Steigt Gelsenwasser bei RWW ein, spüren Kunden das kaum

Als der Energiekonzern RWE 2002 seine Beteiligung an der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft (RWW) auf knapp 80 Prozent aufstockte, war der Aufschrei in Mülheim unüberhörbar. Der Wasserversorger mit Sitz am Broicher Ruhrufer galt stets als verlässlicher Partner der Stadt – auch bei zu öffnenden Wegen für die Landesgartenschau 1992 oder zu betreibenden Museen. Aquarius und Haus Ruhrnatur stehen für sich.

In den vergangenen zwölf Jahren änderte sich das nicht. Sollte RWE 30 Prozent seiner RWW-Anteile an die Gelsenwasser AG verkaufen, „werden wir unsere Kunden wie bisher mit unserem guten Wasser beliefern. Dazu sind wir verpflichtet“, sagt RWW-Sprecher Ramon Steggink. Andere Geschäfte würden in Essens RWE-Zentrale entschieden.

Nicht so erbaut von einem neuen Miteigentümer sind die Städte im Versorgungsgebiet der RWW. Mülheim hält mit zehn Prozent den größten kommunalen Anteil. Über ein Vorkaufsrecht könnte die Stadt ihren RWW-Besitz vergrößern. Aber den dafür notwendigen Geldfluss genehmigt die Finanzaufsicht dem Kämmerer wohl nicht. Die Preisvorstellungen des verlustreichen Energiekonzerns passen ebenfalls nicht zu den Vorstellungen der Städte.

Mülheim kann diese Preisschraube auch nicht mehr nach unten drehen. Die Stadt hat zum Ende 2014 beim Hauslieferanten RWE gekündigt und kauft den Strom jetzt für 2,1 Millionen Euro weniger bei der Konkurrenz. Gute Dividende vom RWE erwartet der Kämmerer dennoch.

RWE möchte die Gelsenwasser AG als Anteilskäufer gewinnen. Das kommunale Unternehmen versorgt den Nordwesten des Ruhrgebietes, bekäme mit RWW-Anteilen Zugang zum „Mülheimer Verfahren“. Diese, an der Ruhr entwickelte, Art der Trinkwasseraufbereitung setzt seit Jahrzehnten Maßstäbe in der Wasserwirtschaft. Gelsenwasser hat da Nachholbedarf, heißt es bei RWW. „Die Aufsichtsratsmitglieder äußern sich zu RWE-Geschäften nicht“, erklärte Stadtsprecher Volker Wiebels.