Stellwerkbrand – Bahnverkehr wohl noch länger beeinträchtigt

Der Brand im Stellwerk am Bahnhof Mülheim-Styrum legt den Bahnverkehr im Ruhrgebiet lahm.
Der Brand im Stellwerk am Bahnhof Mülheim-Styrum legt den Bahnverkehr im Ruhrgebiet lahm.
Foto: Feuerwehr Mülheim
Ein Stellwerkbrand in Mülheim-Styrum behindert seit dem Morgen den Nah- und Fernverkehr. Auch auf einer Umleitungsstrecke gab es zwischenzeitlich Probleme.

Mülheim.. Wegen eines Stellwerkbrandes in Styrum kommt es am Sonntag zu Behinderungen im Bahnverkehr rund um Mülheim. Gegen 7.40 Uhr hatte ein Stellwerks-Mitarbeiter massiven Rauch festgestellt. Er rettete sich unverletzt ins Freie. Als die Feuerwehr eintraf, drang schon dichter Qualm aus der Relaisstation.

Der ausgebrannte "Bahntower" steht an der Siegfriedbrücke am Bahnhof Mülheim-Styrum, einer Fußgängerbrücke zwischen Siegfriedstraße/Oberhausener Straße und Hauskampstraße (hinter Lidl). Das Stellwerk liegt in zentraler Position mitten auf den Hauptstrecken durchs Revier.

"Das wird sicherlich morgen auch noch nicht alles glatt laufen, einiges wird sich verzögern", sagte ein Bahnsprecher am Sonntagabend in Berlin. Sehr viele Züge und Verbindungen seien betroffen, auch der Fernverkehr. Die Fernzüge werden weiterhin über Gelsenkirchen umgeleitet und fahren damit weder Essen noch Bochum an. Im Regionalverkehr werden Busse eingesetzt, um die gesperrte Strecke zwischen Duisburg und Essen zu ersetzen. Am Abend wurde eine stündlich pendelnde S-Bahn auf der Strecke angeboten. Wie lange die Störung andauere, sei noch nicht absehbar, hieß es.

Technik ist wohl komplett zerstört

Die Löscharbeiten im Stellwerk seien aufwändig gewesen, so Feuerwehrsprecher Thorsten Drewes. Von innen sei anfangs kein Löschen möglich gewesen – die brennenden Kunststoffe und Technik hatten die Temperatur zu hoch getrieben. Die Feuerwehr musste den Turm erst von außen abkühlen. Drinnen mussten Deckenverkleidungen entfernt werden, um alle Brandnester zu löschen. Seit 10.30 Uhr sind die Brände aus – die Nachlöscharbeiten dauerten aber stundenlang, und auch anschließend blieb die Feuerwehr mit einem Fahrzeug vor Ort, um das Stellwerk zu beobachten.

In Betrieb gehen kann es wohl nie mehr: „Das wird sehr wahrscheinlich ein Totalschaden sein“, so schätzte der Feuerwehrsprecher den Zustand der Technikstation ein, die stundenlang Flammen, Glut und Löschwasser ausgesetzt war, deren Obergeschoss hinter zerschlagenen Scheiben völlig ausbrannte. Die gleiche Ansicht vertritt Thomas Castor, Notfallmanager der Deutschen Bahn, die ebenfalls mit einem mobilen Einsatzteam vor Ort in Styrum war: Das Stellwerk könne nicht mehr benutzt, sondern müsse neu gebaut werden.

Weichen manuell steuern

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn erklärte, man wolle nun versuchen, „das Ganze manuell zu steuern“, indem man die Computertechnik, die die Weichen normalerweise bewegt, außer Kraft setzt. „Auswirkungen auf den Bahnverkehr wird der Ausfall des Stellwerks aber noch länger haben.“

Zu Brandursache (Brandstiftung, Kurzschluss etc.) und Schadenshöhe sind bisher laut Bahn keine Aussagen möglich.

Diese Züge im Nah- und Fernverkehr sind betroffen

Laut Deutscher Bahn gelten mindestens bis Sonntagabend folgende Änderungen im Regionalverkehr und im Fernverkehr:

  • Züge des Fernverkehrs werden von Duisburg über Gelsenkirchen nach Dortmund (in beiden Richtungen) umgeleitet. Dadurch entfallen die Halte in Bochum und Essen.
  • S1: Dortmund–Solingen endet in Essen, Solingen–Dortmund endet in Duisburg; seit etwa 18 Uhr stündlicher Pendelverkehr zwischen Duisburg Hbf (Abfahrt XX.07 Uhr) und Essen Hbf ( Abfahrt XX:35 Uhr)
  • S3: Hattingen–Oberhausen endet und beginnt in Essen
  • RE 2: Münster–Düsseldorf endet und beginnt in Essen
  • RE11: Mönchengladbach–Hamm wird in beiden Richtungen über Essen-Altenessen, Gelsenkirchen und Herne umgeleitet
  • RE6: Düsseldorf-Minden wird in beiden Richtungen über Essen-Altenessen, Gelsenkirchen und Herne umgeleitet
  • RE1: Aachen–Paderborn wird in beiden Richtungen über Essen-Altenessen, Gelsenkirchen und Herne umgeleitet
  • Ein Notverkehr wird zwischen Oberhausen und Essen eingerichtet
  • Ein Notverkehr wird zwischen Essen und Duisburg eingerichtet.

Am Nachmittag gab es eine weitere Hiobsbotschaft der Deutschen Bahn: Wegen eines liegengebliebenen Zuges war auch die Umleitungsstrecke Oberhausen Hauptbahnhof in Richtung Essen-Altenessen blockiert. Züge der RE1, RE6, RE11 und S2 konnten die Blockade zwar über die Güterzugstrecke umfahren, dennoch kam es bis zum Abend zu erheblichen Verspätungen und Einschränkungen.

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