schnäbeln

Foto: Oliver Müller / FUNKE Foto Services
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Nachdem die Rettung des Saarner Aussichturms mangels Geld gescheitert ist, soll „Georch II“ auf der Kaimauer an der Ruhrpromenade landen. Die Verwaltung prüft. Besucher sind skeptisch

Mülheim.. Der Storch ist tot – es lebe ein neuer Storch. „Georch II“, der Flieger mit klappernden Schnabel, soll in der Stadt landen. Nachdem der hölzerne Aussichtsturm auf dem Saarner Kirmesplatz seine Besucher nicht mehr tragen konnte, abgebrochen wurde, weil das Geld zur Rettung ausblieb, soll sich sein Nachfolger möglichst bald an der Ruhrpromenade drehen. Eine Vorschlag zur Landeerlaubnis flatterte kürzlich ins Büro der Oberbürgermeisterin.

Bis vor einigen Tagen war der Inhalt dieser Luftpost aus Saarn noch geheim, soll bei der Oberbürgermeisterin, einigen Verwaltungsmitarbeitern und informierten Politikern aber auf „wohlwollende Zustimmung“ gestoßen sein, wie in den vergangenen Tagen auf der Ruhrpromenade zu hören war.

Über die Finanzierung ist bisher nichts bekannt

Folglich stellte die CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung 1 den Antrag auf einen Sachstandsbericht der Verwaltung, „in dem die Planungen zur Aufstellung einer neuen Skulptur ,Storch Georch II’ mit wertvoller Sponsorenhilfe am Standort Ruhrpromenade/Stadthafen vorgestellt wird“. Fraktionsvorsitzender Hansgeorg Schiemer begründete sein Anliegen auch: „Die Verwaltung sollte gemeinsam mit der interessierten Öffentlichkeit über die neuen Überlegungen und Planungen zur Aufstellung einer neuen Skulptur ,Storch Georch II’ – in Anlehnung an den früheren Aussichtsturm und das Saarner Wahrzeichen – informieren.“

Die Antwort viel allerdings gestern Nachmittag auf der Sitzung des Ortsparlaments dünn aus. „Der Künstler hat den Vorschlag gemacht und eingereicht. Über die Finanzierung ist bisher nichts bekannt. Die Verwaltung prüft nun alles, um danach einen Bericht vorzulegen“, erklärte Peter Ludewig von der Bezirksverwaltungsstelle. Zu einer Debatte kam es im Ortsparlament danach nicht. Nun warten alle auf den Bericht aus dem Rathaus.

Was aus dem Storchennest bisher an Informationen auf die Promenade fiel, hört sich so an: Genau auf der Spitze der Kaimauer zum kleinen Stadthafen soll „Georch II“ angepflockt werden. Dort, wo heute der Fahnenmast das Banner trägt, soll die in Mülheim hinlänglich bekannte Storchenskulptur stehen.

Schräge Vögel

Ihre Höhe soll etwas acht Meter sein. Sie soll sich im Wind drehen können und – wenn das Geld reicht – abends auch beleuchtet sein. Die LED-Technik macht heute fast alle Lichtspiele möglich.

„Es tauchen hier schon genug schräge Vögel ihren Schnabel ins Wasser und hinterlassen Dreck. Wir brauchen nicht noch einen Storch. Die hingen schon in den 1980er Jahren auf der Schlossbrücke“, sagt eine Seniorin im Promenadencafé, als sie von der Idee des Künstlers Peter Thorsten Schulz erfährt. „Wir haben andere Probleme, als für Kunst Steuergelder rauszuwerfen. Und wenn er Geld übrig hat, dann soll er es den Flüchtlingen geben“, fügt ihre Freundin hinzu. Die Stadt habe wichtige Probleme zu lösen.

Kommentar

Was soll ein Storch an der Ruhrpromenade? Frösche fischen? Wegweiser in den (Stadt)- Hafen der Ehe sein? Oder ist er nur teures Symbol, um seinen Schnabel in den Wind zu halten? „Storch Georch“ ist ein feiner Vogel und sein Erfinder Peter Thorsten Schulz darf stolz auf ihn sein. Aber er sollte das Tier nicht überstrapazieren und es nur auf den gerade angesagtesten Platz der Stadt fliegen lassen. Am Saarner Kirmesplatz war „Georch“ ein toller Aussichtsturm. Auf der Spitze einer Hafeneinfahrt mag er origineller als der übliche Leuchtturm sein. Aber passt er wirklich vor die Stadthalle, das neue Schlossquartier und Ruhrbania?

Über Kunst im öffentlichen Raum lässt sich prima streiten. Bringt ein Künstler sich selbst ins Gespräch, wie aus dem Rathaus verlautet, sagt das auch viel. Steuergeld darf „Georch II“ nicht abfischen. Die Stadtgemeinschaft hat wichtigere Dinge zu bezahlen als ein schnäbelndes Windfähnchen. Ist „Georch II“ unersetzbar, wird es Sponsoren genug für einen langlebigen Turmneubau in der Aue geben. Das ist begehbare und mehrwertige Kunst. Nur gucken kommt von Gunst – dieses Vögelchen fliegt zu hoch.- frh-

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